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Air France-KLM

10. Juni 2018 10:24; Akt: 10.06.2018 10:49 Print

Nachhaltiger fliegen – geht das überhaupt?

Fliegen schadet der Umwelt. Wie stark, hängt nicht zuletzt davon ab, mit wem man fliegt. Besonders konsequent nachhaltig positioniert sich die Air France-KLM.

Bis Fliegen der Umwelt wirklich weniger schadet, ist es noch ein langer Weg – aber es gibt durchaus Schritte, die die Airlines tun können.
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Die Rechnung ist relativ schnell gemacht: Mit einem Flug Zürich–Bangkok und zurück verursacht ein Passagier gleich viel CO2-Ausstoss, wie er daheim mit einem Mittelklassewagen während über dreieinhalb Jahren verbraucht. Zwar können Kunden das CO2 via eine der einschlägigen Emissions-Agenturen kompensieren – im konkreten Fall würde das rund 170 Franken kosten. Aber Hand aufs Herz: Viele haben dann doch lieber ein bisschen mehr Taschengeld während der Ferien.

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Hinzu kommt, dass viele Airlines die Kompensation zwar anbieten, dies aber teilweise nur gut versteckt oder gar auf separaten Portalen tun. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Wer sich um die Umwelt sorgt, der fragt sich bald einmal, ob er überhaupt noch fliegen sollte.


Fliegen mit altem Speiseöl

Einen ganz anderen Ansatz, wie mit diesem strukturellen Dilemma umzugehen ist, verfolgt Air France-KLM: Seit 2005 als erste Airline im Dow-Jones-Sustainability-Index vertreten, hielt sie während 12 Jahren den Spitzenplatz als nachhaltigste Airline der Welt. Seit 2018 liegt sie auf Platz zwei hinter All Nippon, versucht aber weiterhin, das Fliegen ökologischer zu machen.

Bis 2020 hat sie sich zum Ziel gesetzt, den CO2-Ausstoss pro Passagier um 20 Prozent zu senken. Nebst konsequenter Flottenerneuerung – neue Flugzeuge sind energieeffizienter als alte – baut KLM die Verwendung von Biotreibstoff laufend aus. Dabei konkurriere man weder die Nahrungsmittelproduktion noch die Biodiversität, so eine Sprecherin: Geflogen wird mit altem Speiseöl aus der Nahrungsmittelindustrie.

Biotreibstoffe könnten den CO2-Ausstoss gegenüber herkömmlichen Treibstoffen sogar um 80 Prozent reduzieren, sie kosten aber auch dreimal so viel. Um die hohen Kosten mittelfristig zu senken, investiert die KLM im Rahmen der KLM- Corporate-Biofuel-Programme in die Entwicklung des Marktes für Biotreibstoffe, indem sie Grosskonzerne, aber auch Kommunen wie die Stadt Amsterdam, überzeugt, Biofuel zu verwenden.

Auch wenn die Treibstoffwahl am Ende entscheidend ist in der Nachhaltigkeitsfrage, achtet KLM auf Nachhaltigkeit auch im Kleinen: So arbeitet das Kabinenpersonal komplett papierlos. Statt Berge von Zeitungen und Magazinen gibts für die Passagiere eine E-Reader-App in der Bordunterhaltung, und die Teppiche sind hauseigenes Recycling-Material; sie bestehen einerseits aus alten KLM-Teppichen, andererseits aus alten Uniformen des Kabinenpersonals.

Nicht gegessene Snacks werden noch mal serviert oder zu Biogas verarbeitet

Dass die KLM all diese Anstrengungen nicht aus purem Idealismus verfolgt, liegt auf der Hand: Jeder dank Nachhaltigkeit eingesparte Euro stützt die Marge in einem hart umkämpften Markt, in dem jeder Cent zählt. Besonders konsequent ist die KLM deshalb dort, wo der Umweltschutz unmittelbar mit geringeren Kosten verbunden ist.

Der gesamte Rücklauf der Bordverpflegung etwa ist maximal optimiert: Die konventionelle Wertstofftrennung (Alu, Glas, Plastik, Karton) beginnt bereits an Bord, im Logistikzentrum in Amsterdam geht es konsequent weiter. Jedes abgegessene Menü-Tablar wird haarklein sortiert. Ungeöffnete Wasserportionen, Biskuits oder Salznüsse wandern direkt zurück in den Vorbereitungskreislauf und werden später erneut serviert.

Aber auch angebrochene Spirituosen-Flaschen, aus denen die Flugbegleiter den Gästen Getränke servieren, werden zusammengeschüttet.

Verderbliche und geöffnete Lebensmittel wandern so vollständig wie möglich in Biogasanlagen. Bei Interkontinentalflügen verhindern dagegen staatliche Vorschriften eine ökologische Entsorgung: Statt in der Kanalisation landet dann sogar Wasser in der Kehrichtverbrennung.

Nur 0,2 Prozent der Passagiere buchen CO2-Kompensation

Das Kostenbewusstsein der Airline kommt auch umweltbewussten Passagieren zugute: Weil Air France-KLM die gesamte CO2-Kompensation selber organisiert (zertifiziert mit Gold-Standard), statt sich bei Kompensationsagenturen einzukaufen, kostet die CO2-Neutralisierung den Kunden deutlich weniger. Dass sich trotzdem nur 0,2 Prozent ihrer Passagiere dafür entscheiden, klimakompensiert zu fliegen, ist einer der Schönheitsfehler in der Nachhaltigkeitsstrategie der Airline. Man überlege sich, die Kunden künftig offensiver einzuladen, die Kompensation zu buchen, sagt eine Sprecherin.

Die Airline ist zudem dazu übergegangen, bei einzelnen Strecken die gesamten CO2-Emissionen auf allen Flügen über das eigene Programm zu kompensieren, wie zum Beispiel seit dem 7. Mai die Strecke von Amsterdam-Schiphol ins südschwedische Växjö. Bis zu einer flächendeckenden Biofuel-Strategie ist es aber noch ein langer Weg. Noch gibt es weltweit nur eine Raffinerie in den USA, die Speiseöl zu Flugzeugtreibstoff verarbeitet, und eine Infrastruktur, dies in Europa zu tun, fehlt weitgehend. Maarten van Dijk, CEO der KLM-Airfrance-Tochter SkyNRG, sieht vor allem die hohen Kosten als Herausforderung (siehe Interview).

(loo)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Pumpi am 10.06.2018 11:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sehr guter Ansatz, weiter so

    Bravo Air France-KLM, konsequent weiter so. Bezahle gerne mehr, wenn ich weiss das mit Biogas geflogen wird und unterstütze jedes Unternehmen, ob Restaurant, Grossverteiler, Supermarkt etc die unverdorbene, verschlossene Lebensmittel nicht in den Müll schmeissen, sondern weiter verwenden. Alles an Bord eines Flugzeuges, was intakt und verschlossen ist, kann auch nach den Flügen weiter angeboten werden. Und Spirituosen zu vernichten, nur weil die Flasche offen ist macht keinen Sinn. Wir müssen schnell und konsequent sparsam mit den Ressourcen umzugehen. Zum Wohle der Umwelt und den Nachkommen.

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  • M. Hunter am 10.06.2018 10:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vermutlich am Streik

    Vermutlich liegt es bei der Air France daran, dass sie die ganze Zeit streiken und somit die Flieger am Boden bleiben.

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  • Do Me am 10.06.2018 11:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Besser als nichts

    Das ist mal ein Beginn. Aber deutlich einfacher und nachhaltiger wäre es weniger zu fliegen...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Broetli am 17.06.2018 09:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Berichtet bitte darüber

    Bin sehr auf dieses CO2-betriebene Mittelklasseauto gespannt.

  • popi am 15.06.2018 08:11 Report Diesen Beitrag melden

    Das alleine gibt schon zum denken.

    "Mit einem Flug ZürichBangkok und zurück verursacht ein Passagier gleich viel CO2-Ausstoss, wie er daheim mit einem Mittelklassewagen während über dreieinhalb Jahren verbraucht." Danke dass auch mal solche Zahlen publizier werden. Aber trotzdem sind immer die Autofahrer schuld ?!?

    • Broetli am 17.06.2018 08:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @popi

      Das ist weder neu noch verbessert es die Bilanz von Autos.

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  • longman123 am 14.06.2018 12:05 Report Diesen Beitrag melden

    Wie viel Speiseöl insgesamt?

    Mich würde interessieren, wie viel Speiseöl (in Litern) die gesamte Flotte von KLM insgesamt pro Zeiteinheit (z.B. 1 Monat) verbraucht wird und wie viel herkömmliches Kerosin in der gleichen Zeitperiode. Besten Dank für Ihre Antwort.

  • jahn am 14.06.2018 11:59 Report Diesen Beitrag melden

    Algen

    Was wurde aus der 747 die mit algen treibstoff fliegen konnte.?

  • Mr.T am 12.06.2018 21:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Umwelt

    ich fliege auch nur 3-4 mal das Jahr in die Ferien, Langstrecke natürlich. Damit die CO2 emmision nicht zu gross wirk, im gegensatz zum Auto fahre ich beruflich noch 50000km und privat noch ca 10000km mit Auto und Motorrad. Habe bei den Fz ganz tenau darauf geschaut das ich nicht so einen Downsizing mist kaufe. So haben alle zusammen ca. 12l Hubraum.

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