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Projekt «querstadtein»

22. August 2013 15:22; Akt: 22.08.2013 15:22 Print

Obdachloser zeigt Touristen sein Berlin

Wo isst man in Berlin, wenn man kein Geld hat? Wo schläft man, wenn man kein Bett hat? Ein Obdachloser weiss Antworten. Er führt Touristen durch das Berlin der Penner.

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Carsten Voss zeigt einer Gruppe Touristen «sein» Berlin.(Bild: Georg Dufner/querstadtein.org)

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Glaubt man den offiziellen Statistiken, leben in Berlin 4'000 Obdachlose. Die Hilfsorganisation Caritas spricht von 10'000. Noch vor zwei Jahren war Carsten Voss einer von ihnen. Heute ist der ehemalige Werber Mitinitiant des Projekts «querstadtein» und führt Touristen durch ein unbekanntes Berlin – das Berlin der Obdachlosen.

Voss kennt es gut. Nach einer Reihe von persönlichen Problemen – Burnout, Depression und Jobverlust – landete er auf der Strasse. Heute zeigt er neugierigen Touristen, unter welchen Brücken sich am besten schlafen lässt, wenn man kein Geld für ein Hotel hat. «Diese Stadt hat mehr Brücken als Paris», sagt er der spanischen Zeitung «El Mundo». «Ich erkläre den Leuten aber, unter welchen Brücken sie sich auf keinen Fall aufhalten sollten, weil dort Neonazi-Gruppen oder Gangs verkehren.»

Ähnliche Projekte in Dänemark und Grossbritannien

Voss' Tour beginnt am Viktoria-Luise-Platz, ein Ort, an dem sich tagsüber viele Obdachlose aufhalten: «Hier gibt es öffentliche Duschen und ein Zentrum, in dem man Glasflaschen umtauschen kann. Dafür kriegt man etwas Geld, um als Obdachloser zu überleben. Es reicht aber nie, um ein neues Leben beginnen zu können.»

Für Katharina Kühn, die «querstadtein» zusammen mit einer Freundin lanciert hat, ist etwas besonders wichtig: «Eine Slum-Tour, ein Obdachlosen-Zoo-Projekt, wollen wir hier nicht schaffen», sagt sie im Interview mit «Spiegel Online». Sie habe sich von ähnlichen Projekten in Kopenhagen und London inspirieren lassen.

«Eine bereichernde Erfahrung»

Die Tour führt weiter zum Bahnhof Zoo. «Den kennt jeder aus dem Buch von Christiane F.», erklärt Carsten Voss. Es habe sich seitdem nichts verändert: «Drogen, Prostitution, Kriminalität gibt es hier nach wie vor – auch wenn inzwischen alles etwas schicker aussieht.»

Bei den Touristen kommt die alternative Stadtführung gut an: «Es ist unglaublich. Diese Menschen sind da, aber wir sehen sie nicht», sagen der Däne Ollech und seine Freundin. «Dieser Rundgang war eine sehr bereichernde Erfahrung.»

Tourleiter Voss ist mit dem Feedback zufrieden. Neben den Führungen arbeitet der Ex-Manager in einer Tagesstätte für Obdachlose. Er bekommt dafür eine Aufwandsentschädigung. Ansonsten lebt er von Hartz IV.


(Video: Spiegel TV/YouTube)

(kle)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Frau Meier am 22.08.2013 22:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super Idee!

    Ich finde, dass man noch mehr solche Projekte starten sollte, damit sich diese Menschen einen Zustupf verdienen können. Bin oft in Berlin und habe auch schon vor Ort dem einen oder anderen Obdachlosen etwas zu essen gebracht oder was gerade nötig war, zB Hundefutter für den Vierbeiner, Kopfschmerztabletten oder einen warmen Pullover. War jeweils sehr spontan, aber ich denke, man sollte nicht wegschauen.

  • H. Wolfensberger am 22.08.2013 17:51 Report Diesen Beitrag melden

    Schlechtes Gewissen beruhigen?

    Ursprünglich haben das ein paar Obdachlose in London angefangen zu machen aus der NOT heraus, damit sie sich Geld für etwas Essen beschaffen konnten.

  • Amanda am 22.08.2013 15:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tolle Sache

    Finde ich eine tolle Idee, auch mir hat ein Obdachloser schon die schönsten Seiten von Berlin gezeigt. Sowas muss dringend unterstützt werden!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Frau Meier am 22.08.2013 22:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super Idee!

    Ich finde, dass man noch mehr solche Projekte starten sollte, damit sich diese Menschen einen Zustupf verdienen können. Bin oft in Berlin und habe auch schon vor Ort dem einen oder anderen Obdachlosen etwas zu essen gebracht oder was gerade nötig war, zB Hundefutter für den Vierbeiner, Kopfschmerztabletten oder einen warmen Pullover. War jeweils sehr spontan, aber ich denke, man sollte nicht wegschauen.

  • Christophe Müller am 22.08.2013 18:30 Report Diesen Beitrag melden

    Verslumung der Schweiz ? Möglich !

    Man sieht auch in der Schweiz, immer mehr Randständige, die Sozialämter haben sehr viel Arbeit, um einen Termin auf dem Sozialamt zu buchen, brauchts Geduld. Die Wohnungen werden immer teuerer, alles wird teurer, aber man findet keine neuen Jobs mehr, es werden auch keine mehr geschaffen. Die Menschen über 40, werden auf die Strasse gestellt, die IV-Revision 6B ist eine Lüge, denn kein Arbeitgeber will ein Mensch mit Problemen anstellen. (Ausser zum ausnützen und für Gratis-Arbeit). Das ganze System ist marode.

    • Michael Hartmeier am 22.08.2013 18:44 Report Diesen Beitrag melden

      Right

      Genau so ist es, wenn man etwas näher unter den Konsum- und Infrastruktur-Glitzermantel in der Schweiz schaut - und es ist erst der Anfang

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  • H. Wolfensberger am 22.08.2013 17:51 Report Diesen Beitrag melden

    Schlechtes Gewissen beruhigen?

    Ursprünglich haben das ein paar Obdachlose in London angefangen zu machen aus der NOT heraus, damit sie sich Geld für etwas Essen beschaffen konnten.

  • sozialamt am 22.08.2013 17:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    sozialamt

    meldet man sich beim sozialamt müsste man auch nicht obdachlos sein...

    • Lila Fisch am 22.08.2013 18:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      wenns so einfach wäre...

      Sorry da scheint wieder jemand einfach drauflos zu schreiben. die naheliegendste Antwort. Wenns so einfach wäre hätten wir keinen einzigen Obdachlosen in der CH! Ich wünsche Niemandem am Rande der Existenz leben zu müssen...

    • Christophe Müller am 22.08.2013 18:31 Report Diesen Beitrag melden

      Nicht jeder will aufs Sozialamt

      Ja, aber nicht jeder will aufs Sozialamt ! Es ist noch eine Würde im Menschen, die man nicht töten kann.

    • H. Wolfensberger am 22.08.2013 18:50 Report Diesen Beitrag melden

      Menschenwürde

      Das Sozialamt hat auch schon diesen und jenen auf die Strasse gestellt. Es trifft vorallem psychisch Erkrankte, die nicht wie geschmiert funktionieren können und ja, Herr Müller auf den Ämtern fällt die Menschenwürde dahin.

    • Ludwig Götten am 22.08.2013 21:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Würde?!

      Auf der Strasse leben ist meiner Ansicht nach weniger würdevoll als sich beim Amt zu melden.

    • mr.mr am 22.08.2013 22:58 Report Diesen Beitrag melden

      naja, bullshit

      @Christoph; so ein Witz was du erzählst. Das hat nix mit 'Würde' zu tun. Wems finanziell nicht gut geht, kann jederzeit den Grundbedarf und die Wohnkosten geltend machen. Absolut normal und Realität. Leider haben zu viele Hemmungen und ein schlechtes Gewissen, darum gehen viele nicht aufs Sozialamt. Das verfälscht nur die Statistik und ist eine absolut falsche Haltung gegenüber dem System und sich selber. Manchmal muss man sich auch Eingeständnisse machen. Auch in finanzieller Hinsicht.

    • Cupa Tea am 24.08.2013 18:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Jaja

      Ich habe mich auf dem amt gemeldet. Während 6 monaten kein geld erhalten. Ich wurde zuvor wegen eines burn outs arbeitslos. Ich musst tausend ärztlche bescheinigungen einreichen. Bei meinem alten arbeitgeber wurden abklärungen gemacht. In dieser wartezeit hatte ich kein geld. Dann keine wohnung. Hätten meine eltern mich nicht zu hause wieder aufgenommen, wär ich auf der strasse gelandet. Der witz... Ab diesem moment war mein anrecht auf sozialgeld weg. Begründung: sie wohne ja bei den eltern. Im system bist du eine nummer und schnell fällst du durchs raster. Dann bekommst du nichts.

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  • Denice Keller am 22.08.2013 16:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Budget Ferien

    Gut zu wissen . Wenn man billig Ferien machen will in Berlin bucht man die Tour und ist informiert.

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