«La Bohème» im Hochhaus

30. September 2009 12:55; Akt: 30.09.2009 13:48 Print

Oper schlägt Eishockey mit 1:0Oper schlägt Eishockey mit 1:0

Voll des Eigenlobs ist das SF nach erfolgreicher Inszenierung der Oper «La Bohème» im Berner Hochhausquartier Gäbelbach. Wurde aber mit dem Millionenprojekt das erklärte Ziel erreicht, nämlich das elitäre Medium Oper dem gemeinen Volk näher zu bringen?

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Das Schweizer Fernsehen hat am Dienstagabend Giacomo Puccinis Oper «La Bohème» im wahrsten Sinn des Wortes in die gute Stube gebracht. Das Berner Quartier Gäbelbach mit seinen markanten Hochhäusern verwandelte sich in eine Bühne für die Live-Sendung. So bewegten sich die Bohemiens zwischen Waschküche, Malatelier und Privatwohnungen eines Hochhauses. Lange Kamerafahrten durch die Wohnungen und der Hausfassade entlang zeigten deutlich die beengenden Verhältnisse, in denen die Hauptfiguren leben.

Im nahe gelegenen Einkaufszentrum Westside, wo mehrere Szenen spielten, mischten sich dann die Sängerinnen und Sänger auch unter die Zaungäste. Mehrfach traten Gäbelbach-Bewohner als Statisten in Aktion, wiesen den Figuren den Weg oder spielten mit ihnen Fussball.

Alleine schon das Technische war eine Meisterleistung. Unter anderem mussten 360 Tonspuren bearbeitet werden; insgesamt sorgten vor und hinter den Kameras über 300 Personen für einen reibungslosen Ablauf. Auch die Hauptakteure Maya Boog, Saimir Pirgu, Robin Adams und Eva Liebau überzeugten sowohl musikalisch als auch darstellerisch.

Freude herrscht

Und so sind die Kritiken am Tag danach mehrheitlich positiv. Worte wie «gelungen» oder «Triumph» dominieren die Schlagzeilen. Bereits während der Sendung selbst wurden von den Moderatoren mehrfach begeisterte Zuschauerreaktionen vorgelesen – was zuweilen etwas bemühend wirkte. In der anschliessenden Talk-Runde zeigte sich Thomas Beck, einer der Bohème-Macher, sehr zufrieden mit dem Erreichten. Dirigentin Graziella Contratto würdigte die Tatsache, dass die Inszenierung bildungsferne Schichten ansprach. Auch Expo-Chef Martin Heller war der Meinung, das Ziel, die elitäre Kunstform Oper dem Volk näher zu bringen, sei erreicht.

Für dieses hehre Ziel lässt sich das SF die Show auch einiges kosten. Über die genauen Zahlen wird geschwiegen, doch im Vorfeld liess der verantwortliche Produzent Christian Eggenberger gegenüber dem Online-Portal «Newsnetz» verlauten, das Unternehmen koste «etwa gleich viel wie ein Fernsehfilm», was wiederum laut SF-Filmchefin Madeleine Hirsiger mit rund 1,8 Millionen Franken zu beziffern wäre.

Das Buhlen um die Bildungsfernen

Bloss konnten die ausgegebenen Millionen die Tatsache nicht ändern, dass «La Bohème» erhebliche Konkurrenz von Sendeinhalten bekam, die gemeinhin den genannten bildungsfernen Schichten näher am Herzen liegen: Sport. Auf SF2 lief Eishockey, während auf SF Info die Champions-League ausgefochten wurde.

Doch die alte Operndame schlug sich wacker gegen die Eishockeyaner: Mit einem Marktanteil von 22,7 Prozent gegenüber der 19,7 Prozent der Victoria-Cup-Übertragung. Allerdings lagen die 347 000 Zuschauer deutlich unter dem Standard, der mit der «La Traviata»-Inszenierung am Zürcher HB gesetzt wurde (577 000). Von den 912 000, welche die unmittelbar zuvor gesendete «Meteo» anguckten, ganz zu schweigen ...

(obi/sda)

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  • pescheli am 30.09.2009 15:22 Report Diesen Beitrag melden

    Oper gegen Hockey

    Also wirklich. Wie viele Hockeyspiele werden pro Saison übertragen? Und notabene immer auf SF2 und nicht auf SF1. Also ist SF1 während den Spielen immer "frei" für anderes. Jetzt wars eine Oper und es war schlicht toll.

  • Gion Pallecchi am 30.09.2009 14:26 Report Diesen Beitrag melden

    Terminplanung

    Der Dienstag ist in der Regel der langweiligste Fernesehabend. SF macht eine sehr gute Inszenierung an einem Abend mit Hockey- und Fussball Champions League. Das muss man sich überlegen. Es gibt nämlich 50 Dienstage, die besser geeignet gewsen wären. Sehr schlecht geplant. Bildungsfern! Hm

  • Carmen Diaz am 30.09.2009 14:24 Report Diesen Beitrag melden

    Wir armen Steuerzahler müssen...

    ...jedes Jahr Millionen an Subventionen abdrücken, damit sich dann doch nur die Elitäre Oberschicht einen Opernbesuch leisten kann. Für Normalersterbliche sind die ticket-Preise nämlich nicht zu bezahlen. Die Oberen 10'000 geniessen Kultur auf unsere Kosten. Pfui!