Castingshows

07. September 2010 07:21; Akt: 17.09.2010 12:46 Print

Abzocke, «Fake» - oder doch Karriereturbo?Abzocke, «Fake» - oder doch Karriereturbo?

von Philipp Dahm und David Cappellini - Die Halbwertszeit von «Popstars» und «Superstars» wird kürzer, je mehr Castingshows es gibt. Ein Ex-Teilnehmer erhebt schwere Vorwürfe gegen D! und Co. TV-Schnügel Leo widerspricht.

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Die Rockröhre Carmen Fenk ging als erste Gewinnerin der Schweizer Castingshow «Musicstar» hervor. Mit ihrem ersten Album «Fenkadelic» erreichte sie die Spitze der Schweizer Hitparade. Kurze Zeit später wurde es ruhig um die ausgebildete Radio-Fernseh-Elektrikerin. 2005 startete sie die Tour mit dem Gospelchor «Shelomith«. Salome Clausen gewann die zweite Staffel von «Musicstar». Ihre erste und einzige Single «gumpu» erschien im April 2005 und stieg sofort auf Platz 1 der Schweizer Charts ein. Ihr erstes Album «moji» erreichte immerhin den zweiten Platz der Album-Charts. Mitte Januar 2006 gab Salome ihren Rücktritt aus dem Musikbusiness bekannt. Ihr Privatleben sei zu kurz gekommen. Nun widmet sich die gelernte Coiffeuse wieder ihren Stylingkünsten. «Baschi» Sebastian Bürgin war bei MusicStar 2004 Kandidat, wurde aber nur Sechster. Trotzdem gilt er als erfolgreichster «MusicStar». «Gib mer ä Chance», «Irgendwie Wunderbar» und «Bring En Hei» sind seine grössten Hits. Noch immer ist Baschi mit der MusicStar-Kandidatin Katy Winter liiert. Ab April 2007 wird «SF Zwei» die Sendung «Baschi national» ausstrahlen. Die Doku-Soap zeigt, wie Katy und Baschi ihre neuen CD's produzieren und sich auf die Tour vorbereiten - er ist noch nicht weg vom Fenster. Alexander Klaws - Gewinner der ersten Staffel von «Deutschland sucht den Superstar». Seine erste Single «Take Me Tonight» verkaufte sich über eine Million mal. Die Blamage: Ende 2003 nahm er an der Show «World Idol» teil, belegte aber nur den vorletzen Platz. Seitdem hört man nur noch sehr wenig von ihm. Daniel Küblböck schaffte es auf den dritten Platz in der Casting-Show «DSDS». Mit der Single «You Drive Me Crazy» (produziert von DSDS-Papa Dieter Bohlen) kam er an die Spitze der CD-Charts in Deutschland und Thailand. Anfang 2004 war Daniel Küblböck erneut in einer Fernsehshow zu sehen: «Ich bin ein Star – Holt mich hier raus.» Bald kann Küblböck mit neuer Tour beweisen, dass ers noch drauf hat - ob er die Hallen immer noch füllt, wird sich zeigen. Nach Deutschlands erfolgreichster Musikcasting-Show «DSDS» wurde es still um Juliette Schoppmann. Im Sommer 2005 sorgte sie mit No Angels-Mitglied Lucy Diakowska für Schlagzeilen, als diese sich als lesbisches Liebespaar outeten. Nach «I still burn» war auch für Tobias Regner, dem DSDS-Sieger der dritten Staffel, die Karriere zu Ende. Oder kommt da noch was? Die kennt man doch?! Die Siegerin der zweiten Staffel «DSDS», Elli Erl, ist ein gutes Beispiel dafür, dass der Gewinner einer Casting-Show nicht zwingend Erfolg haben muss. Nach ihrer ersten Single «this is my life» hörte man nichts mehr von ihr. Dennoch soll im März 2007 ein neues Album folgen. Die fünf Girls von No Angels wurden bei «Popstars» entdeckt. Die erste Single «Daylight in your Eyes» stieg auf Platz 1 in die deutschen, schweizerischen und österreichischen Charts ein. Ab Dezember 2003 löste sich die erfolgreichste deutsche Girlband auf und sie gingen getrennte Wege. Ein Comeback-Versuch anno 2007 endete drei Jahre später mit Nadja Benaissas Ausstieg. Ende November 2010 vermeldet die «Bild», auch die vier Jahre zuvor bei «Popstars» zusammengesuchte Band Monrose werde sich auflösen.

Hier sehen Sie «Stars», die schon lange implodiert sind.

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Sie kommen, sie siegen, sie gehen: Wer bei «Deutschland sucht den Superstar» oder bei «Popstars» am Ende der Castingshow gewinnt, muss nicht zwangsläufig auch nach ganz oben kommen. Davon zeugen diverse TV-Helden, die prompt in Vergessenheit geraten sind, sobald die Bildschirmpräsenz vorüber war. Einer dieser Leute ist Markus Grimm, der am 8. Dezember 2004 von den Zuschauern zu einem Teil der Band Nu Pagadi auserwählt wurde. Die Gruppe landete einen Hit, doch nur neun Monate später löste sie sich wieder auf.

Immer wieder Schema F

Nach der harten Landung in der Realität schrieb Grimm zusammen mit Castingshow-Leidensbruder Martin Kesici («Star Search», Sat.1) das Buch «Sex, Drugs & Castingshows. Die Wahrheit über DSDS, Popstars & Co». Kein Wunder also, dass auch die Autoren des kommenden Werkes «Die Casting-Gesellschaft» mit Grimm über seine Erfahrungen sprachen: Der 31-Jährige ist nach wie vor nicht gut auf D! und dessen Kollegen zu sprechen.

«Das Schema, nach dem solche Casting-Bands entstehen, ist oft gleich: Ein Produktionsteam legt alles fest, vom Namen über die Musikrichtung bis zu den Bühnenauftritten», sagte er laut «Stern». «Auch die Zusammensetzung der Band wird gesteuert: Zunächst sucht das Produktionsteam, während die Staffel läuft, einen Kandidaten aus, der gut in das Konzept passt und um den herum sich die geplante Band `bauen´ lässt.»

Für die Band bleiben weniger als 30 Prozent der Einnahmen

Die Produzenten würden dabei trotz Zuschauer-Votings die Ergebnisse vorherbestimmen: Sehen Sie, dass ein gewünschter Kandidat zu wenig Stimmen oder aber ein unerwünschter zu viele bekommt, wird mit positiven oder negativen Berichten gegengesteuert, erklärt Grimm: «Das Ganze ist ein Kartenspieler-Trick, ein Fake, der aber nur funktioniert, weil sich die Leute manipulieren lassen.» Wenn das nichts nützt, kann Streit geschürt werden. «Die Macher hinter den Kulissen versuchten natürlich auch in unserer Staffel, Intrigen zwischen den Kandidaten zu spinnen, um die Spannung zu steigern.»

Auch der Traum vom grossen Geld sei schnell geplatzt. 50 Prozent der Einnahmen seien an den Sender gegangen, 20 Prozent nehme sich das Management. Weil die Bandmitglieder auch an den Kosten für die Videoproduktionen und die PR beteiligt worden sind, sei ihnen nicht viel geblieben, erklärt der heutige Musikjournalist und Kinderbuch-Autor («Fleckies Reise»). Persönliches sei nur dann gefragt gewesen, wenn es sich zum Vorteil in Sachen Werbung nutzen liess. «Als ich mich als schwul outen wollte, warnten mich die Medienberater, dass das meine Karriere sehr schnell beenden könnte.»


Nu Pagadis einziger Nummer-eins-Hit «Sweetest Poison». Quelle: YouTube

Kennt D! dich nur, solange er dich braucht?

Als die Gruppe sich nach neun Monate auflöste, sei er am Ende gewesen, sagt Grimm. Besonders enttäuscht war er von D!, als der Juror ihn nur zwei Wochen nach Drehschluss schon nicht mehr auf dem Zettel hatte. «Er sagt nur: `Markus wer?´. Detlef war wirklich die erste grosse Enttäuschung in dem ganzen Spiel. Wir haben uns während der Popstars-Zeit oft über unsere ähnlichen Jugend-Erfahrungen unterhalten.» Eine Staffel später merkte der Sänger, dass D! allenthalben den grossen Bruder markiert. «Ich kam mir total benutzt vor, weil ich dachte: `Das war doch unser Moment!´»

Nur in einer Beziehung brachte sein TV-Sieg Grimm auch den erhofften Erfolg: Der Deutsche bekam jede Menge eindeutige Angebote und hatte gar «Gruppensex», doch seine Schäferstündchen waren «oberflächlich», weil die Fans mit einem Produkt schlafen wollten. «Es gibt keinen unpersönlicheren Sex als den mit Groupies», urteilt Grimm.

Tod als Verkaufsargument

Wie weit ihn sein Casting-Traum an den Abgrund gebracht hat, verdeutlichten seine Gedanken nach dem Band-Aus. «Mir kam der Gedanke: Wenn du jetzt aus dem Leben scheiden würdest, dann liesse sich das alles plötzlich hervorragend vermarkten. Es heisst ja: `Der Tod verkauft gut.´ Meine eigenen Gedanken begannen, mir Angst zu machen.»

Weit weniger dramatisch sieht Leo Ritzmann das Thema. Der Schweizer «Popstars»-Gewinner, der mit Some&Any relativ schnell wieder von der Bildfläche verschwand, meint: «Wenn man zu einer Show wie 'Popstars' geht, dann sollte man sich bewusst sein, auf was man sich einlässt.»

Leo hält nicht viel von Grimm

Des Weiteren findet Leo, Grimm sei einfach «ein schlechter Verlierer». Schliesslich profitiere man so oder so von einer solchen Castingshow – dies beweise alleine die Tatsache, dass Grimm sich jetzt mit seinen «sogenannten Enthüllungen» Aufmerksamkeit verschafft.

Und zu guter Letzt kann Leo trotz schlechten Casting-Erfahrungen nicht unterschreiben, was Grimm anderen vorwirft. «Gerade bei D! sehe ich die Sachlage völlig anders», so Leo gegenüber 20 Minuten Online. «Der Choreograph war sowohl vor als auch hinter der Kamera ein und derselbe Mensch. Zu mir, aber auch zu allen anderen.» Einzig was das Einkommen angeht, gibt Leo zu: «Reich wird man nicht durch so einen Sieg.» Allerdings hätten er und seine Ex-Bandpartnerin Glück gehabt, dass sie bloss zu zweit gewesen seien: «Dadurch musste man nicht so viel teilen.»

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  • Max am 09.09.2010 17:21 Report Diesen Beitrag melden

    Wieso in die Ferne schweifen, das Glück

    liegt so nah - Leo informiere dich unter sway - und nimm mit im Blind-Kontakt auf, da kommst du am besten an dein Ziel.

  • Sarina am 09.09.2010 14:22 Report Diesen Beitrag melden

    Leo sollte Marc Sway als Vorbild nehem

    dieser Schweiz - Brasilianische Sänger / Musiker ist in der Schweiz wirklich ein Vorbild und lässt sich auch gut Verkaufen. Seichte Musik + Stimmme von Leo haben eben in der Schweiz kein Erfolg.

  • Carina am 09.09.2010 13:30 Report Diesen Beitrag melden

    Was soll diese Abrechnung von Leo

    Die Realität ist, dass er sich eben nicht gut verkaufen lässt, das liegt vermutlich daran, dass er nur seine eigene Schiene / Ideen fahren will, und diese einseitige Stilrichtung kommt eben nicht überall an - einzige Möglichkeit, nach Brasilien ausreisen wo dieser Stil gelebt wird.