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Japan-Blog

29. Oktober 2017 12:53; Akt: 29.10.2017 12:53 Print

Washi-was? So wird Japanpapier geschöpft

von Ronja Sakata - 400 Firmen produzieren das jahrtausendealte Washi-Papier bis heute im traditionellen Verfahren. In Osaka können Touristen selbst Hand anlegen.

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Miwako Hayashi hatte im Uhrenbusiness gearbeitet und war auf der ganzen Welt unterwegs. Als ihr Vater sie bat, das Familienunternehmen in Osaka zu übernehmen, überlegte sie sich gut, ob der Papiergrosshandel sie glücklich machen würde. Darum hat sie mitten im Industriequartier Osakas ihre Firma um ein grosszügiges Atelier erweitert, damit sie internationale Gäste bei sich begrüssen kann.

Während den Sommerferien bietet die Firma Kamitowa in ihrer Papierwerkstatt auch Kurse für japanische Kinder an, damit das alte Washi-Handwerk wieder populärer wird. Das traditionell hergestellte Papier ist so hochwertig, dass es jahrhundertelang erhalten bleibt und sogar an Glanz gewinnt, je älter es wird.

Nach einer kleinen Teezeremonie zeigt uns ein Video, wie viele aufwendige Schritte die Herstellung des Papierfasermix aus der Kozo-Baumrinde (japanischer Maulbeerbaum) beinhaltet. Sieden, schälen, abschaben, trocknen, dämpfen, klopfen, bleichen – fast alles ist Handarbeit. Vor allem das Abschaben der dunklen Rindenschicht bei jedem einzelnen Rindenstrang hat mir Eindruck gemacht. Am Schluss wird zum Kozomix ein schleimiger Zusatz (Neri) beigefügt, der aus den Wurzeln der Tororo-aoi-Pflanze gewonnen wird. Dieser wirkt als Bindemittel für die Fasern.

Auch die Deko ist natürlich

Nach der Theorie gehen wir selbst ans Werk. Mit Trockenübungen schwenken wir unsere Siebe durch die Luft, danach in den Becken mit dem Kozo-Neri-Mix. Zwei Durchgänge bringen zwei Schichten aufeinander, dann ist der Schöpfprozess schon abgeschlossen. Wer nicht zufrieden ist mit der Regelmässigkeit der Oberfläche, kann die Papierschichten einfach wieder ins Wasser hineinmischen und von vorne beginnen.

Mit einer wunderschönen Auswahl an getrockneten Blüten und Blättern dekorieren wir die vier zukünftigen Postkarten so, dass wir für Kalligrafie und Grüsse genügend Platz haben. Ein ganz dünnes Deckblatt verbindet die Deko mit den noch feuchten Fasern der unteren Papierschichten.

Ausgefranst soll es sein

Den grössten Teil des Wassers saugen wir mit einer Maschine aus dem Papier heraus. Der Rest der Feuchtigkeit verdampft während 15 Minuten auf einem heissen Blech, wo wir das Papier mit einer weichen Bürste auftragen.

Das fertige Papier lösen wir mit einem Spachtel sorgfältig vom heissen Blech und freuen uns über das schöne Endresultat! Jetzt bleibt nur noch das Aufteilen des Blattes in vier Teile. Die zwei Faltkanten sind durch das Holzkreuz auf dem Papiersieb vorbereitet. Die satt glattgestrichenen Faltkanten streichen wir mit Wasser ein und reissen danach langsam und vorsichtig die Fasern auseinander.

Die ausgefransten Ränder sind typisch fürs Washi-Papier. Nun schreiben wir bei Tee und Snacks unsere edlen Postkarten und fahren danach mit Miwako-san zur lokalen Poststelle. Das obligate Gruppenfoto zum Abschluss, das in Japan einfach dazugehört, wird von einer vergnügten Postmitarbeiterin gemacht.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • PatMag am 29.10.2017 13:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Basler Papiermühle

    Warum soll ich nach Japan gehen? In Basel steht die Papiermühle, da kann man nicht nur Papier mit Wasserzeichen selber schöpfen, drucken, versiegeln, kalligrafieren, prägen, marmorieren und man lernt erst noch über die spannende Geschichte des Papiers und des Druckes etwas!

    einklappen einklappen
  • leser* am 30.10.2017 05:38 Report Diesen Beitrag melden

    sehr interessant

    danke. mal ein interessanter Bericht. nicht die Selfie-VLOGs oder Drohnen-Überflieger. Mehr von solchem Tiefgang bitte.

  • Bruce21 am 29.10.2017 13:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bekanntlich

    Daher kommte der Begriff. Alles Whishi Washi

Die neusten Leser-Kommentare

  • leser* am 30.10.2017 05:38 Report Diesen Beitrag melden

    sehr interessant

    danke. mal ein interessanter Bericht. nicht die Selfie-VLOGs oder Drohnen-Überflieger. Mehr von solchem Tiefgang bitte.

  • PatMag am 29.10.2017 13:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Basler Papiermühle

    Warum soll ich nach Japan gehen? In Basel steht die Papiermühle, da kann man nicht nur Papier mit Wasserzeichen selber schöpfen, drucken, versiegeln, kalligrafieren, prägen, marmorieren und man lernt erst noch über die spannende Geschichte des Papiers und des Druckes etwas!

    • Basilisk am 29.10.2017 13:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @PatMag

      Warum soll ich nach Japan gehen ? Weil es ein schönes und interesantes Land ist. Sicher nicht nur wegen diesem Papier.

    • Romi am 29.10.2017 19:41 Report Diesen Beitrag melden

      PatMag

      Basler Papiermühle. Da war ich auch schon und es ist tatsächlich interresant. Der Besuch lohnt sich.

    • A. Schmid am 29.10.2017 20:37 Report Diesen Beitrag melden

      Tolle Tipp, Danke

      Vielen Dank für den Tipp, werden wir mit die Kinder besuchen.

    • leser am 30.10.2017 11:02 Report Diesen Beitrag melden

      Warum eigentlich?

      Warum soll ich nach Basel gehen? Im Umkreis von 100m meiner Wohnung hat es auch viele schöne, interessante Plätze, Natur, Wirtschaft, Geschichte. Ach, was sage ich! Selbst wenn ich daheim auf dem Sofa sitzen bleibe, bringen mir Internet und Fernsehen alles nach Hause. Da brauch ich weder nach Basel noch nach Japan reisen. /ironie-ende

    • bebbeli am 30.10.2017 13:28 Report Diesen Beitrag melden

      Pat Mag

      Basel bietet viel, aber an einem verregneten Wochenende mit den Kindern in die Basler Papiermühle zu gehen, ist informativ und die Kleinen lernen etwas.

    • papiertechnologe von beruf am 30.10.2017 13:56 Report Diesen Beitrag melden

      papier schöpfen kann man

      überall in der schweiz, das ist nicht wirklich was spezielles.... und nach japan geht's für den geilen kulturschock, den wir dort erfahren...

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  • Bruce21 am 29.10.2017 13:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bekanntlich

    Daher kommte der Begriff. Alles Whishi Washi

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