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Reiseblog

17. April 2014 15:13; Akt: 23.04.2014 11:11 Print

In Brasilien gibts mehr Frust als Vorfreude

von Miriam Knecht - Von Vorfreude ist im Austragungsland der Fussball-Weltmeisterschaft nichts zu spüren. Die Brasilianer haben den WM-Blues.

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Der brasilianische Jung-Fussballer Erik in der Favela Jacarezinho in Rio de Janeiro. (Bild: Keystone/AP/Robert Jaeger)

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Brasilianerinnen und Brasilianer kommen schon fussballbegeistert zur Welt, heisst es. Und jetzt steht in ihrer Heimat auch noch das grösste Fussballfest vor der Tür, die WM. Die Vorfreude muss riesig sein, schliesslich war das Land schon fünfmal selber Weltmeister, so oft wie kein anderes. Pelé, Ronaldo, Ronaldinho, Neymar – auch sportlich völlig Desinteressierte kennen die brasilianischen Fussball-Ikonen.

Brasilien und Fussball, das gehört zusammen. Die Vorfreude im Gastgeberland muss so kurz vor Anpfiff der WM riesig sein, König Fussball allgegenwärtig, das blau-gelb-grüne Trikot schon frisch gebügelt. Könnte man meinen. Aber dem ist nicht so.

Nur Baustellen verweisen auf die WM

Wer Brasilien zurzeit besucht, stellt fest: Das WM-Fieber äussert sich noch kaum in der Begeisterung, sondern vielmehr im Ärger über die Begleiterscheinungen des Grossanlasses – Bauarbeiten, Verkehrschaos und Wucherpreise. Beispiel Rio de Janeiro: Man sucht vergeblich nach Neymars Konterfei im Supermarkt oder fliegenden Händlern, die am Strand von Ipanema und Copacabana T-Shirts der Seleção verkaufen.

Das Einzige, was in der Metropole auf die WM verweist, sind die vielen Baustellen. Überall werden noch Strassen ausgebessert, Brückenpfeiler neu gestrichen, Buslinien verlängert, schäbige Gebäude abgerissen. Ja, man ist ganz klar im Verzug, die Zeit drängt. All die Bagger und Absperrungen sind natürlich nicht gerade schön anzusehen und sorgen für Lärm, aber was noch schlimmer ist: Die Baustellen behindern den Verkehr. Wer in Auto, Taxi oder Bus sitzt braucht vor allem eines: viel Geduld.

Und Bauen ist teuer. Rios Bevölkerung hat das in den vergangenen Jahren schmerzlich zu spüren bekommen, überall sind die Preise gestiegen. Wer denkt, im Supermarkt in einer der zahlreichen Favelas ein Schnäppchen machen zu können, hat Pech gehabt: Die Cola kostet fast gleich viel wie in der Schweiz. Und auch die Mieten sind explodiert: Was früher günstiger Wohnraum war, ist nun plötzlich nur noch für Grossverdiener erschwinglich, vielleicht nur, weil man ein paar kleine Renovationen durchgeführt hat, um den vielen ausländischen WM-Touristen und Journalisten den Anblick von ganz schäbigen Fassaden zu ersparen.

Dabei muss noch gesagt werden, dass der Mindestlohn in Brasilien gerade mal 700 Reais beträgt, also keine 300 Franken. Kein Wunder, hält sich da die Vorfreude in Grenzen.

Die Copa wird trotzdem zum Fest

Dieses Bild bietet sich nicht nur in Rio de Janeiro, sondern auch an allen anderen Austragungsstätten der WM. Und davon hat die Autorin dieser Zeilen so einige besucht in den letzten Wochen: Manaus, Salvador, Recife, Natal und Fortaleza. Jeder Brasilianerin und jedem Brasilianer, mit denen ich ins Gespräch kam, habe ich gefragt, wie es denn um die Begeisterung rund um die Copa 2014 steht. Und wirklich jede und jeder hat erst einmal tief geseufzt, etwas spöttisch gelächelt oder die Augen gerollt. «Vai ser uma bagunça», findet die Mehrheit, es werde ein Chaos geben. Brasilien sei alles andere als bereit für die WM. So mancher fand sogar: «Vou ficar em casa» («Ich werde zu Hause bleiben»).

Ein Aussendienstmitarbeiter in Salvador da Bahia sagt, man habe baufällige Hütten in einer Favela in der Nähe des Flughafens abgerissen und neue, hübschere errichtet. Nur stünden diese jetzt leer, weil sich die ursprünglichen Bewohner die neuen, teureren Mieten nicht mehr leisten könnten.

Die fehlende Vorfreude im Land mag so manchen Touristen enttäuschen, stellt man sich Brasilien doch immer total fussballverrückt, fröhlich und Samba tanzend vor.

Aber keine Angst, ich bin sicher, die Copa wird ein Fest! Denn die Brasilianer verstehen es, im Moment zu leben, und beim Anpfiff werden sie allen Ärger erst einmal hinter sich lassen und einfach nur mit ihrer Seleção mitfiebern – dann ist das bunte Klischee wieder bestätigt!

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