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Indien-Blog

27. April 2015 17:24; Akt: 12.05.2015 12:15 Print

Atemlos durch Delhi

von David Torcasso - Ein Besuch in der indischen Hauptstadt, die vom krassen Gegensatz zwischen Arm und Reich bestimmt wird.

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Als ich am Morgen aus dem Hotel trete, scheint die Sonne in der Hauptstadt Delhi. Doch die Sonnenstrahlen erreichen mich nicht. Delhi ist unter einer Smog-Glocke abgeschirmt. Kein Wunder – die indische Hauptstadt ist die am schlimmsten verschmutzte Stadt der Welt. Delhi ist ein Moloch aus Strassen, die ständig verstopft sind. Da hilft auch die moderne U-Bahn nicht viel. Man nennt Delhi auch das L.A. von Indien. Wegen der vielen Strassen. Obwohl nur gerade 20 Prozent der Bewohner mit einem Auto unterwegs sind, überfluten Rikschas, Busse, Lastwagen, Velorikschas und Gemeinschaftstaxis die 20-Millionen-Metropole. Delhi, der Puls von Indien, der meist schnell und selten langsam schlägt.

Riesige Betonskelette säumen die Strasse, als ich aus der Stadt hinausfahre. Wie Dominosteine aufgereiht, steht hier ein grauer Wolkenkratzer nach dem anderen. Die langen Kraken der Baukräne und Gerüste umschliessen die Giganten. Eine Wohnbatterie nach der anderen wird hochgezogen. Es sind wortwörtlich hunderte solcher Blocks, die jetzt noch leerstehen. Eine furchterregende Armee von Riesentürmen, über deren Köpfen eine rote Sonne untergeht. Die Wohnblocks sehen aus wie im Computerspiel Sim City und erinnern an einen düsteren Zukunftsfilm aus der Vergangenheit. Wer es in Indien geschafft hat, wohnt in diesen Wohnblocks. Nicht weil sie schön sind, sondern weil die Menschen hier vom Dreck, dem Lärm und den Menschenmassen der Stadt abgeschirmt sind.

Im Paralleluniversum

Die Ober- und Mittelschicht hat sich hier ein Paralleluniversum erschaffen. Slums stehen gegenüber den neuen Blocks. Eine Metapher für die wachsenden Unterschiede zwischen Arm und Reich. Die Armen reinigen die Gebäude, Kameras vertreiben Bettler. Trinkwasser wird angeliefert. Und bricht mal wieder der Strom zusammen, halten Generatoren Kühlschränke und Waschmaschinen am Laufen. Unten stehen Wächter, weiter unten eine Tiefgarage. Fertiggestellt sind schon die Schilder, die das neue Wohnen anpreisen: «Western Paradise», «Garden City» oder «VIP Village».

Wie alle Grossstädte in Schwellenländern vereint Delhi Elend und Glamour, Reichtum und Armut, Starbucks und Slum, Party und Bettler, Prostitution und Korruption. Die Leute in Delhi sehen ihre Stadt als Burg, umrundet von armen Bundesstaaten und Menschen, die in die Burg hineinströmen möchten. Mit der Hoffnung auf einen Job und ein besseres Leben. «Diese Festung wankt allmählich und droht zu implodieren», beschreibt der Portier in meinem Hotel mit Händen und Füssen den Zustand der Stadt: «One day…..bum!» Delhi ist eine Stadt, die zwar nichts will, aber trotzdem alles einsaugt, das mit Geld und Politik zusammenhängt. Es ist eine Weltstadt, die vom Geist der Dörfer und den Händen ihrer ehemaligen Bewohner geschaffen wurde. Ein Schlund, der mit seinen Politikern versucht, das Land zusammenzuhalten, es durch ihr Wirken aber gleichzeitig auseinanderzieht – und die Kluft zwischen Arm und Reich im rasanten Tempo vergrössert.

Den Smog atmen

Auf der Fahrt durch die Stadt schnappe ich mir die englischsprachige Tageszeitung, die neben mir auf dem Sitz liegt. Einer der Artikel befasst sich mit der nicht nur bedenklichen, sondern alarmierenden Luftverschmutzung in Delhi. Es wird ernsthaft empfohlen, sich nicht draussen zu bewegen. Wir stecken im Stau auf der endlosen Strasse in die Innenstadt. Ich öffne das Fenster, weil es im Auto zu warm ist, nehme einen tiefen Atemzug voll Abgas und Smog, lächle dem Mann mit den rot gefärbten Haaren im Auto nebenan zu. Dann kommt die nächste Prise Abgas. Ich atme regelmässig, versuche herauszufinden, ob mir schlecht wird. Das nicht. Aber als ich mich zurücklehne, nicke ich fast augenblicklich ein.

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