Urbane Legenden

08. Oktober 2009 10:45; Akt: 08.10.2009 11:02 Print

Das Dorf der tausend wilden LesbenDas Dorf der tausend wilden Lesben

In Schweden steht ein von einer verbitterten Frau gegründetes Dorf, in dem 25 000 sexbesessene Lesben leben. Männer haben dort keinen Zutritt, sagt eine chinesische Legende, die dem skandinavischen Land vermehrt Anfragen aus dem Reich der Mitte beschert.

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Das berühmte «letzte Foto» vom Dach der Twin Towers. Nur schon wegen der Winterbekleidung eine Fälschung. Unmittelbar nach den Attentaten vom 11. September 2001 kursierten E-Mails mit Prophezeiungen des französischen Physikers Nostradamus. Allesamt Enten. Die «Zitate» wurden zusammengeflickt, um besser zur Aktualität zu passen. Parallel zu den falschen Nostradamus-Zitaten wurden Internet-User auch aufgefordert, «Gesichter» in den Explosionswolken zu erkennen. Den Gegentest kennen Sie aus Kindertagen: Im Sommer legen Sie sich auf den Rücken, schauen in die Wolken. Wer als erster ein Gesicht sieht, hat gewonnen! Hier das Gesicht Satans. Hier eine offensichtliche Fälschung. Die Flugnummer Q33NY: «Gib diese Flugnummer in Word ein, stelle eine grosse Schriftgrösse ein (z.B. 48), markiere die Flugnummer und wechsle die Schriftart auf Wingdings» (Zitat). Oben das Resultat. Nur, dass keiner der vier Todesflüge diese Nummer hatte. Weiter wurde spekuliert, die Ziffernkombination hätte etwas mit der New Yorker Buslinie Q33 zu tun. Aber erwiesenermassen war es nicht ein Bus, der in die Twin Towers gerast ist. Die Schriftsatz-Verschwörungstheorie ist freilich viel älter. Bereits Anfang der Neunzigerjahre kam Microsoft unter Beschuss, weil der Wingdings-Font angeblich zum Mord an Juden in New York aufrief. Microsoft sprach von einem unglücklichen Zufall. Nichts dem Zufall überliessen die Schriftsetzer des einige Jahre später entwickelten Webdings ... ... und so liest sich übrigens «MILLENIUM» in Wingdings. Diese Bildmitteilung ging ein paar Tage nach dem Attentat per SMS durch die Welt. Ob es tatsächlich aus Terroristenkreisen stammt, werden wir wohl nie erfahren. Viele E-Mail-Kettenbriefe behaupteten, die Fernsehbilder von jubelnden Palästinensern seien Archivaufnahmen aus dem Jahr 1991. Klingt verschwörungstechnisch gut. Stimmt aber nicht: Der brasilianische Student Marcio A.V. Carvalho hörte diese Geschichte von seiner Professorin. Diese habe entsprechende Videobänder. Seine Professorin konnte diese Videobänder jedoch nicht vorlegen. Der Student entschuldigte sich öffentlich. Tatsächlich wurden die Bilder von einer Reuters-TV-Crew am 11. September in Ostjerusalem gedreht. Zur Abwechslung etwas Wahres: Tatsächlich plante die HipHop-Band «The Coup» eine CD, deren Cover die explodierenden Türme des WTC zeigen sollte. Das Layout war weit vor dem 11. September gestaltet worden. Der Entwurf konnte im Internet betrachtet werden. Ein Aufruf ging am Tag nach der Katastrophe per E-Mail quer durch die USA: Man solle mit einer Wachskerze um 22.30 Uhr nach draussen gehen, damit ein Satellitenfoto geschossen werden könne. Oben ein richtiges Satellitenfoto - Kerzenlicht wäre wohl kaum erkennbar, oder? Urbane Mythen sind ein Dauerbrenner. Immer wieder beliebt sind Geschichten über Promis, die in Wahrheit nicht tot sein sollen. Selbstverständlich gibt es dafür Beweise. Links unten Elvis Presley 1997 bei einem Hockey-Match. Elvis bietet wunderbare Projektionsfläche für Verschwörungstheoretiker. So sollen anhand seines Besuchs im Weissen Haus 1971 Verbindungen zur CIA geknüpft worden sein. Dies um sein späteres Verschwinden in die Anonymität zu ermöglichen. Die Wahrheit ist lapidar: Elvis sammelte Polizeidienstmarken. Präsident Nixon präsentierte ihm als Geschenk die Dienstmarke der Bundespolizei FBI. Ein Gesicht auf dem Mars. Zweifelslos Zeugnis einer Zivilisation von Marsbewohnern. Oder doch nur eine zufällige Felsformation? Wenn schon, denn schon: Liebesgrüsse vom Mars. Manchmal werden ganze Websites bewusst als Hoaxes inszeniert. www.bonsaikitten.com behauptet, eine Methode gefunden zu haben, wie man junge Kätzchen in Einmachgläsern aufbewahren kann. Tausende Tierschützer gingen auf die Barrikaden. Sogar den US-Tierschutz wurde auf den Plan gerufen. Falscher Alarm - kein Kätzchen kam während der Herstellung der Site zu Schaden. Einer der schönsten Hoaxes aus der Welt von PC und Internet: Unter einem starken Mikroskop betrachtet, findet man auf einem Pentium-Chip die Losung «Bill Sux». Leider zu schön, um wahr zu sein.

Die Diashow: Urban Legends

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Urbane Legenden fesseln seit Jahrzehnten, ja, Jahrhunderten die, die an sie glauben. Die mit der Yukka-Palme importierte Vogelspinne oder das Krokodil in der Kanalisation sind Klassiker aus dieser Kategorie. Ein bisher im Westen weniger bekanntes Gerücht macht derzeit in China die Runde – und beschert damit Schweden ungeahntes Interesse aus dem Reich der Mitte. Der Grund dafür ist das Städtchen «Chako Paul City».

Die Stadt der Frauen

Das wurde in Schweden von einer Männer hassenden, reichen Witwe gegründet, besagt die chinesische Legende. 1820 sei das bereits gewesen, die Nachfahren der Witwe seien alle blond und würden die Stadt vor neugierigen Männern bewachen. Wenn es ein Kerl dennoch wagt, würde er von der Feministischen Polizei «halb zu Tode geschlagen», zitiert die schwedische Zeitung «The Local».

Die Geschichte von «Chako Paul City» verbreitete sich über das World Wide Web in China in Windeseile und auch wenn ein Schweden-Urlaub für den gemeinen Volksgenossen nicht so ohne weiteres machbar ist, recherchierten Interessierte im Internet. Tourismusexperten aus Schweden werden jedoch stetig mit Nachfragen nach der mysteriösen Lesbenstadt konfrontiert.

Seit 150 Jahren geheim?

«Ich habe keine Ahnung, wo das herkommt, aber es ist nicht wahr», stellt Sprecher Claes Bertilson gegenüber der «The Local» klar. «Es ist schwer zu glauben, dass man so etwas für über 150 Jahre geheim halten kann.» Laut Legende arbeiten die meisten Frauen der imaginären Stadt in der Holzindustrie. Wenn Frauen die Stadt verlassen und zurückkehren wollten, müssten sie verschiedene Untersuchungen über sich ergehen lassen, heisst es.

Auch wenn diejenigen Chinesen, die die Mär glauben, ohnehin niemals nach Schweden fahren könnten oder dürften – eines kann die dortige Regierung nicht verbieten. Träumen wird ja wohl noch erlaubt sein – von dem Dorf der wilden, blonden Amazonen …

(phi)