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Die unterste Liga Hollywoods
22. Oktober 2009 12:20; Akt: 22.10.2009 12:20 Print
Wenn «Mega Shark» zubeisst, klingelt die Kasse
von Oliver Baroni - Im Schatten Hollywoods gedeiht eine kleine Industrie von Billigst-Filmproduktionen. Willkommen in einer Welt, in der B-Movies bereits als aufwändige Produktionen gelten: in der Welt der «Z-Movies».
B-Movies kennt man seit langem. Koriphäen wie Russ Meyer oder Ed Wood haben dort die Messlatte ordentlich hoch – Verzeihung! – tief angesetzt. Ed Wood erreichte postum, dass sein Klassiker «Plan 9 from Outer Space» zum schlechtesten Film aller Zeiten gewählt wurde. Die Geschichten, die sich um die Entstehung dieser Filme ranken, sind legendär: Ed Wood soll etwa kurzerhand zum Baptismus umtaufen, um von einer kirchennahen Vereinigung Geld für den Film zu bekommen.
«Plan 9 from Outer Space» - der schlechteste Film aller Zeiten.
Selbst ist der Mann: Russ Meyer.
Die Fackelträger von heute: «Mega Shark vs Giant Octopus».
Über die Gepflogenheiten des Genres erfährt man bei Russ Meyer respektive den Abspannen seiner Filme so einiges: Kamera – Russ Meyer; Drehbuch – Russ Meyer; Regie – Russ Meyer. Des öfteren war seine Ehefrau Eve in der Hauptrolle zu bewundern. Und produziert wurde alles von ... Russ Meyer.
Alles Zeugen einer längst vergangenen Ära, würde man meinen. Doch in der Tat existiert – und floriert – heute eine ganze Industrie im Schatten Hollywoods, die sich auf Billigst-Filme spezialisiert hat. «Z-Movies», quasi die unterste Film-Liga.
Am Anfang war das Filmplakat
Jack Perez, Regisseur des vielversprechend betitelten Streifens «Mega Shark vs Giant Octopus», erklärte jüngst dem «Guardian», wie die extreme Low-Budget-Produktionsfirma Asylum das Kunststück schafft, Monat für Monat einen kompletten Kinostreifen rauszuhauen. «Das ist eine völlig andere Liga, solche Filme zu machen», so Perez, «die geben dir Titel, Poster, Besetzung und Formel – und dann ist das Ding in zwölf Tagen abgedreht. Von der Ur-Idee bis zur Premiere dauert es weniger als zwei Monate.»
Für perfektionistische Kollegen in konventionellen Hollywood-Produktionen hat Perez nur ein müdes Lächeln übrig: «Ich habe Freunde bei grossen Produktionen. 'Ich muss heute eine ganze Drehbuchseite schiessen. Ich weiss nicht, ob ich das hinkriege', klönen die. Und ich: 'Machst du Witze? Heute muss ich zuerst auf einem Schnellboot, dann in einem U-Boot filmen. Und danach sprenge ich Mount Rushmore in die Luft!'»
Riesen-Haie und abgehalfterte Teeniestars
«Mega Shark vs Giant Octopus» ist ein Paradebeispiel für sein Schaffen. Wer kann schon einem Trailer widerstehen, in dem ein Megahai sich einen Bissen von einem Passagierflugzeug gönnt und danach ein Loch in die Golden Gate Bridge frisst, während der Riesentintenfisch mit seinen Tentakeln Abfangjäger vom Himmel holt? Hauptdarstellerin ist der glorios krud schauspielernde Ex-Teeniestar Debbie Gibson.
Das Business-Modell der Produktionsfirma Asylum gleicht dem der Pioniere dieses Genres der Fünfziger- und Sechzigerjahre: Der Titel und das Filmplakat kommen zuerst – lange vor jeglicher Art Drehbuch. Nach wie vor werden spezifische Marktanteile, Demografien und Jungendsubkulturen anvisiert. Waren die damaligen Renner Jugend-Krawalle, Atom-Gau-Szenarien, importierte japanische Monsterfilme und «Nudie Cuties» - jene Urform des Softsexfilms -, so geben heute Mittelalter-Fantasy, Schwert-und-Magie, Sci-Fi, Horror und «Mockbusters» den Ton an.
Possenspiel mit Blockbuster
Die eigentlichen Kabinettstücke von Asylum sind Titel wie «Transmorphers», «The Terminators» oder «The 18-Year-Old Virgin» - Blockbuster-Nachahmungen also. «Grob ausgedrückt ist es, wie wenn ein Töfffahrer hinter einem Lastwagen fährt, um Sprit zu sparen», so Perez zum «Guardian». Weil man sparsam unterwegs ist, machen die meisten Asylum-Produktionen innert drei Monaten bereits Profit. Bei «Snakes On a Train» (doch, doch: Train) war die Titelgebung bereits Promo genug. Der Trailer wurde zum YouTube-Renner und der Streifen hat bis heute einen netten Gewinn eingespielt.
Die eine oder andere Kino-Premiere findet zwar statt, doch die meisten Z-Movies landen direkt auf den DVD-Wühltischen – wo sie aber tatsächlich in genügender Anzahl verkauft werden, um Profit abzuwerfen. Alles in allem ein Geschäftsmodell, das Leuten wie Perez oder Asylum-Produzent David Rimawi ein solides und vor allem regelmässiges Einkommen ermöglicht.
Geldmangel trieb Perez in Z-Genre
«Jack Perez ist ein gutes Beispiel für unsere Art zu arbeiten», so Rimawi, der Regisseure bevorzugt, die bereits eigene Filme vorweisen können. «Für ihn war es eher ein Abstieg, doch für uns war es ein Aufstieg.» Ende der Neunzigerjahre war Perez ein hoffnungsvoller Jungfilmer mit künstlerischem Anspruch. Sein Debut «La Cucaracha» erhielt enthusiastische Kritiken. Weshalb filmt so einer plötzlich «Mega Shark»? Perez' simple Antwort: Er brauchte Geld. Diverse seiner Filmprojekte waren Flops, «und so brauchte ich möglichst schnell einen Streifen, der Kohle einfährt. Sie boten mir so ein Mittelalter-Drachen-Ding an und die 'Mega Shark vs Giant Octopus'-Idee. Als Kind sah ich unendlich viele Atom-Sci-Fi-Streifen, 'Godzilla vs Megalon' usw., also schien das Projekt für mich perfekt. Ich sagte, 'Okay, wie lautet der echte Titel?' Und sie antworteten bar jeglicher Ironie: 'Das ist der echte Titel. Bist du immer noch interessiert?'»
Lesbischer Action-Kracher mit Mainstream-Ambitionen
Perez' Interesse war in der Tat geweckt. Er schrieb das Drehbuch selbst und die Produktion ging in gewohnter Z-Movie-Manier vonstatten. Vieles, das gewöhnlich beim Regisseur liegt – der Schnitt, zum Beispiel – «wird von der Asylum-Maschinerie erledigt». Eine «Maschinerie» freilich, die immer profitabler wird. Bereits gibt es Pläne, in Kabel-TV-Produktionen einzusteigen – mit grösseren Budgets auch. Auch Perez hat nun genügend Kapital, um sein nächstes Projekt anzupeilen: «Es handelt sich dabei um meinen lesbischen Pro-Schwulenehe-Action-Kracher!» Auf den Trailer sind wir schon mal gespannt...



























