Hollywood

11. März 2010 08:55; Akt: 11.03.2010 19:25 Print

In zehn Schritten zur romantischen KomödieIn zehn Schritten zur romantischen Komödie

Trotz Oscar-Sieg von «The Hurt Locker» und Co.: Tatsache bleibt, dass brav-biedere «romantic Comedies» die wahren Kassenschlager sind. Dabei sind die nach einem einfachen Muster gestrickt: Wir zeigen, welche Kritierien diese Filme erfüllen müssen.

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Zwei Personen werden sich verlieben; zwei Personen werden auf dem Poster zu sehen sein. Und: Das Zielpublikum sind Frauen, also darf die Hauptdarstellerin nicht übermässig scharf sein. Es braucht jemanden, der süss und trendy genug ist, so dass die Dame vom weiblichen Publikum geliebt wird, aber nicht allzusehr von Männern. Romantic Comedies mit Jessica Alba oder Megan Fox? Geht nicht. Nein, da sind Sandra Bullock, Sarah Jessica Parker oder Kate Hudson gefragt. Falls die Hauptdarstellerin attraktiv und schlank ist, hilft es, einigermassen flachbrüstig zu sein. Besitzt sie etwas Vorbau, dann sollte sie verklemmt und zänkisch sein, wie Jennifer Aniston oder Catherine Heigl. Was die Besetzung der männlichen Hauptrolle betrifft, sollte es jemand sein, der ohne Hemd gut aussieht – Gerard Butler, Matthew McConaughey und Konsorten. Andererseits genügt oft ein nur halbwegs attraktiver Hauptdarsteller. Analog wie bei Frauenmagazinen, die nur Damen auf dem Titelblatt haben, geht es bei Rom Coms hauptsächlich um die weibliche Hauptrolle. : Bei einer Rom Com gilt es, Verwirrungen oder Überraschungen um jeden Preis zu vermeiden. Ideal sind Titel, die eine Redensart aufgreifen (noch besser: einen Songtitel), die zugleich die gesamte Prämisse des Films vermitteln: «The Proposal», «How to Lose a Guy in 10 Days», «Runaway Bride» usw. : Bei einer Rom Com geht es darum, alle Männer und Frauen auf ziemlich eng definierte Stereotypen zu reduzieren – die Karrierefrau, die keine Zeit für Liebe hat; der Macker, der sich noch nicht binden will; Frauen gehen immer einkaufen; Männer schauen immer Sport. Um der Situation etwas Tiefe zu verleihen, werden den Hauptdarstellern schräge Kumpels an die Seite gestellt, die vermeintlich kontroverse Ideen einfliessen lassen. Oft werden solche Rollen mit gestandenen Charakterdarstellern oder Komikern besetzt, die so ihren Monatsgehalt etwas aufbessern können – beispielsweise Philip Seymour Hoffman in «Along Came Polly» (Bild) oder Judy Greer in «27 Dresses». : Nein, es geht hier nicht darum, die Mona Lisa zu malen. Der Soundtrack einer Rom Com ist das künstlerische Äquivalent dazu, einem Hund den Bauch zu kraulen. So mag es das Hündchen. Und das Publikum mag Songs, die es kennt, in einer Art eingesetzt, die es versteht. Hat das Leinwandpaar zum ersten Mal Sex, hört man «Feels Like the First Time» von Foreigner («Valentines Day»). Erkennt die Hauptfigur, dass sie es auf eigene Faust schaffen muss, erklingt «Respect» von Aretha Franklin («Bridget Jones Diary»). . Prämisse einer jeder Rom Com ist: Zwei Menschen lernen sich kennen. Sie gehen zusammen ins Bett. Leider müssen aber noch 90 Minuten Leinwandzeit gefüllt werden. Ergo müssen die beiden sich am Anfang hassen. Vielleicht ist sie eine strenge Karrierefrau, und er ist – nun, ja – Matthew McConaughey. Sie ist Feministin, er ein Macker. Sie Amerikanerin, er Franzose. Und so weiter – Gegensätze ziehen sich nun mal an. Mann, werden hier Klischees gewälzt! . Okay, da wären also die beiden attraktiven Hauptfiguren, die sich so ziemlich hassen. Nun braucht es einen äusseren Grund, der die beiden dazu zwingt, eine Zeit lang miteinander zu verbringen, damit sie sich in der Folge verlieben können. Einen Grund, weshalb sie zusammen eine Reise nach Irland unternehmen müssen; weshalb sie eine Beziehung vorgaukeln müssen, damit sie nicht ausgeschafft wird; weshalb sie zusammen auf Schatzsuche gehen … . 90 Minuten sind lang. Nachdem sich das unmögliche Paar verliebt hat und im Regen geschmust hat, muss das Publikum zum Weinen gebracht werden: Sie machen Schluss. Da die Trennung nur vorübergehend ist, muss der Trennungsgrund entsprechend albern sein. Am einfachsten geht das, indem Schritt Nummer 6 umgekehrt wird: «Bist du mit mir zusammen, weil du mich liebst, oder nur weil du zufällig mit mir die Reise nach Irland unternehmen musstest/wegen der Fremdenpolizei eine Beziehung vorgaukeln musstest/scharf auf den versteckten Schatz warst?» . John Cusack in «Say Anything», als er mit dem Ghetto Blaster vor dem Schlafzimmerfenster seiner Angebetenen steht? Das ist die hollywoodsche Umsetzung des Minnesängers unter dem Balkon der Schlossherrin. Die Menschheit ändert sich nie. . Schreiben Sie ein paar Romantic Comedies nach diesem Regelwerk und schon gehören Sie zu den Erfolgsmenschen! Bestimmt sind Sie auch glücklich liiert – und wenn Sie ganz ehrlich sind, vielleicht spielte hier etwas eine Rolle, das in Rom Coms nie ein Kriterium ist: Geld.

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Trotz dem vorangegangenen Award-Reigen ist der Oscar-Gewinn von «The Hurt Locker» ein Unikum. Noch nie in der Geschichte der Academy Awards wurde ein Film mit derart wenig verkauften Kinokarten als «Best Picture» ausgezeichnet. Da passt Sandra Bullocks Auszeichnung als «Best Actress» schon besser in die Tradition: «The Blind Side» war ein Kassenschlager sondergleichen.

Sandra Bullock mag ihren Oscar für eine Rolle in einem Sozialdrama gewonnen haben, ihr Image als Zugpferd für die als «romantic Comedies» bezeichneten lustigen Liebesfilme ist sie deswegen noch lange nicht los. Mit gutem Grund: «The Proposal» mit Bullock und Ryan Reynolds als Hauptdarsteller war ein Kinohit; ebenso «Miss Congeniality» oder «While You Were Sleeping». «The Ugly Truth» mit Katherine Heigl und Gerard Butler wurde von der Kritik zwar verrissen; doch er spielte bisher über 100 Millionen Dollar ein. Analog die Matthew-McConaughey-Streifen «How to Lose a Guy in 10 Days» und «The Wedding Planner»: Romantische Komödien sind Big Business.

An Banalität kaum zu überbieten

Und wenn Sie nun meinen, der Erfolg dieser Filme beruhe auf Qualität, dann müssen Sie sich eines Besseren belehren lassen. Die meisten sind an Klischee beladener Banalität kaum zu übertreffen. Dafür aber funktionieren sie allesamt nach einer altbewährten, strikten Formel, in der sich das nach Eskapismus dürstende Publikum heimisch fühlt. Anders als eine intellektuelle Herausforderung, auf die es mit Heugabeln losgehen würde ...

Diese Formel ist keineswegs kompliziert. Sie müssen nur die oben aufgelisteten zehn Schritte verinnerlichen und schon können Sie ihre eigene Hollywood «Rom Com» vom Stapel laufen lassen! Die Millionen winken schon.

(obi)

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  • steven marriott am 19.03.2010 08:12 Report Diesen Beitrag melden

    das wichtigste

    was hier total vergessen wurde: eine romcom endet stets mit einer übereilten taxifahrt an den flughafen, wo es dann zum romantischen showdown kommt.

  • Marina am 18.03.2010 11:57 Report Diesen Beitrag melden

    "Rom Com's"

    Nun weiss ich wieder, warum ich mir solche Filme nicht anschau. ;-)

  • Soul Man am 13.03.2010 16:46 Report Diesen Beitrag melden

    Tipp für Männer

    Wenn ihr eurer Freundin oder Frau erlaubt, eine Rom Com zu sehen, lest zuvor die Handlung und achtet darauf, dass sich die Hauptdarstellerung läutern muss.