Oscars 2010

08. März 2010 14:40; Akt: 08.03.2010 15:35 Print

Unsere Nachbarn feiern Christoph WaltzUnsere Nachbarn feiern Christoph Waltz

Der Oscar-Gewinn des österreichischen Schauspielers Christoph Waltz führt bei unseren deutschsprachigen Nachbarn zu einhelligem Jubel. Schweizer Medien halten sich diesbezüglich aber vornehm zurück. Eine Presseschau.

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Christoph Waltz ist nach seinem Oscar-Gewinn der Held des deutschsprachigen Europa. Insbesondere in seiner österreichischen Heimat wird er gefeiert. So schreibt die Kronen-Zeitung: «Waltz nun auch in Hollywood am Zenit». Der Kurier geht noch einen Schritt weiter und zitiert einen Kommentator mit dem vollmundigen Spruch: «War klar, dass er gewinnt.» Mit seinem Spruch vom «Über-Bingo» hat Waltz ein geflügeltes Wort geschaffen, das vom österreichischen «Standard» 1:1 übernommen wird. Die «Presse» nimmt den Spruch ebenfalls auf ... Die «Wiener Zeitung» gibt sich seriöser und titelt ganz nüchtern: «Oscar für Christoph Waltz». Auch die deutschen Medien freuen sich über den Erfolg des Charakter-Darstellers. Bild.de zeigt den Österreicher gleich viermal. Stern.de widmet Waltz nicht nur ein romantisches Aufmacher-Bild (mit Penélope Cruz), sondern auch eine kleine Karriere-Retrospektive. Die «Bunte» schreibt euphorisch: «Jetzt ist sein Glück perfekt!» Auch bei Gala.de steht Waltz im Mittelpunkt. Aber Katheryne Bigelow wird ebenfalls gefeiert - schliesslich wurde sie als erste Frau mit dem Regie-Oscar ausgezeichnet. «Christoph Waltz stolz wie Oscar»: Express.de freut sich mit dem Ausgezeichneten. Welt.de schreibt vom «Triumph der Underdogs», zu denen Waltz als Österreicher zweifelsohne gehört. Noch einmal der «Über-Bingo», dieses Mal gefunden bei Spiegel.de. Einzig die «Welt» zeigt sich etwas enttäuscht darüber, dass Deutschland diess Jahr leer ausgegangen ist. Und die Schweizer Kollegen? Sie zeigen sich nur mässig beeindruckt von Waltz-Triumph. NZZ.ch verzichtet bei Titel und Lead auf die Nennung des Österreichers. Und auch bei Tagesanzeiger.ch wird er nicht besonders hervorgehoben. Auch beim «Blick» schafft er es nicht auf die Titelseite.

Presse-Jubel für Christoph Waltz.

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Shooting-Star Christoph Waltz war nicht aufzuhalten: Alle hatten auf den Oscar für den überragenden Schauspieler aus «Inglourious Basterds» gesetzt. So hatte der ebenfalls als bester Nebendarsteller nominierte Matt Damon erklärt, er bereite erst gar keine Dankesrede vor. Waltz durfte als erster Preisträger auf die Bühne im Kodak Theatre in Los Angeles und hatte sich gut vorbereitet. Der vorausgegangene Preisregen hat ihm schon Routine beim Dankesagen verschafft, beim Oscar aber zitterte seine Stimme hörbar.

Penélope Cruz hatte ihm mit einem Kuss gratuliert: «Oscar und Penélope, das ist Über-Bingo», sagte der 53-jährige Österreicher auf seine freundlich-leise Art. «Bingo» ist ein Zitat des von ihm so eindrucksvoll verkörperten Nazi-Schergen Hans Landa. Waltz sagte, er könne dem Regisseur Quentin Tarantino gar nicht genug danken, der ihn mit seiner unorthodoxen Art zu führen und seinem furchtlosen Entdeckerdrang dorthin gebracht habe, wo er nun stehe.

Nach seinem Abgang schwärmte Waltz im Gespräch hinter den Kulissen: «Es ist umwerfend, es ist fantastisch, es ist sehr intensiv, und morgen werde ich wohl traurig darüber sein, dass es vorbei ist.»


Die Rolle seines Lebens

Der Triumphzug des Schauspielers ist beispiellos: Christoph Waltz hat mit der Rolle seines Lebens alle wichtigen internationalen Filmpreise abgeräumt. Im Mai 2009 wurde er beim Filmfestival von Cannes als bester Schauspieler ausgezeichnet. Damals sagte er, Tarantino habe ihm die Berufung zum Schauspieler zurückgegeben.

Ende Oktober erhielt er den Hollywood Award beim Hollywood Film Festival in Beverly Hills. In Deutschland folgte der Bambi des Burda-Verlags im November im Potsdamer Filmpark Babelsberg, wo grosse Teile von «Inglourious Basterds» gedreht wurden. Dort beliess er es bei einer ultrakurzen Dankesrede. Die Kategorie «Schauspieler international» sei «die richtige für mich - ich bin Österreicher».

Hinzu kamen insgesamt fünf Preise von grossen und regionalen Filmkritiker-Verbänden in den USA, darunter der Critic's Choice Movie Award und als Höhepunkt am 17. Januar der Golden Globe der Vereinigung der Hollywood-Auslandspresse. Waltz knüpfte in seiner Dankesrede an das Symbol der Auszeichnung an: «Vor anderthalb Jahren wurde ich den Gravitationskräften von Quentin Tarantino ausgesetzt. Er nahm meine bescheidene kleine Welt, meinen Globus, und schleuderte ihn mit der Kraft seines Talents und seiner Worte in seine Umlaufbahn - eine atemberaubende Erfahrung.»

Am 23. Januar wurde sein Name wieder aufgerufen, als die Schauspielergewerkschaft (Screen Actors Guild) in Los Angeles ihren Preis für die beste männliche Nebenrolle vergab. In London nahm er dann noch am 21. Februar die Auszeichnung der Britischen Film- und Fernseh-Akademie (BAFTA) in Form einer Theatermaske entgegen.


Waltz ist in Hollywood weiter gefragt

Wenn er auch noch den Deutschen Filmpreis, die Lola, erhalten sollte, wäre dies nur noch eine Zugabe. Denn nun firmiert Christoph Waltz unter «Hollywoodstar». Er wird nach allem, was zu hören ist, mit Rollenangeboten überhäuft. Bereits abgedreht ist die Comic-Verfilmung «The Green Hornet»; darin mimt er einen Mafiaboss.

Das Leben in den USA ist ihm vertraut; Waltz war mit einer Amerikanerin verheiratet; mit ihr hat er drei Kinder, ein weiteres hat er mit seiner Lebensgefährtin, der Kostümbildnerin Judith Holste. Die Familie hat bisher in London gelebt. In seiner österreichischen Heimat gratulierten ihm am Montag auch Bundespräsident Heinz Fischer und Bundeskanzler Werner Faymann.

Waltz wurde am 4. Oktober 1956 in Wien als Sohn eines Bühnen- und Kostümbildner-Paares geboren. Nach einer Theaterkarriere konzentrierte er sich auf Film und Fernsehen. Eine herausragende Darstellung gelang ihm mit der Rolle des Schlagersängers in Peter Keglevics TV-Film «Du bist nicht allein - Die Roy Black Story». Unter der Regie von Keglevic glänzte er abermals in «Tanz mit dem Teufel - Die Entführung des Richard Oetker» als brutaler Entführer des Industriellensohns.

Dennoch bekam Christoph Waltz nicht viel Bewunderung der Branche in Deutschland zu spüren. Keglevic sagte: «Sogar kurz vor Tarantino habe ich ihn bei einer Besetzung nicht durchgekriegt. 'Der Waltz', hiess es, 'der ist doch so zynisch'.» Der Regisseur fügte hinzu: «Da wurde wirklich der Schauspieler mit seinen Rollen verwechselt.» Als Konsequenz erwartet Keglevic, dass der Schauspieler jetzt einige Jahre weg sein werde, «er war ja auch zu viele Jahre da, ohne dass von ihm etwas gewollt wurde».

Tarantino hatte «Inglourious Basterds» mit einer ganzen Reihe deutscher Schauspieler besetzt, zunächst aber keinen für den Nazi Hans Landa gefunden. Er sagte später, er habe das Projekt eigentlich schon in die Schublade gelegt. Doch dann erschien im Jahr 2008 Christoph Waltz zum Vorsprechen. Der Rest ist nun Geschichte.

(dapd)

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  • Ric Stalder am 08.03.2010 19:14 Report Diesen Beitrag melden

    lächerlich

    Das ein Film wie Hurt Locker, der eigentlich nichts spezielles ist den Oscar für beste Musik, beste Regie und bester Film bekommt ist lächerlich. Man merkte richtig wie sehr sich Hollywood darum bemüht hat Avatar NICHT auszuzeichnen, wohl weil er zu erfolgreich war... Hurt Locker bekam all diese Oscars nur weil er von einer Frau gemacht wurde und "es nun endlich Zeit sei, dass eine Frau diese Auszeichnungen bekommt". Wäre dieser Film von einem Mann gemacht worden hätte er diese Oscars nicht erhalten, sehr schade das ganze.

    • Dani am 09.03.2010 14:17 Report Diesen Beitrag melden

      Ja, lächerlich..

      Avatar ist wirklich ein sehenswerter Film. Gut gemacht, und bis jetzt einmalig. Aber mal ehrlich: war die Musik besonders gut? War der Schnitt besonders gut? Ist die Geschichte nicht etwas, das schon 100x verfilmt wurde? Und die Schauspieler waren leider viel zusehr mit der 30-Capturing-Technik beschäftigt, als sich um guten Ausdruck oder sowas zu kümmern. Beispiel: Die Stelle, wo Neytiri ihre Trauer über den gefallenen Baum zum ausdruck bringen wollte? - der ganze Kinosaal hat gelacht. Wie ein echter tiefer Schmerz hat es nun leider wirklich nicht ausgesehen...

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  • Peter am 08.03.2010 18:50 Report Diesen Beitrag melden

    ??

    Der Artikel und die Bildstrecke beschäftigen sich praktisch nur mit den Kleidern der Frauen, die Filme sind offenbar völlige Nebensache geworden. Wer entscheidet eigentlich was in und out ist? Ist der Geschmack des Journis massgebend? Ich kann immer noch selber entscheiden, was mir gefällt und was nicht.

  • Martin am 08.03.2010 18:18 Report Diesen Beitrag melden

    The Hurt Locker.... naja

    Diese vielen Oscars sind nicht gerechtfertigt. Ok der Film ist in Ordnung, aber hat er doch auch mehrheitlich wegen seiner Thematik, dem Irak-Krieg, soviele Oscars erhalten... USA halt...