Toter Komponist

25. August 2010 17:32; Akt: 25.08.2010 17:45 Print

Der Schlaf der GerechtenDer Schlaf der Gerechten

Der US-Komponist George David Weiss, der Ohrwürmer wie «The Lion Sleeps Tonight» geschrieben hat, ist tot. Sein Hit war aber lediglich eine Adaption – wenn nicht ein Plagiat.

Die etwas in die Jahre gekommenen Tokens singen 2008 ihren Welthit «The Lion Sleeps Tonight».
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Weiss starb nach Angaben seiner Frau in seinem Haus im Alter von 89 Jahren in Oldwick im US-Bundesstaat New Jersey, wie die «New York Times» am 24. August berichtete. Der gebürtige New Yorker, der 1921 in Manhattan zur Welt kam, arbeitete auch an der Musik für Broadway-Musicals mit. Das bekannteste davon war 1956 «Mr. Wonderful», in dem Sammy Davis Jr. auf der Bühne stand. Einer seiner ersten Songs «Oh! What It Seemed to Be» (1948) wurde von Frank Sinatra eingespielt.

Später zählten zu seinen Songs die Über-Ohrwürmer «Can't Help Falling in Love», der von Elvis interpretiert wurde, oder «What a Wonderful World» für Louis Armstrong. Als Präsident des US-Berufsverbandes für Liedermacher engagierte sich Weiss jahrelang für die Verteidigung von Urheberrechten. Dabei verteidigte er logischerweise auch vehement die eigenen Songrechte, unterem die von «The Lion Sleeps Tonight», einem 1939 in Südafrika erschienenen Lied vom Sänger Solomon Linda, zu der er 1961 für die Fassung der Band Tokens 1961 neue Textzeilen dichtete.

Die Ur-Version «Mbube» (da das Zulu-Wort für ‚Löwe’) von Solomon Linda und seiner Gruppe The Evening Birds verkaufte sich in Südafrika in den Vierzigerjahren bereits einige 100'000 Mal. Anfangs der Fünfzigerjahre machte der amerikanische Musikethnologe Alan Lomax den Folksänger Pete Seeger auf den Song aufmerksam, der in der Folge «Mbube» in das Repertoire seiner Band The Weavers aufnahm.

Da «Wimoweh», wie der Titel bei den Weavers nun hiess (vom falsch verstandenen «uyimbube» – ‚du bist ein Löwe’ – des Originals) nach amerikanischem Recht als Volkslied galt, wurde er unter einem Pseudonym bei den Urheberrechtsgesellschaften angemeldet, damit der Musikverlag der Weavers die Songrechte sichern konnte. Später schrieb George David Weiss einen umfassenderen englischen Text und nannte den Song «The Lion Sleeps Tonight».

Im Jahr 2000 recherchierte der südafrikanische «Rolling Stone»-Journalist Rian Malan, dass der Song alleine für die Benutzung eines 30-Sekunden-Ausschnitts im Disney-Film «The Lion King» 15 Millionen Dollar generierte. Dazu kommen noch die täglichen Aufführungen vom «Lion King»-Musical am Broadway und nicht zuletzt die Abermillionen, die durch den Verkauf der inzwischen 150 Coverversionen des Songs, von denen die 1961-Version der Tokens die bekannteste ist, zusammengekommen sind.

Solomon Linda soll die Rechte an seinem Song anno 1949 dem örtlichen Musikverlag für umgerechnet zwei Dollar verkauft haben. 1962 verstarb er mit weniger als 25 Dollar auf seinem Bankkonto. Nach damaligem britischem Recht, hätten die Rechte 25 Jahre nach seinem Tod an seine Erben zurückfallen sollen. Doch bis Anfangs der Nuller-Jahre wartete die Linda-Familie auf Tantiemen aus dem Erlös des Welthits.

Der vielbeachtete Artikel Malans und der darauffolgende Emmy gewinnenden Dok-Film «A Lion’s Tale» führte schliesslich zu einer aussergerichtlichen Einigung zwischen der Linda-Familie und Abilene Music, dem heutigen Besitzer der Verlagsrechte, der den Songbenutzung an Disney verkauft hatte. Darin wurde erstmals festgehalten, dass «Mbube» die musikalische Vorlage von «The Lion Sleeps Tonight» ist und dass Solomon Linda fortan als Ko-Autor Letzterens zu nennen ist. Den Erben Lindas wurde einen Anteil aller bisherigen und zukünftigen Einnahmen des Songs zugesprochen.

Inzwischen kann der Löwe gänzlich ungestört schlafen.

(obi)