06. April 2006 03:40; Akt: 05.04.2006 20:52 Print

Traumjob ModelTraumjob Model

Viele Mädchen träumen davon, als Model bekannt zu werden. Wie der Job in Wirklichkeit aussieht, wissen allerdings die wenigsten.

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Models sind cool. Sie verdienen viel Geld. Sie dürfen die Freundinnen von Rockstars und Schauspielern sein. Sie leben in New York, Paris oder Mailand. Sie jetten um die Welt. Sie werden von allen bewundert. Und weil viele Mädchen glauben, dass das Leben eines Models tatsächlich so aussieht, steht der Job auf ihrer Liste der Traumberufe ganz oben. Noemi Stähl (18) aus Zürich und Michèle Muhl (18) aus Schaffhausen träumen ebenfalls von einer Karriere als Model. Sie sind zu Gast auf einer besonderen Party: «Dress up! The wildest cats will be casted, styled and photographed …» forderte der Flyer.

Zusammen mit dem Kaufleuten organisierte das Frauenmagazin «Annabelle» ein Modeshooting. Noemi und Michèle haben bereits im Voraus Bilder von sich eingeschickt und sind ihrem Modeltraum ein wenig näher gekommen: Gemeinsam mit den anderen Mädchen, die bei der Fashion-Victim-Party ausgeguckt wurden, dürfen sie für das Shooting posieren.

Noemi und Michèle sind beide knapp über 1,70 Meter gross – für ein Model eigentlich zu klein. Noemi sieht aber selbstbewusst darüber hinweg: «Demnächst gehe ich nach Paris und hoffe, dort als Model arbeiten zu können. Toll wäre es, wenn ich irgendwann mal auf den Titel eines Magazins kommen könnte.» Warum sie Model werden will? «Weil ich gerne vor der Kamera stehe. Mir haben schon viele Leute gesagt, ich sei fotogen.»

Michèle hat sich für das Shooting umgezogen. Sie trägt einen hautengen Rock und eine steife Corsage. Drei Stylistinnen fummeln an ihr herum, damit alles richtig sitzt. «Ich verwandle mich gerne. Und als Model reist man viel», meint sie, und «ja, ein bisschen prominent sein und bewundert werden, das ist ja schon irgendwie schön.» Auf den Highheels, die ihr die Stylistinnen um die Füsse geschlungen haben, bewegt sie sich noch ein wenig unsicher. «Ich glaub, ich genehmige mir vor dem Shooting ein kleines Gläschen Prosecco.» Demnächst möchte sich Michèle bei verschiedenen Modelagenturen melden.

Denise Rombouts (19) aus Schaffhausen hat geschafft, wovon Noemi und Michèle noch träumen. Sie hat in Paris für Piaget gemodelt, in Mailand für Laura Biagiotti. Sie war in der deutschen «Vogue» und auf dem Cover des koreanischen «Harper’s Bazaar». Mit ihren 1,82 Metern misst sie das, was auf dem Modelmarkt gerade Trend ist. «Als ich Denise zum ersten Mal sah, wusste ich, dass sie das Zeug dazu hat, ein internationales Model zu werden», erzählt Zineta Blank, die Denise vor zwei Jahren für ihre Agentur Visage unter Vertrag genommen hat. «Ihre Grösse ist optimal, und ihr Gesicht erinnert an das der jungen Romy Schneider.»

Welche Mädchen bei ihr eine Chance haben oder eben nicht, weiss Zineta Blank genau: «Ich finde es problematisch, wenn etwa ein Mädchen zu mir kommt und sagt: ‹Ich möchte Topmodel werden.› Mit solch einem vorgefertigten Bild im Kopf klappt es selten. Topmodel wird man nicht von heute auf morgen, das dauert lange. Und so ein Mädchen wird in der Regel nicht die Geduld haben, durchzuhalten.»

Am liebsten entdeckt Zineta Blank ihre Mädchen selbst. Auf der Strasse, in Cafés, im Tram. «Oft sind es die Stillen, Schüchternen – Mädchen, die sich selbst gar nicht bewusst darüber sind, wie hübsch sie sind. Solche Frauen kann ich dann langsam aufbauen.»

Denise wurde mit 14 das erste Mal von einem Agenten auf der Strasse angesprochen. «Das hat mich damals aber noch nicht interessiert. Ich wollte Kranken-schwester werden. Aber die Leute sind immer wieder auf mich zugekommen.»

Eine befreundete Designerin fragte Denise, ob sie nicht auf ihrer Modeschau laufen möchte. Dort traf sie dann auf eine Visagistin, die mit Zineta Blank zusammenarbeitet. Sofort erkannte sie das Potenzial von Denise und schickte sie in die Agentur. Danach ging alles ganz schnell. Zineta Blank nahm sie mit nach New York, da sie noch die Meinung anderer Agenten hören wollte. Die rissen sich um das Mädchen. So sehr, dass Zineta irgendwann ihr Handy ausschalten musste. «In diesem Moment habe ich zum ersten Mal gemerkt, dass ich mit meinem Aussehen wirklich Geld verdienen kann», erzählt Denise.

Ihren Job als Model macht sie gerne. Klar, die Reisen, die Welt sehen, all die schönen Kleider … Aber Denise weiss auch, wie anstrengend dieses Leben ist. Wenn sie bei eisiger Kälte in Bademode oder bei grosser Hitze an einem Strand in Winterklamotten posieren muss. Wenn sie stundenlang in Highheels herumstehen muss. Oder wenn sie Sport machen muss und eigentlich keine Lust dazu hat. Doch das gehört zum Job. Ihr erstes Shooting dauerte 18 Stunden. «Ohne zu murren hat sie durchgehalten und uns gezeigt, dass sie wirklich Disziplin hat», so Zineta Blank.

Heute verdient Denise zwischen 4000 und 6000 Franken pro Job. Das ist schon sehr gut – denn entgegen der weit verbreiteten Annahme, dass Models Hunderttausende von Franken verdienen, liegen die Gagen oft deutlich darunter. Ein durchschnittliches Model verdient sein Geld mit Showroom-Jobs – es führt den Kunden und Einkäufern die Kollektionen der Modehersteller vor. Oder mit Fittings, bei denen firmeninterne Stücke an den Models ausprobiert werden. Dafür bekommen sie rund 500 Franken. Für Fotostrecken in Mode- und Lifestyle-Magazinen gibt es für Anfängerinnen oft weniger als 500 Franken pro Tag. Hier zählt vor allem das Prestige, in einem angesehenen Heft abgebildet zu werden.

Nur die wenigsten schaffen es, international Karriere zu machen wie das Schweizer Model Nadine Strittmatter oder die Newcomerin Patricia Schmid, die von Star-Fotograf Mario Testino für das Cover der französischen «Vogue» fotografiert wurde. Wie es aussieht, wird Denise demnächst genauso gefragt sein.

Internationale Magazine wie «Glamour», «W» und sogar die «Financial Times» haben sie gebucht. Das Beste, was ihr passieren könnte, wäre, eine Kampagne an Land zu ziehen – Gucci, Dior, Versace oder Chanel. Davon träumen alle Models. Doch ihre Agentin bleibt realistisch: «Das Business ist hart geworden. Heute müssen sich die Mädchen gegen Schauspielerinnen wie Uma Thurman, Julia Roberts oder Nicole Kidman durchsetzen. Immer häufiger sind sie die Gesichter der Titelblätter und grossen Kampagnen.»

Text: Kerstin Netsch
Fotos: Nicolas Y. Aebi

Das Fashion Victim Shooting erscheint am 12. April in der «annabelle».