Filmfestival

04. August 2009 12:59; Akt: 04.08.2009 13:15 Print

Locarno eröffnet mit romantischer KomödieLocarno eröffnet mit romantischer Komödie

Am 5. August startet das 62. Filmfestival von Locarno. Bis zum 15. August werden 390 Filme gezeigt, darunter 180 lange. Den Marathon eröffnet eine romantische Komödie aus den USA.

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«(500) Days of Summer» ist der erste abendfüllende Spielfilm von Marc Webb. Der unkonventionelle Streifen erzählt von einem stürmischen Liebesidyll: In Vor- und Rückblenden werden entscheidende Episoden der Beziehung zwischen Tom und Summer beleuchtet. In den Hauptrollen sind Joseph Gordon-Levitt («The Lookout») und Zooe Deschanel («Yes Man») zu sehen.

«Ich habe mich in den Film verguckt», gestand Festivaldirektor Frédéric Maire der SDA. «Er ist fröhlich und charmant und eröffnet das Festival mit einem sommerlichen Schmunzeln». «(500) Days of Summer» erlebt seine Europapremiere auf der Piazza Grande - sofern es das Wetter erlaubt. Ab 29. September ist er dann auch in den Deutschschweizer Kinos zu sehen.

Ofenfrisch auf die Piazza

Kurz vor Mitternacht folgt dann «La guerre des fils de lumière contre les fils des ténèbres» von Amos Gitaï, dem letztjährigen Gewinner des Ehrenleoparden. Der Film ist eben erst fertig geworden. Er berichtet über ein Schauspiel, das Gitaï zur Eröffnung des Theaterfestivals von Avignon am 7. Juli inszenierte.

In der musikalisch-dramatischen Adaption von Flavius Josephus' «Der jüdische Krieg» führt Jeanne Moreau als Erzählerin durch die Handlung. Im Zentrum steht ein hebräischer Heerführer, der im 1. Jahrhundert nach Christus von den Römern gefangen genommen wird und erzählt, was sich in den beiden gegnerischen Lagern ereignete.

«Wie der Beitrag von Gitaï werden mehrere Filme in allerletzter Minute eintreffen», erläutert Maire. «Das hängt damit zusammen, dass die Filmemacher sich jetzt immer häufiger der hoch auflösenden digitalen Technik bedienen. Dadurch können ihre Werke sofort nach der Fertigstellung auf der Piazza gezeigt werden».

Schweizer Leoparden-Hoffnung

Unter den 18 Filmen im Internationalen Wettbewerb erfahren 14 in Locarno ihre Welturaufführung, darunter die französisch-schweizerische Koproduktion «Complices», der erste abendfüllende Film des Schweizer Regisseurs Frédéric Mermoud. Die Geschichte dreht sich um einen ermordeten jungen Mann, seine verschwundene Freundin und die Aufklärung des mysteriösen Falls.

Ein weiteres Festival-Highlight bildet die grosse Manga-Retrospektive. Locarno zeigt als erstes nicht-spezialisiertes Filmfestival im Westen eine japanische Anime-Reihe mit etwa 30 langen Filmen aus den letzten 50 Jahren.

Couchepins Besuch

Der US-Regisseur William Friedkin, Schöpfer von Klassikern wie «The French Connection» (1971), «The Exorcist» (1973) und «Cruising» (1981) erhält in Locarno den Ehrenleoparden. Den Excellence Award verleiht das Festival an Toni Servillo, der allein letztes Jahr in den beiden Blockbustern «Il Divo» - in der Hauptrolle des Giulio Andreotti - und «Gomorra» zu sehen war.

Am Freitag, den 7. August beehrt Bundesrat Pascal Couchepin Locarno mit seinem Besuch - das letzte Mal in seiner Eigenschaft als Kulturminister. Am Wochenende werden weitere Politiker erwartet, unter ihnen Bundespräsident Hans-Rudolf Merz.

Hollywood-Promis wird man am Lago Maggiore wie gewohnt kaum welche treffen. Das liegt nicht am mangelnden Willen, wie Festivalpräsident Marco Solari dem «Blick» erzählte: «Natürlich brauchen auch wir Stars, aber keine Star-Allüren. Die Leute sind kapriziös. Sie wissen nicht einmal, wo Locarno liegt.»

Einen verwöhnten Hollywood-Star standesgemäss einzufliegen und unterzubringen koste schnell ein paar hunderttausend Franken, rechnete Solari vor.

(sda)