Jahresrückblick: Platz 1

12. Dezember 2007 19:00; Akt: 12.12.2007 19:14 Print

No Stress!No Stress!

Er spielte im Film «Breakout» mit, brachte das Album «Renaissance» heraus, erhielt dafür Platin, legte sich mit der SVP an, ging auf Tour und machte Melanie Winiger einen Heiratsantrag. Irgendwas vergessen?

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Stress, du guckst immer so ernst. Dabei hättest du doch allen Grund zur Freude.
Stress: (Lacht) Ich bin gar nicht so ernst, wie immer alle glauben. Ich mach eigentlich total gern Scheiss …

Kannst du gut Witze erzählen?
Stress: Nein. Aber ich kann ganz gut Blödsinn reden. Wir hatten während der Tour jemanden dabei, der uns den ganzen Sommer lang gefilmt hat. Das meiste konnte man gar nicht gebrauchen, weil wir soviel Mist gemacht haben. Aber mal ehrlich, es kann schon sein, dass ich ernst rüberkomme. Ich bin einfach höflich, und damit baue ich Distanz auf – ich muss nicht jedermanns Buddy sein. Die andere Seite kennen meine Freunde und meine Familie.

Wie bist du sonst mit dem grossen Medieninteresse an deiner Person in diesem Jahr umgegangen?
Stress: Ich habe nicht damit gerechnet, dass es so krass werden würde. Aber ich habe auch gelernt, mir nichts mehr daraus zu machen. Als der erste irrelevante Artikel über mich geschrieben wurde – das war vor etwa drei Jahren, als ich mit Melanie zusammenkam –, bin ich vor meinem Manager noch total ausgerastet. Aber seitdem sag ich mir: akzeptieren. Vergessen. Wenn das der Preis dafür ist, mit meinem Leben ansonsten glücklich zu sein, dann ist das okay.

Der Rummel hat dir also gar nichts ausgemacht?
Stress: Na ja, als ich gelesen habe, was SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli in der Weltwoche über mich geschrieben hat, hat mich das schon aufgeregt.

Was hast du daraus gelernt?
Stress: Dass man trotzdem da rausgehen muss, um seine Meinung zu sagen. Man darf keine Angst haben, sich mit diesen Leuten anzulegen. Und ich habe gelernt, auf mich selbst zu hören. Ich bin der einzige, der wirklich weiss, was abgeht, weil ich mittendrin stecke. Dein Umfeld hat oft eine komplett andere Wahrnehmung – und das macht es dann nur noch schlimmer.

Welches war der wichtigste Moment für dich in diesem Jahr?
Stress: Es gibt keinen. Es war das Gesamtpaket. Ich meine, guck mal, wo ich heute stehe! Ich habe 50 000 Alben verkauft, drehte den Spot in Kasachstan, war auf Tour … das waren alles wichtige Momente. Ich muss echt den Fans danken, die zu meinen Konzerten gekommen sind. Am Ende des Jahres haben wir mehr als 50 Shows in der Schweiz gespielt. Und fast alle waren ausverkauft. Ich hätte es nicht besser erwarten können …

Erfolg scheint dir sehr wichtig zu sein.
Stress: Ach, mir ist einfach wichtig, tun zu können, was ich möchte, freie Entscheidungen zu fällen. Ich bin an einem Punkt, an dem ich mir aussuchen kann, was ich machen will. Das ist Luxus.

Du hast einen Werbedeal mit Nokia und Coop, Nike sponsort dich. Geld scheint also auch eine Rolle zu spielen …
Stress: (Langes Schweigen). Das muss ich formulieren. (Pause). Ich mag kein Geld. Ich hab ein Business-Team, das alles für mich erledigt. Aber ich brauch auch nicht viel – für mich ist es einfach cool, wenn ich nicht darüber nachdenken muss.

Du gibst nicht mehr Kohle aus als früher?
Stress: Ich lade vielleicht meine Freundin öfters ins Restaurant ein. Aber hör mal, das ist doch nicht wichtig! Heute bin ich verdammt frustriert, weil ich gestern aus Paris zurückkam. Wir waren im Studio – und es ist nicht so gelaufen, wie ich es mir vorgestellt hatte. Und das macht mich dann so was von wütend. Und zwar für den Rest der Woche, weil ich das Ding lösen will. Darum gehts in meinem Leben: um Musik!


Interview Kerstin Netsch