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Indien-Blog

09. März 2015 07:44; Akt: 09.03.2015 07:44 Print

Ankommen in Bhopal – gar nicht so einfach

von David Torcasso - Kein warmes Wasser, Nebel und erschreckende Kälte. Der Alltag in Indien verlangt auch einem Weltenbummler viel ab.

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Mit einem rasselnden Husten wache ich inmitten von tausenden Indern im Zug auf. Drei Tage hatte ich von diesen billigen indischen Zigaretten geraucht, weil es auf dem Land nichts anderes gab. Die Marke heisst Flake – ich las zuerst Fake. Denn bei dem Preis kann es doch nur eine Fälschung sein: 60 Rappen kostet eine Schachtel mit zehn Stück. Vielleicht sollte ich mit dem Rauchen aufhören – aber eins nach dem anderen. Vegi werden und aufhören zu rauchen ist ein bisschen viel auf einmal.

Bhopal kennt jeder

Bei der Generation meiner Eltern klingelts, wenn sie Bhopal hören. Obwohl es eine durchschnittliche indische Grossstadt mit zwei Millionen Einwohnern ist, kennen sie viele. Am 3. Dezember 1984 um 0.05 Uhr trat aus dem Fabrikgelände des amerikanischen Konzerns Union Carbid eine Wolke Methylisocyanat aus. Der Wind verteilte das hochgiftige Gas in die dicht besiedelten Slums im Nordosten der Stadt. 2000 Menschen starben auf der Stelle, weitere 10'000 Opfer an den Nachwirkungen der Tragödie. Inzwischen ist die Zahl auf über 20'000 Tote gestiegen. Den Opfern wurde nach langem Ringen die lächerliche Summe von 25 000 Rupien – rund 400 Schweizer Franken – gezahlt. Da noch immer Gift in den Boden sickert, ist das Grundwasser in Bhopal kontaminiert.

Der Nebel über der Stadt, den ich zum ersten Mal in Indien sehe, lenkt meine Aufmerksamkeit nach draussen: Bhopal, die Stadt der Seen, empfängt mich als Stadt des Nebels – und einer erschreckenden Kälte. Ich krame meine Jacke hervor und blicke und auf mein iPhone. Zwölf Grad! Ich schnappe mir am Bahnhof eine Motor-Rikscha. Ich bin 30 Jahre nach dem Desaster von Bhopal mit knapp 30 Jahren in dieser Stadt, wo ich nach Zürich und Berlin wohnen werde. Im Guesthouse sind die Betten einfache Holzpritschen, ein Sofa fehlt, der Esstisch ist klein. Die Gegend scheint aber ziemlich schick zu sein. Vor den Häusern stehen schicke Autos, die Wohnungen sind mit Balkonen ausgestattet.

MacGyver-Trick für warmes Wasser

Am ersten Abend will ich mich als Weltenbummler beweisen und fahre alleine nach Hause. Der Rikscha-Fahrer findet die Strasse nicht. Ich werde das Haus finden, verlasse die Rikscha. Es wird dunkel. Plötzlich ähneln sich die Strassen. Ich frage einen Gemüsehändler, der weiss es nicht. Ich frage einen Wachmann, der will es nicht wissen. Ich frage einen Jungen, der versteht mich nicht. Ich frage eine Oma, die verstehe ich nicht. Dann erblicke ich einen Polizisten. Dieser packt mich kurzerhand auf den Rücksitz seines Motorrads. Wir fahren an Müllbergen, Schulbussen und Schneidereien vorbei. Dann finden wir die Strasse. Ich bedanke mich mit zehn dhanyavad. Stadtführung gehört schliesslich nicht in sein Aufgabenprofil.

Wie der Name schon sagt, ist das Guesthouse für Mitarbeiter und Gäste von Ekta Parishad gedacht. Manchmal schlafen in der 3,5-Zimmer-Wohnung sechs Leute, manchmal zwei. Es ist nicht nur eine Wohngemeinschaft, sondern eine Schlafzimmergemeinschaft. Ich teile mein Zimmer erstmals mit Arbeitskollege Laxman. Die Wohnung hat eine geräumige Küche, einen Balkon zum Kleideraufhängen und viele Decken. Schlotternd verkrieche ich mich darunter. Am Morgen sehne ich mich nach einer warmen Dusche. Der Duschkopf spuckt nur kaltes Wasser aus. Meine Mitbewohner zeigen mir nicht den Boiler, sondern einen MacGyver-Trick: Sie füllen einen Plastikeimer mit Wasser, nehmen einen Mini-Brennstab, legen ihn über einen Plastikkleiderbügel, versenken das Konstrukt im Eimer und erwärmen damit das Wasser.

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