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Weltenbummler-Blog

24. April 2017 16:26; Akt: 24.04.2017 16:26 Print

Blick zurück mit Hanois Strassen-Coiffeuren

von Claudio Sieber - Sie schneiden Haare auf Trottoirs, in Hinterhöfen und auf Velos: Zu Besuch bei einem von Vietnams zahlreichen Gassen-Figaros.

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Tatort West-See in Hanoi, das Wasser eher braun als blau. Typisch vietnamesische Plastikschemel zieren das Kunstufer, Mopeds beladen mit bis zu vier Familienmitgliedern zirkeln vorbei. Ich nehme Platz bei Cuong: Strassencoiffeur, Sohn eines UNO-Mitarbeiters und ungekrönter Held des Alltags. Tschechien trainierte ihn einst zum Maschinenzeichner, die Liebe zu Detailskizzen und Methodik hielt nicht lange. Ausserdem ist Vietnam nicht imstande, solche Berufsbilder entsprechend zu entlöhnen. So übt er mit einem Puppenkopf die Kunst des Haareschneidens. Einen Monat später ist er selbsternannter Coiffeur mit mobilem Salon.

«Fünf Haarschnitte pro Tag reichen für Miete und Bier», schwärmt der Tausendsassa und neigt meinen Kopf etwas seitlich. Wie viele seiner Branchenkollegen hätte auch er gern einen eigenen Laden. Das jedoch kostet und ausserdem müsste er sich beim Staat als Steuerzahler outen. Wie viele Länder innerhalb Asien lässt Vietnam «Selfmades» wie Cuong viel Spielraum – es steht jedem frei, wie er über die Hürden des Lebens springt. Die mickrige Sozialversicherungsrente ist keinerlei Motivation, sich bis ins hohe Alter durchzuackern. Nicht wenige stützen sich daher auf die Fürsorge ihrer Kinder und arbeiten ausserhalb des Systems.

Coiffeursalon auf dem Velo

Das Anforderungsprofil diverser Berufe ist weltweit vergleichbar, aber nicht die Umgebung. Als ich nach Vietnam kam, war ich sogleich fasziniert von der Omnipräsenz der Strassencoiffeure. Sie lauern in Hinterhöfen, auf Trottoirs, in Parks, neben Märkten, ja auf Velos! Vietnam steckt grösstenteils noch in der Motorrad-Ära, das macht es einfach, gleich neben seinem Figaro zu parken und zehn Minuten später weiterzudüsen.

Noch vor einem halben Jahrhundert stellten sich Dutzende selbsternannte Barbiere nebeneinander auf den Strassen auf, ein jeder mit dem nötigsten Equipment bewaffnet: Spiegel, Schere und ein Kamm. Diese Tage kommen Rasierapparate und selbst Ohrputzmaterial hinzu. Im kommunistischen Vietnam gibt es nach wie vor eine breite Unterschicht und somit genügend Bedarf an günstigen Schnitten. Die Strassencoiffeure werden also trotz der andauernden Modernisierung überleben.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Herr Max Bünzlig am 24.04.2017 19:32 Report Diesen Beitrag melden

    ja genau

    für Waschen, Schneiden, legen, wird die Mutter da vermutlich völlig falsch sein

  • Kugel am 24.04.2017 20:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Strassen- Coiffeure

    Schön..ich find das toll! Die heutigen Salons haben kaum mehr Charme...

  • Kamm und Schere am 25.04.2017 09:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sich gegenseitig einen Dienst erweisen..

    Eindrückliche Bilder. Ganz grosses Kino, in eine völlig andere Welt! Eine Welt, die nicht verwöhnt ist wie die unserige. Da steckt mehr Liebe drin, den Menschen einen Dienst zu erweisen, als das grosse Geld zu machen..Hilfe zur Selbsthilfe, aber ohne den Anderen dabei auszunehmen!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Kamm und Schere am 25.04.2017 09:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sich gegenseitig einen Dienst erweisen..

    Eindrückliche Bilder. Ganz grosses Kino, in eine völlig andere Welt! Eine Welt, die nicht verwöhnt ist wie die unserige. Da steckt mehr Liebe drin, den Menschen einen Dienst zu erweisen, als das grosse Geld zu machen..Hilfe zur Selbsthilfe, aber ohne den Anderen dabei auszunehmen!

  • Kugel am 24.04.2017 20:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Strassen- Coiffeure

    Schön..ich find das toll! Die heutigen Salons haben kaum mehr Charme...

  • Herr Max Bünzlig am 24.04.2017 19:32 Report Diesen Beitrag melden

    ja genau

    für Waschen, Schneiden, legen, wird die Mutter da vermutlich völlig falsch sein

  • Typhoeus am 24.04.2017 17:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Andere Länder, andere Sitten

    Wie siehts denn mit der Hygiene aus? Tummelplatz von Flöhen und Läusen ?

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