Film floppt

07. Februar 2012 15:56; Akt: 07.02.2012 17:54 Print

Regie-Supergau für JolieRegie-Supergau für Jolie

von Catharina Steiner - An der Berlinale stellt Angelina Jolie ihr Regie-Debüt vor. In ihrer Heimat ist der Film gescheitert. Ob ihr das europäische Publikum wohler gesinnt ist?

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Schön, begehrt, vom Erfolg verwöhnt. So kennen wir Angelina Jolie, die berühmteste Schauspielerin der Welt. Wäre sie doch bloss bei ihrem Job geblieben ... ... und hätte nicht Regie geführt. Und dann grad noch das Drehbuch geschrieben. Bei der Promo zu ihrem Regiedebüt «In the Land of Blood and Honey» war sie noch zuversichtlich ... ... aber der Film war in den USA ein gigantischer Flop. Bloss 250 000 Dollar spielte er ein und verschwand sang- und klanglos wieder aus den Kinos. Mit der Romanze vor dem Hintergrund des Bosnienkrieges hat sie aber auch schwere Kost aufgetischt. Dass niemand die Darsteller kennt, hat Jolie auch nicht zum Vorteil gereicht ... ... und das blutige Poster macht auch nicht gerade Lust auf eine Tüte Popcorn. Aber Angie, mach dir nichts draus. Du stehst als gescheiterte Mimin, die im Regiestuhl Platz genommen hat, nicht alleine da. Da ist ja noch Jodie Foster. Hier scheint sie ein Stossgebet an den Herrn zu schicken: «Bitte bitte, lass meinen Film ganz viel Geld machen.» Aber auch eine medienwirksame Premiere von «The Beaver» beim Cannes Filmfestival half nichts mehr, denn ... ... wer will schon Mel Gibson mit Biber am Arm beim Bügeln zusehen? Nicht viele. In den USA spielte der Film 2011 nicht mal eine Million Dollar ein. Da nützen auch die besten Regieanweisungen nichts, Frau Foster. Peinlich, peinlich. Und Gibson? Sein Ruf ist ohnehin schon ruiniert und dann lebt sichs bekanntlich ungeniert. Mit oder ohne Stofftier als Co-Star. Zuviel sollte sich Foster nicht aus dem «Beaver»-Flop machen, denn es geht noch schlimmer. Man sehe sich nur mal Nicolas Cage an. Wer einen schlechten Film machen will, der besetzt ihn mit Cage. Wer aber einen richtig schlechten Film machen will ... ... der setzt den abgehalfterten Actionstar einfach in den Regiestuhl! «Sonny», sein 2002 erschienenes Debüt als Filmemacher, spielte unterirdische 30 000 Dollar ein. Übler gehts tatsächlich nicht. Star James Franco sieht bei der Premiere schon ziemlich betreten aus der Wäsche. Es dämmerte ihm wohl, dass er sich besser nach einem anderen Drehbuch umgeschaut hätte. Einen Stern am «Walk of Fame» hat der «24»-Star Kiefer Sutherland schon. Den hat er aber sicher nicht fürs Filmemachen bekommen... ... denn sein Thriller «Truth or Consequences, N.M.» ging 1997 total baden. Knapp 110 000 Dollar nahm der Streifen ein. Ein totales Desaster. Da könnte nicht mal ein Jack Bauer noch etwas ausrichten. Eigentlich hätte Comedian Eddie Murphy die kommende Oscar-Verleihung moderieren sollen. Aber wegen einem homophoben Spruch wurde er von der Academy rausgeworfen. Nicht der erste Rückschlag für Murphy. Mit seinem Regie-Debüt «Harlem Nights» heimste er 1989 die «Goldene Himbeere» für das schlechteste Drehbuch (auch von Murphy) und die schlechteste Regie ein. Immerhin war die Komödie kein finanzielles Fiasko: Der Film spielte solide 60 Millionen Dollar ein. Da kann man sich auch wiedermal ein bischen Bling gönnen!

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Sie ist einer der grössten Filmstars unserer Zeit. Von Millionen bejubelt, mit Millionen für ihre Rollen vergütet. Aber Angelina Jolie wollte mehr als bloss ein Hollywoodstar sein. Sie wollte ihre Vision verwirklichen, die kreativ treibende Kraft hinter einem Projekt sein. Anweisungen geben, statt sie anzunehmen. Es war nur eine Frage der Zeit, bis Machtmensch Jolie auf dem Regiestuhl Platz nimmt.

Für ihr Debüt wählte sie ein Liebesdrama vor dem Hintergrund des Bosnienkriegs. Besetzt hat sie die schwer verdauliche Kost mit Zana Marjanovic und Goran Kostic. Schauspieler, von denen man diesseits des Balkans noch nie gehört hat. Und es gibt im Film «nicht eine einzige fröhliche oder glückliche Szene», wie Jolie selbst sagt. Alles in allem ein sicheres Rezept für ein Desaster an der Kinokasse. Trotzdem produzierte das Werk Hollywood-Schwergewicht Graham King, der sich sonst Blockbustern wie «Aviator», «The Tourist» oder «Departed» verschreibt. Dachte King, der Name Jolie und ein Gang über den roten Teppich allein könnten die Kinosäle füllen?

Kein Publikum für Jolie

In den USA jedenfalls ist die Formel «Jolie führt Regie» nicht aufgegangen. Blosse 250 000 Dollar spielte der Film, der am 23. Dezember herauskam, bisher ein. Jolie mied eine pompöse Premiere und machte auch um das Sundance-Filmfestival, das für Arthouse-Filme eigentlich prädestiniert ist, einen weiten Bogen. Nur 18 Kinos in ganz Amerika nahmen den Streifen ins Programm auf, in über der Hälfte davon ist er bereits wieder abgesetzt. Ein phänomenaler Flop. Doch kaum ein Medium in den USA berichtete darüber. Ist die Oscar-Preisträgerin und UN-Botschafterin mittlerweile unanstastbar?

Am Wochenende zeigt Jolie ihren Film ausser Konkurrenz an der Berlinale. Ob sie damit das Ruder herumreissen kann, ist fraglich. Ascot-Elite, die sich die Verleihrechte für die Schweiz gesichert hat, hat bislang noch kein Startdatum festgelegt. Laut Sprecher Dietmar Steg wolle man erst die Berlinale abwarten und sich dann entscheiden.

In guter Gesellschaft

Immerhin kann sich Jolie trösten, als erfolglose Regisseurin nicht allein dazu stehen. Nicolas Cage spielte 2002 mit seinem Regie-Debüt «Sonny» gar nur 30 000 Dollar ein. Wenig besser erging es Kiefer Sutherland 1997. Sein Erstling «Truth or Consequences, N.M.» ging mit einem Einspielergebnis von 109 000 Dollar völlig unter. Und auch Jodie Foster landete letztes Jahr einen veritablen Flop. «The Beaver» brachte nicht einmal eine Million Dollar am US-Boxoffice ein.

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  • KOSOVA am 17.02.2012 21:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    öffnet die Augen!

    Ich finde es gut, dass sie wieder einmal daran erinnert! Denn bis jetzt wussten alle Bescheid, haben es aber verdrängt weil es ihnen zu schwierig war. Diese Menschen brauchen Hilfe und Unterstützung, und das was geschehen ist darf NIE vergessen werden! Und auch wenn man es nicht akzeptieren möchte, diesen Krieg haben die Serben angezettelt und zu guter letzt mehr verloren als sie überhaupt hatten!

  • Dani am 08.02.2012 00:13 Report Diesen Beitrag melden

    Propagandafilm

    Ein Propagandafilm durch und durch. Brad Pitt und Georg Cloony sind ja meister darin, wie man in Syriana, Babel und vielen anderen gut sehen kann. Immer gehts darum, den Traum an Amerika oder die Rolle des Bösen aufrecht zu erhalten. Das der Film daher von den Etabilshment-Heften gelobt wird ist logisch. Ihr wollt einen Film über Krieg sehen? Seht euch lieber Deadly Dust an, da gehts auch um den Krieg auf dem Balkan u.a. und man lernt wenigstens mal was, das nicht aus Hollywood stammt..

  • Maja am 07.02.2012 18:18 Report Diesen Beitrag melden

    Man hätte es besser machen können und...

    das einzige was der Film, meiner Meinung nach, wirklich ist ist serbophob. Ausserdem ist es selbst für Bosnier schwer diese schrecklichen Ereignisse in Worte zu fassen. Geschweige denn zu diesen Worten Bilder zu finden, die dem was geschehen ist auch nur Ansatzweise gerecht werden. Es ist Alles in Allem ein schwieriges Thema. Ein Thema bei dem die Wunde noch viel zu tief ist und gerade erst anfängt zu verheilen. Ein Film wie dieser hat keinen anderen Zweck als noch zusätzlich Salz in die Wunde zu streuen. In 20 oder 30 Jahren kann man sich dem Thema nochmal widmen und etwas draus machen...