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Experiment
18. März 2010 16:56; Akt: 18.03.2010 17:00 Print
Folter im TV
Kürzlich strahlte der französische Fernsehsender «France 2» eine neuartige Sendung aus. Das Konzept: Teilnehmer der Fernsehshow sollen ihrem Gegenkandidaten elektrische Schläge verabreichen - bis hin zu einer tödlichen Voltzahl.
Die vermeintliche Spielshow mit dem Namen «La Zone Xtrême» sorgte schon vor der Ausstrahlung für Aufsehen. Es handelte sich nämlich nicht um eine gängige TV-Sendung, sondern um ein Experiment, dass zeigen sollte, wie leicht sich Menschen durch Autoritäten zu Gewalttaten hinreissen lassen. Die Regeln: Beantwortet der an einem elektrischen Stuhl gekettete Kandidat die von der Moderatorin gestellte Frage falsch oder gar nicht, wird er von einem Gegenkandidaten durch einen Stromschlag bestraft.
Alles Fake
Die erschütternden Bilder waren jedoch nicht echt. Der TV-Kandidat, der gefoltert wurde, war bloss ein Schauspieler und – das Ganze ist inszeniert. Der Macher des als Game-Show verpackten Dokumentarfilms heisst Christophe Nick. Mit seiner Arbeit «Le jeu de la mort» (Das Spiel des Todes) hatte er auf ein Experiment des US-Wissenschaftlers Stanley Milgram aus den 60er Jahren zurückgegriffen. Milgram hatte mit Blick auf die Nazizeit zeigen wollen, dass fast jeder dazu gebracht werden kann, einer Autorität zu gehorchen, anstatt seinem Gewissen zu folgen.
Echt waren hingegen die 80 Zuschauer und Mitspieler, die von Christophe Nick ausgesucht wurden. Echt waren auch die Ergebnisse des Experiments: Mehr als 80 Prozent der Teilnehmer liessen sich dazu drängen, anderen Menschen Stromstösse im Bereich von 80 bis 460 Volt zu verpassen - nur weil es die Regeln der «Spielshow» verlangten.
(mba)

























