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Indien-Blog

22. März 2015 08:32; Akt: 12.05.2015 12:14 Print

Unter Gandhis wachsamem Blick arbeiten

von David Torcasso - Erster Job während des Zivildiensts in Indien: einen Brief an Premierminister Narendra Modi schreiben. Erste Lektion: teilen lernen.

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Eine Statue des Staatsgründers begrüsst mich beim Eingang: stilgerecht mit Brille. Das Büro von Ekta Parishad ist mit Plakaten, Zeitungsartikeln und Bildern vollgepflastert. Unter all den Fotos taucht immer wieder Gründer Rajagopal P.V. auf. Seine Frau Jill nimmt mich diese Woche unter ihre Fittiche: Jill ist Kanadierin, Uniprofessorin und ehemalige UNO-Botschafterin. Sie hat eine grosse Nase und kleine Augen, die sich durch ihr strahlendes Lachen zu Schlitzen verengen. Sie spricht fliessend Hindi und ist so «lovely», dass ich ihr jeden Wunsch von den Lippen ablesen möchte. Anstatt über Zukunftstrends oder Start-ups zu schreiben, geht es bei meinem neuen Arbeitgeber um Politik und Menschenrechte. Als Volunteer bin ich für Kommunikation und Medienarbeit zuständig, informiere über Social Media, schreibe andauernd englische Texte.

Brief an einen der wichtigsten Menschen der Welt

Mein erster Job ist es, einen Brief zu schreiben. Und zwar gleich an einen der wichtigsten Menschen der Welt: Indiens Premierminister Narendra Modi. Wir fordern das Staatsoberhaupt auf, die Rechte der Landbevölkerung zu wahren und nicht nur im Interesse von Investoren zu handeln. Jill ist geduldig mit mir, klärt mich über die politische Lage auf, korrigiert mein englisches Gewurstel. Nie müde, die richtigen Worte zu wählen, die korrekten Gedanken zu formulieren und die schlagenden Argumente zu platzieren.

Rauch kitzelt in meiner Nase. Vor dem Eingang brennt ein offenes Feuer in einer Tonne. Auch im Büro gibt es keine Heizung. Der grösste Unterschied zu meinen bisherigen Arbeitsplätzen ist aber unsichtbar: Mir wird bewusst, wie abhängig ich vom World Wide Web geworden bin. Ist die Verbindung gekappt, werde ich arbeitsunfähig. Das passiert hier nicht alle paar Monate, sondern alle paar Stunden. Das Internet, so scheint es, variiert nach Stärke des Windes. Fällt es aus, trinken meine Arbeitskollegen einen Chai-Tee, halten einen Schwatz. Offline. Dafür mit viel Schulterklopfen, Kopfwiegen und Lachern. Google ist für sie nicht das Tor zur Welt.

Beim Lunch sitzt Ganesh neben mir. Der schlaksige ältere Mann, der im Büro immer eine Winterjacke trägt, schiebt mir ein Chapati zu. Er hat jahrelang in Libyen Maschinen zusammengebaut. Nach seiner Pensionierung kehrte Ganesh nach Indien zurück. Warum er immer noch arbeite, frage ich. «Meine Frau hat ein grosses Herz und immer die Familie eingeladen», antwortet er lachend. Die Arbeit scheint den 70-Jährigen aber nicht im Geringsten zu stören. Er verbringt seinen Lebensabend lieber unter Menschen als auf dem Sofa zu Hause. Sein Zuhause hat er trotzdem dabei: in Form des leckeren Essens, das ihm seine Tochter jeden Tag mitgibt. Ich solle vom Dessert probieren. Ein runder Würfel, der nach Zitrone schmeckt. Er ist so zart, dass ich mir einbilde, etwas high zu werden.

Wir sind alles U(n)ser

Was ich in Indien wirklich schnell lerne, ist zu teilen. Für mich als Einzelkind nie eine schlechte Lektion. Es gibt in Indien kein Meins, sondern nur ein Unser. Wenn ich kein Essen dabei habe, dann kriege ich Essen. Wenn jemand kein Essen dabei hat, gebe ich Essen. Wenn ich duschen gehe und meine Flip-Flops nicht finde, dann nehme ich die meiner Mitbewohner. Sie nehmen sie auch von mir. Darauf muss ich mich einlassen. Der Besitz gehört der Gemeinschaft. Bei 1,2 Milliarden Menschen hat es nicht für jeden alles. Damit es mehr wird, teilt man es. In Europa nennen die Menschen das neuerdings Sharing Economy.

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