Interview

02. Juli 2010 09:30; Akt: 02.07.2010 10:06 Print

«Einmal im Monat krieg ich die Krise»«Einmal im Monat krieg ich die Krise»

von Sarah Elena Schwerzmann - Sia ist dank Promi-Blogger Perez Hilton über Nacht berühmt geworden. Den Erfolg verkraftet die Australierin nur schwer. Ihrem neuen Album hört man das aber nicht an.

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«Irgendwann schreib ich nur noch für andere Musik»: Sia, 34.

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Ich betrete den grossen Sitzungsraum der Lon­doner Plattenfirma mit den teuren Ledersesseln. Hier soll ich Sia zum Gespräch treffen. Von der quir­ligen Sängerin fehlt aber jede Spur. Plötzlich ertönt aus dem Nichts eine helle Stimme. Erschrocken drehe ich mich um. Doch da ist nur gähnende Leere. Bin ich am Durchdrehen? Da entdecke ich Sia, breit ausgestreckt auf dem Boden. «Ich habe keinen Bock, auf den Stühlen zu sitzen. Da fühle ich mich immer, als bekäme ich gleich richtig Ärger.» Sie lacht. Also machen wir es uns auf dem flauschigen Teppich gemütlich.

Friday: Sia, du hast ein ziemlich ereignisreiches Jahr hinter dir. Erzähl!
Sia: Es hat damit angefangen, dass Perez Hilton eines meiner Videos auf seine Website gestellt hat und ich auf einmal von Paparazzi verfolgt wurde. Kurz darauf hat er dann aller Welt verkündet, dass ich mit einer Frau zusammen bin. Vorher bin ich nur mit Männern ausgegangen. Und dann habe ich noch erfahren, dass ich pleite bin.

Trotz Ruhm ein leeres Portemonnaie,
wie geht das denn?

Wenn du einen Buchhalter hast, der vergisst, deine Steuererklärung einzureichen, geht das ganz schnell! Ich werde mir also die nächsten sieben Jahre den Arsch wund arbeiten, um meine Schulden abzubezahlen. Es ist schräg: Einerseits trete ich bei Letterman auf, dem bekanntesten Talkmaster in den USA. Andererseits bin ich pleite (lacht).

Wie gehst du damit um?
Ich krieg mindestens einmal im Monat die Krise und will alles hinschmeissen, weil es mir zu viel wird. Ich mache dann immer Telefonterror bei meiner Psychologin. Eigentlich sollte ich Medikamente nehmen. Aber daraus wird im Moment nichts, weil meine Freundin und ich ein Baby wollen (lacht).

Das sind ja tolle News! Ist dein neues Album «We Are Born» darum so frisch und voller Lebensfreude?
Eigentlich ist es komisch, dass nach dieser Zeit ein so fröhliches Album herausgekommen ist. Ich habe mir während den Aufnahmen aber nicht viele Gedanken darüber gemacht. Das mache ich nie. Ich gehe einfach ins Studio und schaue, was dabei rauskommt.

Die Platte begeistert Fans und Kritiker. Ist das eine Bestätigung für dich?
Ich liebe es einfach, Songs zu schreiben und zu singen. Aber ich brauche kein Publikum mehr, das mir zuklatscht. Früher wollte ich unbedingt berühmt werden, weil ich gedacht habe, dass mich meine Eltern dann lieben. So einfach ist das aber nicht. Manchmal frage ich mich, ob es das wirklich wert war.

Hat der Erfolg seine Versprechen nicht gehalten?
Natürlich hat es Vorteile, wenn man berühmt ist. Aber es ist auch ein psychischer Druck. Dafür bin ich nicht gemacht. Ich kriege Panik­attacken. Irgendwann werde ich mich zurückziehen und nur noch für andere Musik schreiben.

Das hast du bereits für Christina Aguileras neues Album gemacht. Wie war das?
Ich bin zu ihr geflogen und wir haben eine Woche lang in ihrem Haus gearbeitet. Sie war sehr nett, offen und entspannt. Ihr Mann ist auch sehr toll. Am letzten Tag hat er uns Blumen ins Studio gebracht. Ich bin dahingeschmolzen.