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Indien-Blog

28. Februar 2015 19:12; Akt: 09.03.2015 13:17 Print

Das Land der Armen

von David Torcasso - Indien trägt ein Drittel der Armen dieser Welt. Land- und Kastenlose kämpfen um ihre Rechte. Überfallen wird man aber von Herzlichkeit.

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«Der Staat Chhattisgarh leidet unter gewalttätigen Aktionen von Naxaliten (maoistische Rebellen). Deshalb verirrt sich nur selten ein ausländischer Besucher hierher. Sehenswürdigkeiten sind Mangelware. Besucher müssen Infos über die Sicherheitslage einholen. Es kommt immer wieder zu gewaltsamen Zusammenstössen zwischen Naxaliten-Guerillagruppen und staatlich unterstützen Milizen.» Das steht im Reiseführer über den Ort, an dem ich nach 34 Stunden Zugfahrt ausgespuckt werde. Mir begegnen keine gewalttätigen Rebellen (und zum Glück auch keine Touristen). Dafür überfallen mich 2000 Menschen mit ihrer Herzlichkeit. Im abgelegenen Tilda nehme ich am 25-jährigen Jubiläum von Ekta Parishad teil.

Zuerst ein Stück Land

Meine Organisation setzt sich für die Rechte der ärmsten Bevölkerungsgruppen ein: der Adivasis und Dalits, der Land- und Kastenlosen. Sowie für die Tribals, die Ureinwohner Indiens. Westliche Zeitungen berichten gerne von den Menschen aus Indiens neuem Mittelstand, die in klimatisierten Kaffeehäusern Cappuccino schlürfen oder in Shoppingmalls Ray-Ban-Sonnenbrillen kaufen. Manchmal glaube ich, die Medien möchten die Realität leugnen. Drei Viertel der Inder leben von weniger als 140 Rupien (2,50 Franken) pro Tag. 65 Prozent der Bevölkerung leben auf dem Land. Millionen Bauern bangen um ihre Existenz, weil der Zugang zu Land und Trinkwasser durch Korruption und Grossprojekte der Regierung und Unternehmen gefährdet wird. Land grabbing – Landraub – nennt man das.

Indien trägt ein Drittel der Armen dieser Welt. Sie entstehen aus einem Ringen zwischen Traditionen und Kasten mit der Globalisierung. Die verkrusteten Lippen von bettelnden Kindern in Dörfern, der Husten alter Menschen in der verpesteten Luft der Grossstädte entstehen auch durch fehlendes Land. Deshalb fordert meine Organisation: land first! Der Begriff Armut fordert und fördert Mitleid. Ein Stück Land hingegen ist positiv konnotiert, weil es für den Stolz der Menschen steht, die durch ihr Handwerk reich sind.

Ich bin in Tilda einer unter vielen, falle aber trotzdem auf. Die meisten Menschen auf diesem Platz haben noch nie einen Weissen gesehen, geschweige denn einen, der ihnen Dal schöpft. Einige blinzeln verlegen, andere grinsen. Die Frauen tragen farbige Kopftücher, die Männer haben furchige Gesichter von der Feldarbeit. Diese Menschen wollen ein Stück Erde. Mehr nicht.

Weder Besteck noch Toilettenpapier

Ich bin fasziniert vom einfachen und zugleich distinguierten Leben der Menschen. Vom Stolz auf ihr Dorf, auf das Gemüse, das sie aus dem Boden ziehen. Dass ich meine Hände als Besteck benutze, am Boden inmitten hunderter Menschen schlafe. Ich bin im echten Indien angekommen. Zugleich muss ich aufpassen, dass diese Haltung nicht aus Überlegenheit einer postkolonialen Einstellung heraus geschieht. Die Sehnsucht eines Westlers nach dem wahren Indien manifestiert sich schnell in einem lebendigen Bilderbuch: Kinder, die Cricket spielen, Frauen, die Kleider im Fluss waschen, ein Ochsengespann. Das sind aber Zeugen der Armut, nicht der Nostalgie.

Das Abendessen besteht – wie auch das Morgen- und Mittagessen - aus Reis mit Dal. Ich esse nun bereits Tage Reis mit Dal. Und Dal mit Reis. Tag für Tag. Dal by Dal. In Indien isst man mit der rechten Hand und benutzt die linke Hand für den Klobesuch. Es gibt auf dem Land weder Besteck noch Toilettenpapier. Das klappt ganz gut. Bis ich feststelle, dass es auch keine Seife gibt

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