Piraten am DJ-Pult

04. September 2010 17:50; Akt: 07.09.2010 09:48 Print

Freibeuter der RadiowellenFreibeuter der Radiowellen

Am International Radio Festival Zürich treten mit DJ-Legende Normski sowie mit Outlaw, Carloss und PuRE SX von Flex FM drei Pioniere der sagenumwobenen Piratenradio-Szene Londons auf.

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In der abenteuerlichen Welt des Piratenradios nimmt Grossbritannien und vor allem dessen Hauptstadt London eine besondere Rolle ein. So legendär waren die heldenhaften Taten der englischen Radiorebellen, dass sie jüngst im Spielfilm «The Boat That Rocked» verewigt wurden. Darin sendet die fiktionale Station Radio Rock mit einem wattstarken Sender von einem Boot aus, das ausserhalb britischer Gewässer ankert, Rock und Pop-Musik für die Jugend Britanniens. Erst mit der Verabschiedung des Marine Broadcasting Act - einem Schifffahrts-Schutzgesetz, welches das Radiosenden auf hoher See verbietet, um die Notfallfrequenzen nicht zu gefährden - können die Behörden den wackeren Piraten auf ihrem maroden Schiff den Garaus machen. Doch die Regierungszensur kommt zu spät: Die Saat des bösen Rock’n’Rolls ist gesät.

Die Story basiert lose auf der wahren Geschichte von Radio Caroline, einem Piratenradio der ersten Stunde, das vom Sendeschiff «Mi Amigo» Musik über den Äther schickte. Auch die Verabschiedung des Marine Broadcasting Act im Jahr 1967 ist eine historische Tatsache. Etliche andere Independent-Radios schlugen einen ähnlichen Weg ein. Am aufsehenerregendsten war dabei Radio Sutch, gegründet vom exzentrischen Horror-Rock-Pionier Screaming Lord Sutch, das von den ausserirdisch anmutenden ehemaligen Flugabwehr-Ständen in der Themsemündung sendete.

Verbotene Kunde von D'n'B

Piratenradio existiert selbst im Internet-Zeitalter weiter. «Pirate Radio wird eigentlich immer noch wie eh und je definiert, nämlich als Sender, der keine Sendelizenz besitzt. Von einem solchen Radio zu senden ist juristisch gesehen immer noch ein krimineller Akt, was mitunter auch mit Gefängnis bestraft werden kann», so DJ-Legende Norsmki (siehe Info-Box). Doch die grössten Namen der Szene haben ihre Wurzeln in der Prä-Internet-Ära. Anfangs der Neunziger stellte der Sender Flex FM seine Sendemasten versteckt auf Londoner Häuserdächer auf und verbreitete von dort die Kunde der aufkeimenden House- und Drum’n’Bass-Szene. Als treibende Kraft hinter der Jungle- und UK-Garage-Partyszene liess der Sender ganze Häuserblocks mit seinen Bässen erzittern.

Das Partylabel Flex FM zog bald mehr Feierfreudige an ihre Events als die Konkurrenz. Tracks ihrer DJs erreichten in den Neunzigerjahren mühelos die britischen Top Ten. Als weltweit erstes Webradio streamten sie bereits 2001. So viel Erfolg schafft natürlich Neider – auch in der verschworenen Piratenradio-Szene. Das und steigender Druck von Seiten der Behörden führte dazu, dass Flex FM im Jahr 2003 den Sendebtrieb einstellte. Bis die Macher 2009 eine hochoffizielle Radio-Lizenz erhielten.

Seitdem sendet Flex FM - ganz legal - mit alter Verve und lässt wieder mit grossem Erfolg Revival-Parties steigen. «Zeiten und Technologien ändern sich, die Liebe zur Musik bleibt. Und hält uns, unsere Familien und die Community zusammen», so Outlaw, ein DJ der ersten Stunde.

Zu hören in Zürich

Am Freitag, 10. September sind Outlaw, Carloss und PuRe SX mit einer Upfront Drum’n’Bass-Session inklusive Live-MC beim International Radio Festival Zürich zu Gast. In der Nacht auf Sonntag gehen die blutrünstigsten aller Piraten von 01 bis 04 Uhr auf Sendung.

(obi)