14. November 2008 20:30; Akt: 12.11.2008 20:25 Print

«In einer Freundschaft geht es um Freiheit»«In einer Freundschaft geht es um Freiheit»

von Cécile Blaser - In «Happy New Year» spielen Nils Althaus und Joel Basman zum dritten Mal gemeinsam in einem Schweizer Film. Mit uns haben die beiden Shooting Stars darüber geredet, was ihnen Freundschaft bedeutet und warum Frauen anders sind.

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Nils Althaus und Joel Basman klopfen sich zur Begrüssung auf die Schulter. Knapp, aber doch vertraut. Der Zürcher Joel plappert gleich los, erzählt von seinem Umzug: «Es musste Kreis 4 sein, weil ich da geboren und aufgewachsen bin.» Und dann hängt er sich cool in das Klettergerüst auf dem Spielplatz, auf dem wir verabredet sind. «Hey Nils, wenn du immer noch ein Zimmer in der Stadt suchst, kannst du bei meinen Eltern einziehen.» Der Berner Nils geht gar nicht gross darauf ein, er gibt sich zurückhaltend und vorsichtig. Als der Fotograf die Jungs auffordert, eine Kampfszene zu stellen, sagt er: «Sorry, aber darauf habe ich jetzt gar keine Lust.» So unterschiedlich die beiden sind – sie mögen sich.

Nils wurde nach «Breakout» zum «Shooting Star 2007» gewählt. Dieses Jahr verdiente sich Joel den Titel. Messt ihr euch untereinander?
Joel: Nein, eigentlich nicht. Aber klar verfolgt man die Karriere des anderen, gerade auch weil wir schon mehr als einen Film zusammen gemacht haben und uns gut verstehen. Es ist aber nicht so, dass ich von Nils alle Zeitungsberichte sammle, um zu spionieren und zu sehen, was er jetzt genau treibt.

Nils: Ja, ja, und insgeheim hast du eine Voodoo-Puppe von mir! Nein, jetzt ernsthaft: Ich habe gerne mit Joel gespielt.

Und? Habt ihr Freundschaft geschlossen?
Nils: Irgendwie schon. Joel ist klar derjenige, mit dem ich nach dem Dreh von «Breakout» noch am meisten Kontakt hatte. Mittlerweile haben wir drei Filme zusammen gedreht, und wir haben eine wirklich gute Beziehung.

Was macht denn eine gute Freundschaft eigentlich aus?
Joel: Loyalität. Es geht darum, zu seinen Freunden zu stehen, sich nicht für sie zu schämen — und dass man ihnen auch persönliche Dinge anvertrauen kann.

Wie siehst du das, Nils?
Nils: In einer Freundschaft geht es um Freiheit, darum, dass ich mich in der Gesellschaft eines guten Freundes viel freier fühle als anderswo. Man muss sich auch mal völlig daneben benehmen können und es ist trotzdem okay.

Das ist wohl so. Aber gibt es andererseits auch so etwas wie Regeln unter Freunden?
Joel: Finger weg von seiner Freundin! Das ist der Klassiker. Und selbstverständlich.

Nils: Für mich ist es gerade wichtig, dass es unter Freunden keine Regeln, keine Tabus gibt.

Joel: Ja, schon, aber die Freundin deines Freundes solltest du wirklich besser in Ruhe lassen. Ich finde es aber auch wichtig, dass man nicht dauernd sagen muss: «Hey, du bist so ein guter Kollege von mir, wir sind so gute Freunde!» Da sind Männer anders als Frauen.

Wie meinst du das?
Joel: Bei den Frauen ist es viel wichtiger, dass die eine zur anderen sagt: «Du bist meine beste Freundin.» Und dann gibt es keine zweite beste Freundin. Chips futtern und «Sex and the City» schauen geht dann auch wirklich nur mit der ersten besten Freundin. Teilt man sich die Chips trotzdem mal mit einer andern Freundin, ist vermutlich das Gezicke vorprogrammiert. Männer brauchen ihre Freundschaft nicht so vehement mit Worten zu untermauern.

Joel, jetzt mal konkret: Welche persönliche Rolle spielen deine Freunde?
Joel: Die halten mich auf dem Boden. Das sind ganz normale Jungs, die ich schon lange kenne. Für sie bin ich nicht der Mittelpunkt. Wir reden einfach viel miteinander und tauschen uns aus.

Und Nils, brauchst du auch Leute, um dich zu erden?
Nils: Ich habe nicht das Gefühl, dass ich geerdet werden muss. Klar gibt es Leute, die sagen, ich sei arroganter oder cooler geworden. Aber das hat viel mehr damit zu tun, dass ich heute genauer weiss, was ich will und was nicht. Meine wirklich guten Freunde verstehen das. Das ist mir wichtig, denn sie sind mein seelisches Daheim.

«Habs noch nicht in die Stofftier-Liga geschafft»
Nach dem Hip-Hopper in «Breakout» spielt Nils Althaus (27) im Schweizer Melodrama «Happy New Year» einen Taxifahrer, der sich in eine ältere Frau verliebt.

War es lustig, diese völlig andere Rolle zu spielen?
Nils Althaus: Lustig ja, aber auch ziemlich anspruchsvoll. Wir haben ein ganzes Beleuchtungsgerüst und die Kamera auf das Taxi montiert. So bin ich mitten im Feierabendverkehr in Zürich rumgekurvt und dabei musste ich ja auch noch spielen. Aber irgendwie gings.

Wie hat sich Ihr Leben seit «Breakout» verändert?
Nils Althaus: Ich lebe jetzt von Schauspiel und Musik, was mir grosse Freiheiten eröffnet, aber gleichzeitig ist mein Leben sehr unbeständig geworden. Im Moment gefällt mir diese Abwechslung.

Kriegen Sie viel Fanpost von weiblichen Fans?
Nils Althaus: Ich kriege ab und zu Fanpost, aber in die Stofftier-Liga habe ich es auf jeden Fall noch nicht geschafft.

Ihre nächsten Filme «Räuberinnen» und «Im Sog der Nacht» sind ganz anders. Zufall oder Absicht?
Nils Althaus: Das ist schon Absicht. Ich will mir um jeden Preis die Freude am Spielen erhalten und ich glaube, das kann ich nur, wenn ich unterschiedliche Dinge ausprobiere.

Wie verbringen Sie die Silvesternacht?
Nils Althaus: Wenn nichts dazwischenkommt, werde ich irgendwo in Südostasien einen eingeschmuggelten Frauenfurz anzünden und mit ein paar Backpackern und lauwarmem Bier aufs neue Jahr anstossen.

Kinostart: 13. November 2008