Fall 1

06. Oktober 2009 21:08; Akt: 13.10.2009 10:17 Print

Marianne: Lässt sich von Männern benutzenMarianne: Lässt sich von Männern benutzen

von Olaf Kunz - «Je mehr ich gedemütigt, benutzt und geschlagen werde, umso besser geht es mir.» Doch davon ahnt sie viele Jahre nichts, bis ein Fremder sie schrittweise an ein Leben als Sexsklavin heranführt.

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In Lack und Leder verschnürt, mit Highheels an den Füssen und tätowiert – so oder ähnlich sieht die weit verbreitete Klischeevorstellung einer Sexsklavin aus. Nichts von alledem trifft auf Marianne (Name von der Redaktion geändert) zu. Die quirlige 34-Jährige läuft weder auf Stöckelschuhen durch die Gegend, noch trägt sie im Alltag Röcke, die gerade mal knapp über den Hintern gehen. Auch in Sachen Tattoos oder Piercings muss sie passen. Dennoch sagt sie von sich selbst: «Ich stehe auf Demütigung, Schmerz, Unterwerfung, auf Angstmomente, ausgeliefert sein, Belohnung durch den Orgasmus und darauf, bestimmte Regeln befolgen zu müssen.»

Nur noch SM-Beziehungen

Die im Berner Oberland lebende Hotelangestellte druckst um ihre Neigung nicht herum: «Meine besten Freunde wissen es und wenn ich jemanden kennen lerne mache ich es zum Thema, damit klar ist, was ich suche. Eine Beziehung ohne SM käme für mich nicht mehr in Frage», ergänzt sie in bestimmten Ton. Ein kurzes Lächeln huscht über ihr Gesicht. Doch schon eine Sekunde später schauen ihre braunen Augen wieder ganz ernst und lassen keinen Zweifel daran, dass sie meint, was sie sagt: «Ja, ich lasse mich von Männern benutzen.» Dass sie das einmal von sich sagen würde, hätte sie sich noch vor zwei Jahren in ihren kühnsten Träumen nicht vorstellen können.

«Ich will Sklavin sein»

Eher durch Zufall ist sie im Internet auf Rainer gestossen. Das war im November 2008. Über einen Monat lang haben sie gemailt, miteinander gechattet und telefoniert. Dann im Dezember haben sie sich das erste Mal getroffen. «Es war am Flughafen. Mein Bauchgefühl sagte 'Ja' und ich ging mit ihm nach Hause. Er hat wohl schon im Vorfeld meine tiefsten Sehnsüchte erkannt und mich Stück für Stück in die Welt des SM eingeführt. Schon bald ist mir bewusst geworden, dass ich wirklich maso veranlagt bin und eine Sklavin sein will. Je mehr ich benutzt, geschlagen, gedemütigt wurde, umso besser ging es mir.»

Keuschhaltung und Demut

Von «24/7» - so nennt man in SM-Kreisen das dauernde zur Verfügung stehen eines unterwürfigen Person für eine dominante - hält sie dennoch nichts. «Sklavin sein beinhaltet viele Facetten. Es wäre mir zu oberflächlich nur dafür da zu sein. Ich bin bereit sie zu sein - für einen Zeitraum, aber nicht für immer oder nur.» Darauf verzichten will sie aber nicht mehr. Sie braucht die Peitschenhiebe auf ihrem Hintern, die verbale Demütigung, die Abenteuer irgendwo in der Natur oder in der Öffentlichkeit und die Regeln, wie zum Beispiel das Verbot, es sich selbst zu machen ohne Erlaubnis oder für zu spät kommen nackt vor ihrem Herrn zu knien. «Es gehört zu meinem Leben und ich möchte nicht mehr darauf verzichten. Warum auch?»

     Marianne: Lässt sich von Männern benutzen

     Andreas: Demütigt gerne Frauen

     Luna: Hat einen Sklavenvertrag

     Patrick: Mal Hündchen, mal Dompteur

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