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Wellness in Indien

15. März 2017 10:43; Akt: 15.03.2017 10:43 Print

Ayurveda klingt easy, ist aber harte Arbeit

Massagen, Yoga, Entspannung – Ayurveda klingt wie der Himmel auf Erden. Doch der Weg zur totalen Entspannung kann richtig anstrengend sein.

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Ein Muskelkater von den vielen Massagen! So hatte ich mir meine Wellnessferien nicht vorgestellt. Yoga-Lehrer George kennt trotz Kreuzweh kein Erbarmen: Sonnengruss, Brücke, Bogen. «Habe Vertrauen in deinen Lehrer und in die Götter», sagt er – und hilft mir in den Kopfstand. Ich wusste gar nicht, dass ich den kann! Nach einer Stunde ist die Plackerei vorbei – und die Schmerzen sind wie verflogen. «Yoga ist Selbstmassage», meint George grinsend.

Ayurveda ist viel mehr als nur wohltuende Ölmassagen. Das jahrtausendealte medizinische System verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz. Dazu zählen Behandlungen genauso wie regelmässige Bewegung und leichte, vegetarische Kost. «Stellen Sie sich Ihren Körper wie eine Unordnung vor, die wir aufräumen», erklärt Doktor Binu Nair. Dabei wird davon ausgegangen, dass wir alle über eine bestimmte Grundkonstitution verfügen, die sich aus den sogenannten Doshas zusammensetzt. Diese gilt es wieder in Einklang zu bringen.

Auf Basis einer gründlichen Anamnese inklusive Pulsdiagnose und Befragungen zur Lebensweise wird ein individueller Behandlungsplan zusammengestellt. So vergehen die Tage im Süden Indiens mit Yogaunterricht, Arztbesuch, Reis-Stempel-Massagen, Dampfbädern, Kräutermilchaufgüssen, Ohrenausräuchern und Lesen in der Hängematte.

Heimliche Träume von Spaghetti Napoli

Wer etwas mehr von Kerala zu sehen bekommen möchte, kann die Hotels der Soma-Gruppe kombinieren. So geht es für mich nach einigen Tagen vom Backwaters nahe Kochi zum Kovalam Beach in Trivandrum. Fein säuberlich wird meine Patientenakte für den Übertritt vorbereitet. An beiden Orten finden Alleinreisende schnell Anschluss, denn die meisten sind ohne Begleitung unterwegs. Die Finanzexpertin Anfang vierzig genauso wie der 81-jährige Pensionär oder der Yogalehrer Ende 20.

Im Bademantel trifft man sich beim Mittagessen. Gesprächsthema Nummer eins unter der buntgemischten Gästegruppe: der Öleinlauf, mit dem die Reinigungsphase der Panchakarma-Kur abgeschlossen wird. Das Abführen soll die Giftstoffe, die sich im Darm gesammelt haben, ausspülen. Ohne ins Detail gehen zu wollen: Es ist etwas unangenehm, aber halb so schlimm. Nur bei der Reisgrütze, die nun aufgetischt wird, kommen kurzzeitig Wünsche nach Spaghetti Napoli auf.

Ayurveda ist auf dem Vormarsch

Danach wird der Körper erst mit ganz sanften und dann belebenden Massagen – statt mit den Händen wird der Köper jetzt mit den Füssen traktiert – auf Vordermann gebracht. Bei der täglichen Arztkonsultation fühlt Doktor Binu wortwörtlich den Puls. «Früher konnte die Diagnose allein über diese Methode erstellt werden», erklärt Dr. Binu. «Das Wissen wurde traditionell in der Familie weitergereicht. Seit die moderne Schulmedizin Indien erreicht hat, ist jedoch viel Know-how verloren gegangen», räumt er ein. Dennoch ist heute ein fünfeinhalbjähriges Studium nötig, um Ayurveda-Arzt zu werden. Seit zehn Jahren erfährt die traditionelle Medizin einen Aufschwung. «Das hängt mit dem gesteigerten Interesse aus dem Ausland zusammen. Wir blicken auf euch im Westen», so Nair.

Kaum versieht man es sich, sind die zwei Wochen schon um. Ein letztes Mal Aufwachen zu den Gesängen der Fischer, die am Strand ihre Netze einholen. Ich bin so entspannt wie lange nicht mehr und könnte gleichzeitig Bäume ausreissen. «Jetzt geht es darum, die Wirkung aufrechtzuerhalten», sagt der Arzt. Mein Yogakurs in der Heimat ist gebucht. Mein nächster Kaffee- und Kuchenplausch aber auch. Sorry, Doktor Binu!

(sei)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Reto Meier am 15.03.2017 15:04 Report Diesen Beitrag melden

    Alles kommt aus Indien

    Ich bin ein Indienfan. Nicht, weil in Indien alles gut ist, aber schaut mal: alles kommt aus Indien. Mein Lieblingsthema. Mathematik, Physik, Chemie, Astronomie, Religion, Sprache, Astrologie, Philosophie - und eben auch die Medizin. Gebt mal bei Google 'father uf surgery' ein - sogar die chirurgischen Instrumente hat ein Inder - Susruta - entwickelt. War selbst schon ein paar Mal in einer Panchakarma und - sorry, liebe Schulmedizin, du erst junge Disziplin - Ayueveda ist der hiesigen medizin um Längen überlegen. Welche chronische Krankheit kann unsere Medizin hier kurieren? Keine.

  • namenloses elend am 15.03.2017 21:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kerala

    Die Leute die an so einem Seminar teilnehmen und nicht bereits mit dem Rucksack in solchen Ländern unterwegs waren, kriegen spätestens bei der Fahrt von Kochi zu den Backwaters einen Herzinfarkt. Ui gar nichts wit Yoga Ayurveda Smoothie Hipster Schönwetertum, sondern Chaos Lärm und Dreck.

  • happydog am 18.03.2017 22:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    anerkannte Ayurveda Medizin

    im Beitrag kommt ein bisschen zu wenig zur Geltung, dass Ayurveda eine Naturheilkundliche Medizin ist, welche sogar in der Schweiz mit eidg.Diplom über 6 Jahre studiert werden kann. In zusammenarbeit mit der klassischen Medizin ist Ayurveda vor allem bei chronischen Krankheiten sehr erfolgreich, was auch die neuste Studie über Arthrose und Ayurveda der Berliner-Charité Klinik zeigt. Ayurveda steht weder für Rächerstäbchen, Wellnessmassagen oder Hockuspokus, sondern für Naturheilkunde wie es auch in Europa eine lange Tradition hat.

Die neusten Leser-Kommentare

  • happydog am 18.03.2017 22:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    anerkannte Ayurveda Medizin

    im Beitrag kommt ein bisschen zu wenig zur Geltung, dass Ayurveda eine Naturheilkundliche Medizin ist, welche sogar in der Schweiz mit eidg.Diplom über 6 Jahre studiert werden kann. In zusammenarbeit mit der klassischen Medizin ist Ayurveda vor allem bei chronischen Krankheiten sehr erfolgreich, was auch die neuste Studie über Arthrose und Ayurveda der Berliner-Charité Klinik zeigt. Ayurveda steht weder für Rächerstäbchen, Wellnessmassagen oder Hockuspokus, sondern für Naturheilkunde wie es auch in Europa eine lange Tradition hat.

  • namenloses elend am 15.03.2017 21:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kerala

    Die Leute die an so einem Seminar teilnehmen und nicht bereits mit dem Rucksack in solchen Ländern unterwegs waren, kriegen spätestens bei der Fahrt von Kochi zu den Backwaters einen Herzinfarkt. Ui gar nichts wit Yoga Ayurveda Smoothie Hipster Schönwetertum, sondern Chaos Lärm und Dreck.

  • Patreik am 15.03.2017 20:05 Report Diesen Beitrag melden

    alles Hokus Phokus

    Ich bin selber Inder und habe nie begriffen, warum westliche Zivilisation so was auf Ayurveda abfährt. Das ist alles Geldmacherei. Klar helfen Meditation und Messagen beim Entspannen. Aber die restlichen Rituale sind nur Hokus Phokus Ja, die antiken indischen Veden sind voll mit Wissen. Aber man sollte nicht alles glauben, was darin geschrieben steht.

    • Partak Singh am 15.03.2017 21:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Patreik

      Leider sind viele Inder dem Ayurveda abgeneigt. Es ist sogar als arme Leute Medizin verpönt. War selbst 4 Jahre in Indien, habe drei Panchakarmas geniessen dürfen a je 4 Wochen. Mein Diabetes Mellitus ist weg. Mein Gewicht Stabil. Namaskar :-)

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  • Reto Meier am 15.03.2017 15:04 Report Diesen Beitrag melden

    Alles kommt aus Indien

    Ich bin ein Indienfan. Nicht, weil in Indien alles gut ist, aber schaut mal: alles kommt aus Indien. Mein Lieblingsthema. Mathematik, Physik, Chemie, Astronomie, Religion, Sprache, Astrologie, Philosophie - und eben auch die Medizin. Gebt mal bei Google 'father uf surgery' ein - sogar die chirurgischen Instrumente hat ein Inder - Susruta - entwickelt. War selbst schon ein paar Mal in einer Panchakarma und - sorry, liebe Schulmedizin, du erst junge Disziplin - Ayueveda ist der hiesigen medizin um Längen überlegen. Welche chronische Krankheit kann unsere Medizin hier kurieren? Keine.

  • wianve am 15.03.2017 12:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gesund?

    Das soll gesund sein? Oel in die Nase, Räucherstäbchen in die Ohren? Dabei weiss man das dies mehr schadet, als nützt. Möglichst noch ranzige Tücher bei dieser Wärme? Ohne mich, diese Tortour tue ich mir nie an. Exotik hin oder her. Ein lohnender Kommerz

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