«Lila, Lila»

14. Dezember 2009 13:18; Akt: 14.12.2009 14:18 Print

Die Leiden des jungen D.Die Leiden des jungen D.

von Birgit Roschy - David ist ein unscheinbares, ja, unsichtbares Wesen. In dem Café, in dem er kellnert, verguckt er sich in Germanistikstudentin Marie, die sich aber nur für Literaten interessiert. Anlässlich des Kinostarts von «Lila, Lila» mit Daniel Brühl verlost 20 Minuten Online zwei Fan-Pakete.

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«Lila, Lila», die Martin-Suter-Romanverfilmung vom Schweizer Regisseur Alain Gsponer («Das wahre Leben»), startet am 17. Dezember in den hiesigen Kinos. Worum es in der Komödie geht? In einem Nachttisch vom Flohmarkt findet Kellner David das Manuskript eines hochtragischen Liebesromans, der ihn zu Tränen rührt. Um Marie zu gewinnen, gibt er es als sein eigenes Werk aus und bittet sie, es zu lesen.

Alles nur geklaut

Das von David «Lila, Lila» betitelte geklaute Manuskript gefällt seiner Angebeteten so sehr, dass sie es heimlich an einen Verlag schickt. Während sie sich in das vermeintlich verkannte Genie verliebt, wird das Buch zum Bestseller. Der Plagiator sieht sich plötzlich in die Welt von Buchmessen, Lesungen und Salonliteraten katapultiert, von deren Gerede er nur Bahnhof versteht. Seiner «Entdeckerin» Marie kann er den wahren Sachverhalt nicht beichten. Und obwohl der Urheber des in den Fünfzigern verfassten Manuskriptes verschollen ist, bibbert David bei jedem öffentlichen Auftritt, dass seine Lüge auffliegt. Tatsächlich taucht der verlotterte Jacky auf...

Der Bestseller des Schweizers Martin Suter wurde vom Schweizer Regisseur Alain Gsponer verfilmt. Leider zieht er Suters launiger Satire auf den literarischen Betrieb die Zähne und dreht sie zur leidlich unterhaltsamen und letztlich betulichen Wohlfühlromanze um. Daniel Brühl, bubihaft wie nie, gibt den gutherzigen, schüchternen Simpel, der weder Marie noch Jacky, der sich als wahrer Autor ausgibt und ihn erpresst, etwas entgegensetzen kann. Jungstar Hannah Herzsprung ist als Literatur-Groupie attraktiver als bei ihrem Auftritt als junge Wilde in Gsponers Tragikomödie «Das wahre Leben», bleibt aber ein konturloses Objekt der Begierde.

Hübchen gibt wieder den versoffenen Hallodri

Henry Hübchen (»Whisky mit Wodka») verkörpert dagegen mit Schmackes und wie auf Autopilot seine bevorzugte Rolle eines versoffenen Hallodris, der wie ein Kaugummi unter Davids Fusssohle klebt. Jacky, eine verkrachte Existenz, will den introvertierten jungen Mann nicht verraten, sondern von dessen Ruhm profitieren, will sich als sein Agent in Szene setzen, und trägt dazu bei, dass er und Marie sich entfremden. David, hin- und hergerissen zwischen selbst ernanntem besten Freund und Geliebter, eilt jedoch der (tödliche) Zufall zu Hilfe.

Mit gelegentlichem Slapstick gestaltet sich dies Treiben recht amüsant. Ironisch wird der Literaturzirkus aufs Korn genommen: gerade seine Unbedarftheit macht David, der noch nicht mal «Rendezvous» buchstabieren kann und dessen betagter Roman zur «Anna Karenina des Internet-Zeitalters» hochgejubelt wird, zum Liebling der Leser. So richtig spritzig ist die Parodie auf intellektuelle Egomanen allerdings nie. Die bittere Romanpointe verrät der Film obendrein mit einem kitschig-abgeschmackten Happyend: Marie, die doch nicht David, sondern einen Künstler will, verhält sich so, wie es nur Frauen in Filmromanzen tun - oder in Groschenromanen.

«Lila, Lila» eröffnete das letzte Filmfest in Zürich (20 Minuten Online berichtete): Gewinnen Sie zwei Mal zwei Kinotickets für die Premiere am 17. Dezember in Rürich und zwei Mal zwei Pässe für das kommende Filmfest Zürich. Wer dabei ist, wird am 16. Dezember mittags benachrichtigt.