Freeman über Mandela

09. Februar 2010 08:22; Akt: 09.02.2010 12:59 Print

«Er ist nicht irgendein Typ»«Er ist nicht irgendein Typ»

von Philipp Dahm - Für seine Darstellung von Nelson Mandela ist Morgan Freeman für einen Oscar nominiert. 20 Minuten Online sprach mit dem Star über sein persönliches Verhältnis zu dem Südafrikaner.

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Ein Deutscher weiss in der Regel, was er am 9. November 1989, dem Tag des Mauerfalls, gemacht hat. So wie ein Amerikaner sich erinnert, was er am 11. September 2001 getan hat, als die Twin Towers in Rauch aufgingen. Auch die Südafrikaner haben ein solches Datum: Wenn Sie dort fragen würden, wo eine Person am 24. Juni 1995 war, wird sie Ihnen wohl mühelos antworten können. Damals wurde Südafrika Rugby-Weltmeister – und ein ganzes Land verfiel in einen Freudentaumel.

Zuvor musste jedoch viel Arbeit geleistet werden, wie auch der Kinostreifen «Invictus» zeigt. Nelson Mandela war zwar mittlerweile vom Gefängnisinsassen zum Präsidenten aufgestiegen, doch sein Land war zerrissen. Die Nachwehen der Apartheid und die Angst der weissen Bevölkerung vor einer «Rache» der schwarzen Mehrheit prägten die Stimmung. Das musste auch der Präsident erkennen – etwa wenn es um das nationale Rugby-Team ging, in dem gerade mal ein Schwarzer spielte. Dunkle Südafrikaner feuerten deshalb regelmässig die Gegner der «Springboks» an, wie sich die Mannschaft nannte.

Mandela gelang es mit Hilfe des Kapitäns Francois Pienaar und simplen, aber eindrücklichen Gesten, aus dem verhassten Sportteam eine Truppe zu schmieden, mit der am Ende das ganze Land mitfieberte. Wer nun denkt, er würde sich als nicht Rugby-Interessierter im Kino langweilen, liegt falsch. «Ich wusste nicht mal, mit welchem Ball man Rugby spielt», sagt Produzentin Lori McCreary im Gespräch mit 20 Minuten Online. «Ich musste mich erstmal im Internet schlaumachen.»

Regisseur Clint Eastwood benötigte bloss 49 der veranschlagten 55 Drehtage. «Morgan fühlt sich mit Clint sehr wohl», so McCreary über das Verhältnis zwischen Hauptdarsteller Freeman und dem Regisseur, der dem-Himmel-sei-Dank jeglichen Pathos aussen vor lässt und die emotionalen Momente einfängt, ohne der Versuchung zu erliegen, Kitsch hineinzubringen: An verschiedenen Stellen zeigt der Film, wie sehr die Gesellschaft Südafrikas 1995 noch geteilt war – und auf welchen Ebenen «Madiba», so der Clan-Name Mandelas, diese Teilungen überwunden hat.

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Produzentin Lori McCreary im Interview (mit Philipp Dahm, Kamera: Portman Media, Schnitt: Debby Galka)

Freeman selbst war Mandela 1996 erstmals persönlich begegnet und bezeichnet ihn als «Freund», wie er im Interview mit 20 Minuten Online berichtet. Dem Schauspieler gelingt es scheinbar mühelos, seinem Film-Präsident die Würde und Ausstrahlung zu geben, die es braucht, um ihm den charismatischen Führer abzunehmen. Freeman selbst hat erlebt, welche «Aura» Mandela umgibt und welches Ansehen er in seinem Land geniesst. «Er ist nicht irgendein Typ», sagt der Darsteller.

Das Gefängnis «Robben Island», dass in «Invictus» vom Rugby-Team besichtigt wird, war 18 Jahre lang Mandelas Wohnort. «Ich glaube, ich wäre vielleicht gestorben», sagt Freemann mit Blick auf die ungeheizten Zellen. «Als er dachte, er könne nicht mehr, bekam er das Gedicht `Invictus´. Und das hat ihm geholfen.» Den südafrikanischen Akzent hatte sich Freeman wie auch Matt Damon extra antrainieren müssen, doch seine Mühe hat sich gelohnt, wie die Oscar-Nominierung eindeutig zeigt.

Gewinnen Sie eines von drei «Invictus»-Fan-Paketen bestehend aus einer Fleece-Jacke, einem Shirt, einer Sporttasche, dem Buch, dem Soundtrack und zwei Kinotickets. Die Gewinner werden am 15. Februar gezogen, bewerben können Sie sich hier. Viel Glück!

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Bilder der Premiere in London.