Gastro grotesk

20. Februar 2012 12:24; Akt: 20.02.2012 15:41 Print

Stirb langsam - mit Donut-Burger und Speck-SalatStirb langsam - mit Donut-Burger und Speck-Salat

von Oliver Baroni - Ein Triple-Bypass-Burger gefällig? Oder panierte und frittierte Zucker-Speckscheiben? Vorbei die Zeiten des Fitnesswahns! Heute haben Frittier-Orgien und Zuckerbomben Hochkonjunktur.

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Am 16. Februar 2012 machte die Nachricht die Runde, im Heart Attack Grill in Las Vegas habe ein Gast nach Verzehr eines ‹Triple Bypass Burgers› . Was sich nach einem makaberen Werbegag anhörte (die Serviertöchter des Grills werden ‹Krankenschwester› genannt), war leider bitterer Ernst. Der Restaurantbesucher musste hospitalisiert werden. Wie es dem Burger-Patienten geht, ist aufgrund des Arztgeheimnisses noch nicht bekannt. Dabei ass der 40-jährige Herr ‹nur› einen Triple Bypass Burger. Den vierfachen Bypass (Bild) gäbe es nämlich auch noch. Derweil schaffte es der 38-jährige Robert Pinto als Erster, den vier Kilo schweren Kidz Breakfast vom Jesters Diner im Ostenglischen Great Yarmouth ganz zu verspeisen. Dies notabene in weniger als 30 Minuten. Das Riesen-Frühstück enthält zwölf Scheiben Speck, zwölf Würstchen, sechs Eier ... ... und jede Menge Toast, Baked Beans, Black Pudding, grillierte Champagnons und Tomaten. Mehr als 6000 Kalorien enthält das Gericht, das mit einer ärztlichen Warnung versehen ist. Robert hats geschafft! In den USA ist Paula Deen eine der beliebtesten TV-Köche. Sie machte vor einem Monat . Dass die füllige Südstaatlerin, die seit Jahren üppigste Butterküche predigt, infolgedessen an Zuckerkrankheit leidet, erstaunt wenig. Dass sie die Diagnose jahrelang verschwieg (genau so lange nämlich, wie es brauchte, einen Sponsorendeal mit einem Diabetes-Medikamenten-Hersteller zu sichern), ist skandalös. Dies zumal sie in dieser Zeit weiterhin behauptete, ihre Kalorienbomben-Rezepte seien gesund. Echte Kerle essen Deftiges! Und niemand deftiger als die Jungs von , einer der erfolgreichsten YouTube-Shows der Welt. «Bacon is our God» ist der Slogan, haarsträubend sind die Rezepte: Speck in Zucker gewendet, paniert und frittiert! Jippie! Eine Wachtel in einem Hühnchen in einer Ente in einem Truthahn in einem Schwein ... paniert und frittiert (Bild). Eine ‹Fast Food Pizza›, in der ein Kentucky Fried Chicken Popcorn Chicken, ein Taco, ein McDonald's Big Mac, Chicken-Nuggets, ein Wendy's Baconator, Pommes Frites, ein Bacon Cheeseburger, Zwiebelringe und eine Käsepizza enthalten ist. Das Ganze wird mit reichlich Jack Daniels runtergespült. Die meisten von uns mögen ja Sachen wie Hamburger, Speck und Eier. Oder Donuts und Honig. Doch ist der ‹Lady Burger›, bei dem das Hacktätschli zusammen mit einem Spiegelei, Speck und Honig zwischen zwei Zuckerguss-Donuts steckt, wirklich lecker? Nach Meinung von Paula Deen durchaus. Und wenn man daran krank wird, kann man ihre Diabetes-Medis gleich noch dazu kaufen.

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Unlängst machte die Nachricht die Runde, im «Heart Attack Grill» in Las Vegas habe ein Gast nach dem Verzehr eines ‹Triple Bypass Burgers› einen Herzinfarkt erlitten. Was sich nach einem makaberen Werbegag anhört, ist leider bitterer Ernst. Der Restaurantbesucher musste hospitalisiert werden. Wie es dem Burger-Patienten geht, ist aufgrund des Arztgeheimnisses noch nicht bekannt.

Laut einer thematisch verwandten Meldung schaffte es der 38-jährige Engländer Robert Pinto als Erster, den vier Kilo schweren Kidz Breakfast vom «Jesters Diner» im Ostenglischen Great Yarmouth ganz zu verspeisen – dies notabene in weniger als 30 Minuten. Das Riesen-Frühstück enthält zwölf Scheiben Speck, zwölf Würstchen, sechs Eier und jede Menge Toast, Baked Beans, Black Pudding, grillierte Champignons und Tomaten. Mehr als 6000 Kalorien enthält das Gericht, das mit einer ärztlichen Warnung versehen ist.

In den USA ist Paula Deen eine der beliebtesten TV-Köche. Sie machte vor einem Monat Schlagzeilen, als sie ihre Diabetes-2-Erkrankung publik machte. Dass die füllige Südstaatlerin, die seit Jahren üppigste Butterküche predigt, zuckerkrank ist, erstaunt wenig. Dass sie die Diagnose jahrelang verschwieg (genauso lange nämlich, wie es brauchte, um sich einen Sponsorendeal mit einem Diabetes-Medikamenten-Hersteller zu sichern), ist hingegen skandalös. Zumal sie in dieser Zeit weiterhin behauptete, ihre Kalorienbomben-Rezepte seien gesund.

Was geht hier ab?

Eine wahre Feier der ungesunden Ernährung scheint hier vonstatten zu gehen – und dies in einer Zeit, in der sich nun wirklich der Hinterste und Letzte der Gefahren einseitiger Ernährung bewusst ist. Nun folgt der Backlash: Fetttriefende Kalorienorgien sind die Replik auf die jahrelangen Predigten der Gesundheitsapostel.

«Comfort food» – Trostessen – nennt man dies. Denn: Gesundheit ist ein Luxus. In Zeiten von Hochkonjunktur und Wohlstand wird auf die Linie geachtet, sind die Yogakurse ausgebucht, werden Vollkorncerealien gemampft. Kriselt die Wirtschaft, decken sich die Leute mit Junkfood und Zigaretten ein. Der joggende Esoteriker verwandelt sich in einen hedonistischen Fatalisten.

Kentucky-Fried-Pizza-Pommes

Genau dort setzen Paula Deen und ihre Kollegen vom «Heart Attack Grill» oder dem «Jesters Diner» an: Genug von politischer Korrektheit! Echte Kerle essen Deftiges! Und niemand deftiger als die Jungs von «Epic Meal Time», einer der erfolgreichsten YouTube-Shows der Welt. «Bacon is our God» ist der Slogan, haarsträubend die Rezepte: Speck in Zucker gewendet, paniert und frittiert! Jippie! Eine Wachtel in einem Hühnchen in einer Ente in einem Truthahn in einem Schwein … paniert und frittiert. Eine ‹Fast Food Pizza›, in der ein Kentucky Fried Chicken Popcorn Chicken, ein Taco, ein McDonald's Big Mac, Chicken-Nuggets, ein Wendy's Baconator, Pommes frites, ein Bacon Cheeseburger, Zwiebelringe und eine Käsepizza enthalten ist. Das Ganze wird mit reichlich Jack Daniels runtergespült.

Krisenbedingte Belohnungspsychologie? Durchaus. Aber auch jene uramerikanische Logik, dass eine Vervielfachung von etwas Gutem unweigerlich auch eine Verbesserung darstellt. Jedem französischen Chef ist sonnenklar, dass, obwohl die lardons dans la salade délicieux sind, daraus nicht zwingend folgt, dass ein Salat, der nur aus Speck besteht, besser schmecken würde. Da ticken die «Epic Meal Time»-Jungs oder Paula Deen anders.

Mix'n'Match

Die meisten von uns mögen ja Sachen wie Hamburger, Speck und Eier. Oder Donuts und Honig. Doch ist der ‹Lady Burger›, bei dem das Hacktätschli zusammen mit einem Spiegelei, Speck und Honig zwischen zwei Zuckerguss-Donuts steckt, wirklich lecker? Nach Meinung von Paula Deen durchaus. Und wenn man davon krank wird, kann man ihre Diabetes-Medis gleich noch dazu kaufen.

Video: «Epic Meal Time» - Saufgelage zum Frühstück

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  • M.F. am 21.02.2012 05:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die andere Seite

    Das ist die "un"logische Konsequenz vom Fitness- und Schlankheitswahn. Es gibt immer 2 Seiten. Aber andererseits übertreiben die Amis schon jedesmal.

  • specky am 21.02.2012 01:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wie im alten rom

    im alten rom gab es auch eine sehr übertrieben esskultur. jede grossmacht geht mal unter.

  • Fruchtmus am 20.02.2012 20:06 Report Diesen Beitrag melden

    Mir wird schlecht

    schon nur beim Zuschauen. Wenn man sich das nie angewöhnt hat, so fettig und viel auf einmal zu essen, wirkt das (zum Glück für die eigene Gesundheit) abstossend

    • Yeppie am 21.02.2012 10:13 Report Diesen Beitrag melden

      Nichts beizüfügen..

      Dem schliess ich mich vollumfänglich an...perfekt auf den Punkt gebracht..;-)

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