Eurovision Song Contest

13. Mai 2009 17:09; Akt: 13.05.2009 17:10 Print

«Die Teilnahme kostet uns nicht viel»

von Oliver Baroni - Nach der erneuten Eurovisions-Pleite wird nicht nur das Auswahlsprozedere des Schweizer Beitrags, sondern auch die Schweizer Teilnahme als Ganzes in Frage gestellt. SF-Sprecher Marco Meroni verteidigt den Lovebugs-Einsatz und verrät: Der Grand Prix kostet den Sender weniger als manche Unterhaltungssendung.

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Willkommen in Moskau zum ersten Halbfinale des Eurovision Song Contest! Und los gehts ... Montenegro will mit einer Komposition des deutschen Eurovisions-Komponisten Ralph Siegel punkten ... Der Song ähnelt aber mehr als nur ein bisschen dem Donna-Summer-Hit «Hot Stuff». Das gibt noch ne Plagiatsklage! ... Tschechien bietet einen Brockenhaus-Superman, der Zigeunermusik zum Besten gibt. Titanic trifft auf Bombast-Rock: So könnte man den weissrussischen Beitrag umschreiben. Eigentlich das Beste an der Sendung: Die Nummerngirls. Belgien tötet den Rock'n'Roll. Der echte Elvis dreht sich im Grab ... Das ist nicht Agnetha von ABBA, sondern die stimmgewaltige Schwedin, die einen bizarren Mix aus Disco-Pop und Oper zum Besten gibt ... Ebenfalls bizarr, aber dafür folkloristisch-authentisch kommt der armenische Beitrag daher ... Andorra bietet braven Girlie-Pop ... Gorillas in the mist? Nein, das sind die Schweizer Lovebugs ... Ob sie entgegen den Erwartungen doch noch punkten können? Viel Haut ... ... aber wenig Stimme bietet Hadise aus der Türkei. Dafür hat sie die Konzertvideos von Shakira sehr genau studiert ... Hadise performt «Düm Tek Tek» (nicht zu verwechseln mit vergangenen türkischen ESC-Klassikern wie «Didai Didai Dai», «Bana Bana» oder «Rimi Rimi Ley»). Israel tritt an mit einer israelischen einer palästinensischen Sängerin. Ihr Duett heisst dementsprechend «There Must Be Another Way». Feuer. Feuer! FEUER! Bulgarien ist die Hölle ... ... und deren Sänger Krassimir Avramov ist der Teufel. Man nehme: Einen Wikinger, Akrobaten, ein paar abgelehnte Statisten aus «Harry Potter» und jede Menge Feuereffekte ... und schon hat man die Zutaten für einen bulgarischen Eurovisions-Auftritt. Island hingegen setzt auf meerblaue Augen und eine Power-Ballade. Ein Traum in blau: Yohanna aus Island. Pop-Metal soll ausser Mode sein? Nicht in Mazedonien! Das ist er, der mazedonische Bon Jovi. Eine schwache Stimme, ein noch schwächerer Song ... ... aber ein grosszügiger Ausschnitt! Auf welche Karte wohl setzt Rumänien mit dem Song «Balkan Girls»? Nik Kershaw hat angerufen. Er will seinen Song zurück. Finnland covert «Wouldn't It Be Good» aus den Achtzigern ... Portugal: Die Kelly Family trifft auf Lily Allen. Malta will mit Power-Frau und Power-Ballade punkten. Martialische Bosnier mit viel Pathos: Regina nennt sich diese Band ... Für Befremden sorgte beim westlichen Publikum ein Auftritt des Alexandrow-Chors der Roten Armee, der ein Medley mit sowjetischen Liedern, darunter auch den Militärschlager «Katjuscha», vortrug ... ... Zusammen mit den Uniformierten trat in dem Kontrastprogramm auch das pseudolesbische Pop-Duo Tatu auf. Am Ende setzten sich Schweden ... ... die Türkei ... ... Rumänien ... ... Israel ... ...Island ... ... Finnland ... ... Bosnien-Herzegowina sowie Malta, Portugal und Armenien durch. Die Liebeskäfer passten dem paneuropäischen Publikum offensichtlich nicht.

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20 Minuten Online: Ein neues Jahr, eine erneute Schlappe der Schweiz am Eurovision Song Contest. Sind Sie enttäuscht?
Marco Meroni: Die Enttäuschung ist schon da. Vor allem, weil die Lovebugs ihre Sache gut gemacht haben - eine coole Sache auch, die glaubwürdig war – weil sie sich selbst blieben.

Glaubwürdigkeit hin oder her - für eine Finalplatzierung hats nicht gereicht. Woran lags?
Vielleicht ist der ESC noch nicht so weit. Es gibt nämlich schon eine Entwicklung, eine Öffnung, die vermutlich mit Lordi begonnen hat. Doch noch ist der ethnisch eingefärbte Schlager dominierend. Die Lovebugs selbst haben eigentlich alles richtig gemacht. Sie sind echt geblieben. Uns geht es auch darum, die Schweiz zu repräsentieren mit der Musik, die tatsächlich hierzulande geschaffen und gehört wird. An diesem Credo wollen wir nicht so stark rütteln.

Mit echter Schweizer Musik an den ESC. Beispielsweise Vanilla Ninja ...
Vanilla Ninja war eine Ausnahme. Ein Experiment – das funktioniert hat. (Die estnische Pop-Band erreichte 2005 für die Schweiz den achten Rang - Anm. der Red.)

Ob Experiment oder nicht, der Schweizer Eurovisions-Beitrag wird von einer Expertengruppe bestimmt – die aber seit Jahren keinen Erfolg vorweisen kann.
Das Findungsgremium umfasst TV-Verantwortliche aus allen vier Landesteilen, von den nationalen Radiostationen und aus der Musikindustrie. Die haben die Aufgabe, die jährlich zwischen 40 und 60 eingereichten Songs zu evaluieren und einen Kandidaten auszuwählen. Wir werden bei dieser Vorgehensweise bleiben. Periodisch wird diskutiert, den Entscheidungsprozess abzuändern – die Frage bleibt aber, was wäre die Alternative? Piero Esteriores ESC-Beitrag wurde damals per Publikumsvoting ermittelt.

Eine Alternative wäre ein Ausstieg. Italien und Österreich machen es vor.
Ein Ausstieg ist für uns kein Thema. Es wäre doch schade, beim weltweit grössten TV-Event nicht mehr dabei zu sein. Ausserdem muss man ganz klar sehen: Die Teilnahme kostet uns gar nicht so viel. Die finanzielle Hauptlast wird ja von den Big Four getragen (=GB, F, D, E – die grössten Geldgeber der Eurovision, Anm. der Red.). Die anderen Länder zahlen anteilsmässig gemäss ihrer Grösse - die Schweiz als kleines Land einen dementsprechend kleinen Betrag. Die Teilnahme kostet uns weniger als manche Unterhaltungssendung.

Wer gewinnt den Eurovision Song Contest 2009?
Mein Favorit? Israel ist recht stark. Dass es mit einer solchen Message antritt, hat das Publikum sehr beeindruckt. Island hat aber den schönsten Song.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Markus am 20.11.2009 23:56 Report Diesen Beitrag melden

    Fühlt den Puls!! Mal was anderes...

    Wir brauchen eine junge, neue, aufstrebende Rockband, die Stimmung macht. Einen PrixWaloSprungbrett-Teilnehmer, zB PULZ aus Zürich - obs zum Sieg reicht weiss ich nicht - wie ich gelesen habe, waren sie jedenfalls schon in Prag, also auch international bekannte Gesichter. Fühlt den Puls!!!

  • Michelle Marty am 28.05.2009 16:41 Report Diesen Beitrag melden

    bringts das???????

    Ich finde, wir sollten nicht mehr am ESC mitmachen. Wir gewinnen ja sowieso nie, wir kommen nicht mal ins Finale. Das bringt es echt nicht, wenn wir nachher wieder enttäuscht sind. Wahrscheinlich könnten wir noch tausende gute Schweizer Bands bringen, aber wir hätten trotzdem nie eine Chance.

    • René am 29.05.2010 20:15 Report Diesen Beitrag melden

      Gewinnen ist nicht alles...

      ... wir machen ja schliesslich auch bei Fussballmeisterschaften mit und gewinnen auch nicht....

    einklappen einklappen
  • Sandra am 27.05.2009 15:53 Report Diesen Beitrag melden

    LOVEBUGS

    DIE LOVEBUGS HATTEN EINEN GUTEN SONG,ICH HATTE SCHON SCHLECHTERE GEHÖRT UND STRESS KANN WEDER SINGEN NOCH RÄPEN UND WENN IHR SCHON ÜBER DIE SCHWEIZER MUSIKER NÖRGELT,DANN TRETTET DOCH SELBST AUF

  • Nadine am 19.05.2009 12:06 Report Diesen Beitrag melden

    Gesangswettbewerb?

    Mal ehrlich, was an dieser Veranstaltung ist noch ein eigentlicher Wettbewerb? Es sind meist etablierte Stars/Künstler die antreten. Mit dem ursprünglichen Gedanke hat dies gar nichts mehr zu tun. Eigentlich gehört es in die Rubrik: News Bizarre......

  • Istanbul am 17.05.2009 11:10 Report Diesen Beitrag melden

    damals

    ja ja als der liebe westen damals in den 80er immer mit den schundliedern gewann war ja alles ok und jetzt motzt man wieder vor allem gegen die bands aus dem balkan