Twitter

18. März 2009 09:07; Akt: 18.03.2009 10:07 Print

In den Köpfen der StarsIn den Köpfen der Stars

von Thom Nagy - Twitter auf allen Kanälen: Nach den Nerds entdecken Stars und Sternchen den Microblogging-Dienst für sich. Mit teils grotesken Ergebnissen. Jüngstes Beispiel: Lindsay Lohan.

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Die erste Reaktion auf eine Nachricht, dass man von der Polizei gesucht wird? Darüber twittern natürlich. So zumindest tickt Lindsay Lohan. Die Teilzeit-Schauspielerin hat in der Nacht vom 14. auf 15.3. eine Message in die Community gezwitschert, die in ihrer Verwirrtheit einer Courtney Love alle Ehre machen würde.

Der ungefähre Wortlaut:

«Soll man es beenden, wenn die eine Person in der Welt es nicht schafft, dich in der Nacht vor dem Gefängnis zu lieben, zu halten/trösten, entschuldigen und AUFZUMUNTERN? LÜGNER SIND FEIGLINGE, weil sie nicht wissen, was sie haben, bis es längst vorbei ist. und leute - wenn ihr jemanden fucking liebt. VERGESST EUREN STOLZ UND LIEBT ZURÜCK! DJet nie, bevor ihr jemanden anruft, DER BALD FUCKING VERHAFTET WIRD, WEIL ER DIR HINTERHERGEFAHREN IST, UM DICH ZUM BLEIBEN ZU BEWEGEN»

(der Originaltext ist an dieser Stelle nachzulesen)

Wie man sieht, ist es ist nicht ganz einfach zu übersetzen, was Lindsay Lohan der Welt so via Twitter mitteilen wollte. Wahrscheinlich geht es um einen weiteren Streit mit ihrer Freundin Samantha Ronson. Vergangene Woche war sie mit dem Auto nach Las Vegas gefahren, um die DJane an einer Party zu überraschen und wurde beim Feiern fotografiert. Damit verstiess sie gegen gerichtliche Auflagen, die ihr das Autofahren ausserhalb des Arbeitswegs untersagten. Und Samantha tröstete sie danach wohl nicht herzlich genug.

Twitter: Im Dialog mit den Idolen

Wie auch immer. Der Fall zeigt vor allem eins: Twitter ermöglicht Celebrities einen ungefilterten Draht zu ihren Fans (Followers, um es mit einem Twitter-Ausdruck zu beschreiben) - und das mit allen Vor- und Nachteilen. Der direkte Kontakt mit dem Publikum ist über Blogs zwar schon lange möglich (Kanye West macht davon auch regen Gebrauch), Twitter hat aber den Vorteil, dass auch literarisch weniger begabte Stars die 140 Zeichen mit mehr oder weniger sinnvollem Inhalt füllen können. Zudem sehen sie stets, wie viele Menschen ihren Gedanken folgen. Ein nicht unerheblicher Egokitzler, wenn man wie Britney Spears 417'800 Followers hat - und diese Zahl täglich um rund 15'000 anwächst. Das Interesse des Publikums ist ebenfalls schnell erklärt: Wo sonst erhält man derart intime Einblicke in den Alltag seines Idols? Und kann ihm erst noch antworten?

Fest steht: Hollywood-Stars eröffnen derzeit massenweise Twitter-Accounts. Die Top 10 der meistgelesenen Twitter-User, die noch vor wenigen Monaten fast ausschliesslich von Informatik-Nerds besetzt war, besteht heute zu 40% aus Celebrities wie Britney Spears oder Shaquille O'Neal. Und auch die darauffolgenden Plätze sind mit Coldplay, MC Hammer oder Sarah Bareilles von Stars und Sternchen durchsetzt. Klar, es ist nur schwer zu überprüfen, ob die Nachrichten auch immer tatsächlich vom Promi selber stammen, oder ob der Twitter-Auftritt Teil eines ganzheitlichen PR-Auftrittes ist. Im Falle von Lindsay Lohan dürfte aber ganz sicher kein Management dahinter stecken.

Der VIP-Twitter-Trend wird auf TwitVIP eindrücklich dokumentiert. Hier sieht man ein Verzeichnis aller Stars auf Twitter mitsamt der Nachrichten, die sie in den digitalen Äther senden. Eine Informations-Goldgrube für den gemeinen Gala-Leser.

Übrigens: Der Twitter-Account von Lindsay Lohan wurde nach ihrer Tirade gesperrt.