Kostümierte Aktivisten

20. Februar 2012 18:01; Akt: 19.03.2012 21:05 Print

Die Superhelden des AlltagsDie Superhelden des Alltags

Batman, Spiderman & Co. gibts nicht? Gibts doch: Sie heissen DC Guardian oder Knight Vigil. Nachts patroullieren die maskierten Aktivisten durch Amerikas Strassen, um für Recht und Ordnung zu sorgen.

Bildstrecke im Grossformat »
«Mr. Xtreme» aus dem kalifornischen San Diego kämpft seit zehn Jahren gegen Verbrechen - auch, weil er in seiner Jugend selbst Opfer von Übergriffen wurde. Gangmitglieder verprügelten ihn, in der Schule wurde er gedisst und von einem Familienfreund sogar sexuell missbraucht. «Ich wollte etwas positives, heldenhaftes machen und gleichzeitig gegen die Gleichgültigkeit in unserer Gesellschaft protestieren», sagt er. Deswegen gründete er die «Extreme Justice League». Zusammen mit gleichgesinnten Superhelden geht er in San Diego auf Streife, versucht freiwillige Helfer für die Nachbarschaft zu animieren, und versucht die Stadt gesamthaft sauberer und sicherer zu machen. Dieser Mann nennt sich «Geist». Sein Revier ist Minnesota, und der Superheld konzentriert seine Bemühungen auf jene, die es am nötigsten haben; die Opfer von Tragödien und Obdachlose. Er engagiert sich in non-politischen lokalen Hilfsorganisationen. «Geist» kommt und verschwindet so lautlos, wie es sein Name nahelegt. «Wenn ich zu lang bleibe, werde ich uninteressant», sagt er. Und: «Ich bin einfach ein Typ, der versucht Gutes zu tun.» Er widmet auch einen beträchtlichen Teil seiner Zeit darauf, der Polizei unter die Arme zu greifen und nachts durch die Strassen zu patroullieren. Captain America ist sein grosses Vorbild. «DC Guardian» wuchs in den Zeiten des Vietnamkriegs auf und und bekam hautnah mit, dass Amerikas Freiheit nicht ohne einen Preis kommt. Seine Uniform bedeckt jeden Zentimeter seines Körpers, denn er möchte, dass sich jeder in ihm sehen kann - Weisse, Latinos, Afro-Amerikaner.«DC» ist in der amerikanischen Hauptstadt Washington unterwegs, wo er Taschenbücher der US-Verfassung und der Unabhängigkeitserklärung verteilt. Er will die Menschen so daran erinnern, dass sie als eine Nation auftreten sollen. Das ist «Vigilante Spider», zu deutsch die Spinne der Selbstjustiz. Trotz seines Namens betont er, dass er bei seinen Interventionen stets im Rahmen des Legalen bleibt. «Ich mache Leute darauf aufmerksam, wenn sie sich falsch verhalten. Meine Taktik beeinhaltet das Anschleichen, grelle Taschenlampen, und dort aufzutauchen, wo es die Menschen am wenigsten erwarten. Gewalt ist das absolut letzte Mittel», sagt er. «Vigilante Spider», der San Diego sein Zuhause nennt, ist seit elf Jahren Superheld aus Überzeugung. Dieser Superheld nennt sich schlicht «Super Hero». Der ehemalige Wrestler sorgt in Florida für Recht und Ordnung. Er patroulliert in seiner Nachbarschaft und hat es vor allem auf Drogen-Dealer abgesehen. Aufregend? Nicht immer. 99 Prozent des Jobs bestehe aus Langeweile, gibt der Superheld zu. Deswegen engagiert er sich neben seinen Strasseneinsätzen in diversen Hilfsprojekten. «Knight Vigil», der Superheld aus Tampa, Florida, hat seine Berufung von ganz oben bekommen. «Ich war schon immer in der Kirche engagiert und bekam eine Menge Fähigkeiten mit, um Gutes zu tun. In meinem Leben gab es viele Schwierigkieten, aber ich habe sie mit Hilfe meines Glaubens überwunden.» «Knight Vigil» setzt sich für die Kinder von illegalen Einwanderern ein, denen es an Essen und Kleidung mangelt. «Razor Hawk» aus Minneapolis ist ebenfalls ein Ex-Wrestler. Seinen Einstieg in den kostümierten Aktivismus fand er zunächst als Kostüm-Designer für seine Superhelden-Kollegen. Doch dann wollte er selbst aktiv werden. «Ich mache alles von Patrouille bis zur Spielzeug-Sammlung von bedürftigen Kindern. Ich denke meine grösste Stärke ist, dass ich immer ich selbst bleibe», sagt er. «Samaritan» lebt und rettet in New York City. Auf den Strassen der Metropole hat er sich dem Wohl der Kinder verschrieben. Vor allem dem Analphabetismus der Kleinsten hat er - selbst Vater von fünf Kinder - den Kampf angesagt. «Ragensi» ist in Los Angeles zu Hause. Dort ist er als paranormaler Ermittler bekannt und hat eine besonderen Platz im Superhelden-Universum inne. «Ich mache mir eigentlich gar nicht viel aus Comics», sagt er. In der Stadt der Engel untersucht er okkulte Phänomene und hilft Menschen, die Probleme à la «Poltergeist» haben. Diese junge Superheldin nennt sich «Nyx», nach der griechischen Göttin der Nacht. Wenn es dunkel wird, ist sie in New York City und New Jersey unterwegs. Stets mit einer roten Maske bekleidet, setzt sie sich für die vielen Obdachlosen New Yorks ein. Das macht sie sehr diskret: «Genauso wie die Nacht, hinterlasse ich keine Spuren, sobald es morgen wird.» Nie zu jung, ein Superheld zu sein. «Wer gehen kann, kann auch Gutes tun», bringt es «Soundwave» (links) auf den Punkt. Sein Bruder «Jetstorm» kann dem nur beipflichten. «Alle können etwas tun, nur Babies nicht», so der Knirps. Seit vier Jahren engagieren sich die Mini-Aktivisten schon und sind vor allem bei medizinischen Charities vorne mit dabei - sie wollen Menschen zum Blutspenden animieren und Geld für schwer kranke Kinder sammeln.

  • Artikel per Mail weiterempfehlen
Zum Thema
Fehler gesehen?
Fehler beheben!
Senden

Die Superhelden des echten Lebens wissen , dass es eigentlich kein Cape braucht, um Gutes zu tun. Aber seien wir mal ehrlich: Hat Ghandi mehr Facebook-Fans oder Captain America?

So dachte auch jene Gruppe maskierter Männer und Frauen, die sich lose im Verein «Real Life Super Heroes» organisiert haben. «Tue Gutes und sehe verdammt cool dabei aus» - so könnte die Devise der selbstlosen Retter aus den USA lauten, die ganz nebenbei ihre Kindheitsfantasien ausleben können. Wenn man sie so sieht in ihren Kostümen, Masken und Sonnenbrillen, könnte man sie als komische Käuze abtun. Aber die Realität ist, dass diese Superhelden im Gegensatz zu ihren Comic-Pendants echte Leben retten, und das jeden Tag. Sei es bei der Nachbarschafstwehr, beim Einsatz für Obdachlose und Drogenabhängige oder beim Geldsammeln für schwerkranke Kinder.

Rächer der stummen Opfer

Oft ist den Helden selbst Unrecht geschehen, und dies habe sie motiviert, sich für die Schwachen der Gesellschaft stark zu machen. «Mr. Xtreme» ist einer von ihnen. Er wurde als Kind sexuell missbraucht, geschlagen und in der Schule verspottet. Keiner hat ihn damals beschützt, und an diesem Kreuz trägt er noch immer schwer. Doch er hat seine Wut ins Positive verkehrt: Seit zehn Jahren ist er auf den Strassen San Diegos unterwegs, um die Dinge, die ihm als Junge widerfahren sind, zu verhindern. Als ehemaliges Opfer ist ihm vor allem die Gleichgültigkeit unserer Gesellschaft ein Dorn in der überdimensionalen Skibrille.

Deshalb gründete der Amerikaner die «Xtreme Justice League», die Verbrechen und Ungerechtigkeit im Raum San Diego bekämpfen will. Das schliesst neben Patrouillen in der Nachbarschaft auch den freiwilligen sozialen Dienst ein. «Ich habe tatsächlich einmal ein Leben im freiwilligen Dienst gerettet, ich weiss also aus Erfahrung, wie wichtig und wertvoll unsere Einsätze sind. Wäre ich nicht dort gewesen, wäre die Person gestorben», sagt er. Und weiss, dass es als kostümierter Aktivist einiges an Selbstbewusstsein braucht. «Auch wenn manche Menschen uns total lächerlich finden weiss ich, dass wir es nicht sind», erklärt er auf RealLifeSuperHeoes.com.

Klicken Sie sich durch unsere Galerie und finden mehr über die echten Superhelden des Alltags heraus.


(cat)

20min Login Facebook Connect
Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleissig - durchschnittlich gehen Tag für Tag 4000 Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Gibt es eine Möglichkeit, dass mein Beitrag schneller veröffentlicht wird?»

Wer sich auf 20 Minuten Online einen Account zulegt und als eingeloggter User einen Beitrag schreibt oder auf einen Kommentar antwortet, der wird vorrangig behandelt. Hat ein eingeloggter User bereits viele Kommentare verfasst, die freigegeben wurden, so werden seine neuen Beiträge mit oberster Priorität behandelt.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in Dialekt verfasst. Damit alle deutschsprachigen Leser den Kommentar verstehen, ist Hochdeutsch bei uns Pflicht. Sofort gelöscht werden Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken. (oku)

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@20minuten.ch
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Deshalb können Storys, die älter sind als 72 Stunden, nicht mehr kommentiert werden. Wir bitten um Verständnis.