Debatte

17. September 2010 00:00; Akt: 03.03.2011 11:13 Print

Schüler brauchen Erfahrung mit PornosSchüler brauchen Erfahrung mit Pornos

von Bruno Wermuth - Die Forderung der Juso, Kindern im Aufklärungsunterricht Pornos zu zeigen, löst Empörung aus. Aber eigentlich geht die Idee nicht weit genug.

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Pornofilme an Schweizer Schulen - bald Realität? (Bild: Colourbox.com)

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Geht es nach dem Willen der Schweizer Jungsozialistinnen und -sozialisten, werden an Schweizer Schulen im Sexualkundeunterricht schon bald Pornos gezeigt. Ziel der Aktion: Die Kinder sollen lernen, zwischen Realität und Fiktion zu unterscheiden. Die Forderung schlägt hohe Wellen. Gegner sehen das Kindswohl gefährdet und ein Vertreter des Lehrerverbands spricht sogar von Nötigung. Nur: Wo bitte ist das Problem?

Jugendliche suchen gezeigten Sex und finden Pornos

Dass Kinder und Jugendliche über das Internet ungehindert mit Pornografie in Kontakt kommen können, wird heute wohl niemand mehr ernsthaft bestreiten. Wer glaubt, dass dies nur zufällig geschieht, irrt sich. Hauptgründe, warum Jugendliche und insbesondere Buben sich im Netz auf die Suche nach Sex machen, sind Wissensdurst und Neugier. Dort finden sie aber nicht harmlose Darstellungen von Sexualität, sondern Pornografie in allen Schattierungen.

Schuld daran sind verklemmte Erwachsene. Statt sich ernsthaft mit den Fakten auseinanderzusetzen, verwenden diese ihre Energie lieber darauf, sicherere Internet-Filter und eine Rückkehr zu eindeutigen moralischen Werten zu fordern. Mit ihrer romantischen Vorstellung einer behüteten Kindheit verunmöglichen sie auch fast fünfzig Jahre nach der sexuellen Revolution, dass Jugendliche im Sexualkundeunterricht sehen dürfen, wie Sex geht. Damit zwingen sie sie geradezu, ihre Bedürfnisse im Netz zu stillen.

Zuerst sind jetzt die Erwachsenen gefordert

Hier setzt die Forderung der Juso an. Sie geht zwar in die richtige Richtung, greift aber letztlich zu kurz. Pornos zu thematisieren, auch wenn dazu Bildmaterial verwendet wird, genügt nicht. Es braucht Lehrmittel in Form von Filmen und Bildern, die Sex und die Rollen von Mann und Frau dabei in einer angemesseneren Form zeigen, als dies in Pornos der Fall ist.

Dadurch kann einem Teil der Kinder die Suche im Internet erspart werden. Und diejenigen, die trotzdem Pornos schauen, erhalten Möglichkeiten, die pornografische Fi(c)ktion besser von der sexuellen Realität zu unterscheiden. Es braucht aber auch eine Medienpädagogik, die Kompetenzen im Umgang mit Pornografie vermittelt. Dazu gehört beispielsweise die Fähigkeit, sich in der Flut von Angeboten zurechtzufinden oder sich Hilfe zu holen, wenn man überfordert ist.

Zuerst sind jetzt aber die Erwachsenen gefordert. Sie müssen ihre rosarote Brille ablegen und sich der Realität stellen.

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  • Natanael am 19.09.2010 23:53 Report Diesen Beitrag melden

    Wo bleibt die Moral?

    Kann ja wohl nicht sein, es töhnt ja gerade so wie alle Kinder auf Internet Pornos schauen würden. Ich kann Euch versichern, es gibt noch Normale Kids. Die haben mehr Identität als viele Erwachsene. Was soll geschehn wenn einige Kinder diesen Mist nicht sehen wollen. Bekommen sie da schlechte Noten? Pornos allgemein kann es ja nicht sein oder!!!!

  • anonym am 19.09.2010 22:00 Report Diesen Beitrag melden

    @sebastian

    Dein Beitrag ist ja so etwas von Sinnlos, ab welchem Alter ist ein Mensch für dich Reif genug um Sex zu haben? Heutzutage ist es völlig normal das 15 jährige Jugendliche fast jedes Wochenende Sex haben.

  • Alexander Eberle am 17.09.2010 21:32 Report Diesen Beitrag melden

    Selbstverschuldete Unmündigkeit

    Sex wurde jahrhunderte Lang, nicht zuletzt aus religiöse Motiven, tabuisiert. Diese Haltung, gegenüber einem völlig natürlichen Trieb, nämlich die Lust auf das Gegenüber oder sich selbst, sitzt noch immer tief im Bewusstsein vieler Menschen, und endet darin, dass etwas Schönes kriminalisiert und pervertiert wird. Es wird langsam Zeit, der Realität ins Augen zu sehen: Der Mensch ist ein Lustwesen und das nicht erst mit 16. Pornos sind nur die Spitze des Eisberges. Je früher wir in der Kindheit mit Sexualität einen natürlichen Umgang erlernen, desto mehr Schaden kann vermieden werden.