Leno vs. O'Brien

20. Januar 2010 10:10; Akt: 20.01.2010 12:45 Print

Krieg der Talkshow-TitanenKrieg der Talkshow-Titanen

von Thom Nagy - In den USA geht diese Woche ein TV-Drama zu Ende, das das Latenight-Fernsehen in seinen Grundfesten erschüttert hat: Weil Moderator Conan O'Brien seinen Sendeplatz für Konkurrent Jay Leno räumen muss, sorgt er für mächtig Radau beim Sender NBC. Es geht um eine Abfindung in Höhe von 30 Millionen Dollar.

  • Artikel per Mail weiterempfehlen
Fehler gesehen?
Fehler beheben!
Senden

«Sie wollten ein Drama um 10 Uhr abends. Nun haben sie es bekommen.» So kommentierte Talkshow-Titan Jay Leno (angebliches Jahresgehalt: 25 Millionen Dollar) die Geschehnisse in der Chef-Etage des drittgrössten US-Senders NBC.

Streit um Sendeplatz

Seit Wochen brodelt es vor und hinter den Kulissen der Fernsehstation. Die zwei Star-Talker Jay Leno und Conan O'Brien liefern sich eine erbitterte, ebenso mit Anwälten wie mit scharfem Humor geführte Fehde um eines der grössten Heiligtümer des US-Fernsehens: Die «Tonight Show» gilt als absolutes Aushängeschild von NBC, dementsprechend prestigeträchtig ist der Job als Moderator des seit 60 Jahren mehr oder weniger unveränderten Formats. Diesen Job übernahm der 46-jährige Conan O'Brien vor rund sieben Monaten von Jay Leno, der stattdessen eine neue Sendung zur Primetime um 22 Uhr bekam - und damit kläglich floppte. Der damit verbundene Einbruch der Werbeeinnahmen veranlasste die NBC-Bosse zu einer Rochade, die diese Reform wieder rückgängig machen würde.

Alles wieder rückgängig, oder doch nicht?

Nach der Olympiapause im Februar sollte Leno wieder an seinen angestammten Sendeplatz um 23:30 Uhr zurückkehren, was für O'Brien bedeutet hätte, mit der «Tonight Show» weit nach Mitternacht zu starten. Völlig inakzeptabel für den überdrehten Rotschopf. «Ich bin überzeugt davon,» wandte er sich in einer Erklärung an die 'Bewohner der Erde', «dass die Rückverlegung der 'Tonight Show' auf den folgenden Tag, um Platz für ein anderes Comedy-Programm zu machen, einer Sendung ernsthaften Schaden zufügen würde, die ich als eine der grössten Marken in der Geschichte des Rundfunks erachte.» Er könne nicht teilnehmen an ihrer Zerstörung - und sprach damit de facto seine Kündigung aus. Weil er aber einen gut dotierten Vertrag mit NBC für die «Tonight Show» zum vereinbarten Sendeplatz in der Tasche hat, könnte die Sache den Sender teuer zu stehen kommen. So wird spekuliert, dass sich die beiden Parteien auf eine Zahlung von 30 Millionen Dollar an O'Brien geeinigt hätten, um besagten Vertrag aufzulösen.

Leno gibt sich versöhnlich

Vergangenen Montag wandte sich Leno seinerseits in einem langen Monolog an das Publikum, um seine Sicht der Dinge darzulegen. Darin beschrieb er sich als Opfer der Geschehnisse und stellte klar, dass er gegenüber O'Brien keinen Groll hege. «Er ist ein guter Kerl», so der 59-Jährige mit dem charakteristischen Kinn.

Der Sieger heisst David Letterman

Der lachende Dritte - im wörtlichen Sinne - heisst bei der ganzen Geschichte David Letterman. Mit seiner «Late Show» prägt der Talk-Altmeister das Latenight-Fernsehen beim Konkurrenz-Sender CBS seit Jahrzehnten - und freut sich diebisch darüber, dass sich die Konkurrenz gegenseitig zerfleischt und ihm damit Munition für seine bitterbösen, trockenen Sprüche gibt.