31. Oktober 2007 23:15; Akt: 31.10.2007 20:49 Print

Kultur? Gut!Kultur? Gut!

Ihr Selbstwertgefühl ist ungebrochen: Vor dem Release des neuen Ärzte-Albums hat sich 20 Minuten week mit Sänger, Songwriter und Schlagzeuger Bela B. (44) unterhalten.

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Bela, weisst du eigentlich, wie viele Claudias wegen euch traumatisiert sind?
Bela B.: Oh, ich verstehe ... Deine Mitschüler haben dich wegen dem Song «Claudia hat ‘nen Schäferhund» gequält. Darunter haben viele gelitten, und das tut mir auch leid, wenns so war. Komischerweise outen sich fast keine Frauen namens Elke. Wahrscheinlich ist es denen peinlich, dass sie früher mal dick waren.

Im Gegensatz zu Texten wie «Claudia» oder «Elke» nimmt sich euer neues Album «Jazz ist anders» extrem brav aus.
Bela B.:Es ist ja nicht unser Ziel, ständig zu provozieren und Straftatbestände zu erfüllen. Wir wollen Texte schreiben, die wir lieben. Abgesehen davon wüsste ich nicht, was wir tun müssten, um wirklich noch zu provozieren. Selbst wenn wir, wie im Song «Rock Rendezvous», singen «Ich will dich ficken», nimmt daran niemand mehr Anstoss. So sehr sind wir inzwischen zu allgemeinem Kulturgut geworden.
Normalerweise ist Musik generationsbildend. Bei euch ist das anders. Die Ärzte finden vom pubertierenden Teenie bis zum Ex-Punk alle gut.
Bela B.: Das stimmt. Nehmen wir mal unsere aktuelle Single «Junge», auf der eine Mutter mit ihrem adoleszenten, rebellierenden Sohn spricht. Die kommt bei jungen Leuten an, weil sie diese Situation selbst kennen; in der Ironie fühlen sich dann eher die Älteren angesprochen.

Aber eigentlich sind Text und Musik für eure Fans nebensächlich. Ihr seid ...
... die beste Band der Welt ...
... und habt einen coolen Lifestyle. Musikalisch könntet ihr dem Publikum doch irgendwas vorsetzen ...

Bela B: Das ist schon klar. Aber das machen wir ja nicht! Okay, wir könnten vielleicht zwei Jahre oder so Mist bauen, aber dann hätte auch der letzte Fan begriffen, dass es jetzt vorbei ist.

Ihr seid live immer unglaublich lustig drauf. Fühlt man sich da nicht gefangen?
Bela B.: Man unterstellt uns diese «Lustigkeitsfalle» ja gern. Aber dem ist nicht so. Wir haben so viele Hits, über die die Leute sich freuen, und einen solch infantilen, anal-fixierten Spass auf der Bühne, dass es einfach nie langweilig wird. Zudem gibt es auch bei unseren Konzerten durchaus ernste Momente. Aber klar: Wir sind weder eine Protest- noch eine Kunstband. Das nachdenkliche, sich im Bart kraulende Publikum darf sich deshalb gerne Nick Cave anhören.

Die Beatsteaks haben ja euren Slogan parodiert und behaupten, sie seien «die beste Live-Band der Welt». Dürfen die das?
Bela B.: Jaaa, die Beatsteaks sind bestimmt eine grandiose Live-Band, die wir sehr gut mögen. Aber um das zu beweisen, müssen sie dann glaub doch mal früher aufstehen.

Interview: Claudia Schlup