TV-Qualitätsdiskussion

26. Juni 2011 22:36; Akt: 28.06.2011 09:30 Print

Trash, Altbayern und Jessica SimpsonTrash, Altbayern und Jessica Simpson

Die Cablecom will Joiz nicht ins Programm nehmen, weil es journalistisch zu schlecht sei. 20 Minuten Online macht die Probe aufs Exempel - und nimmt die Konkurrenz unter die Lupe.

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Dumm macht dümmer, wenn man nicht schlau fernsieht. Wer richtig hinguckt, kann aber auch dazulernen. Bei einem Versuch an der Universiät Linz, «Media Psychology» beschrieben worden ist, wurden 81 Probanden getestet. ... Ein Forscher unterteilte die Freiwilligen in , die jeweils ein Drehbuch bekamen: Die erste las eine kurze Geschichte über einen dummen Protagonisten und die zweite eine längere, während die Kontrollgruppe eine neutrale Version studierte. Anschliessend stand ein auf dem Programm. Die Freiwilligen wurden beispielsweise nach Libyens Hauptstadt oder dem Maler des Bildes «La Guernica» gefragt. Die «Dummheitskonsumenten» schnitten fast alle schlechter als die Kontrollgruppe ab. Wie die Geschichten genau aussahen? las eine Geschichte über einen 35-jährigen Fussball-Hooligan namens «Meier». Er erwacht, schaut auf den Kalender und hat Probleme, das dort verzeichnete Tagesmotto zu verstehen. Als der Skinhead seine Wohnung verlässt, streitet er sich mit seinem türkischstämmigen Nachbarn, ... ... bevor er Gleichgesinnte trifft, mit denen er sich in einer Bar besäuft. So weit das Drehbuch. Einem Teil der Probanden wurde gesagt, sie sollten die Geschichte lesen und zusammenfassen. Die andere Hälfte von Gruppe eins sollte sich Gedanken darüber machen, inwiefern sie sich vom Protagonisten unterscheiden. bekam eine rund doppelt so lange Geschichte zu lesen, die an das bisherige Geschehen anknüpft. «Meier» trifft nach diesem Barbesuch seine Hooligan-Freunde bei einem Fussballmatch und liefert sich eine Schlägerei. Er verschläft den Tag und erfährt am nächsten Morgen durch die Zeitungen, dass seine Mannschaft das Spiel verloren hat, das er besucht hat. Er wird wütend. Auch Gruppe zwei wird geteilt: Eine Hälfte sollte bloss aufpassen, die andere sich in Relation zu «Meier» setzen. las ein Drehbuch von einem anderen «Meier», der an einem Flughafen wartet. Ein Passagier kommt an, mit dem «Meier» zu einem anderen Flughafen fährt. Die Hintergründe bleiben unbekannt und die Handlungen der Personen lassen keine Rückschlüsse auf ihre intellektuellen Fähigkeiten zu. Im anschliessenden Wissenstest schnitten diejenigen Untergruppen überdurchschnittlich schlechter als die Kontrollgruppe ab, die quasi die Dummheit bloss konsumierten. Diejenigen, die sich selbst mit dem Protagonisten auseinandersetzen sollten, schlugen sich dagegen besser. Im Falle der «Langversion» bei Gruppe zwei lagen die Probanden sogar über dem «Durchschnittswert», blieben aber im statistischen Rahmen (Für Interessierte: ).

Eine österreichische Studie zeigt: Wer dummes guckt, wird dumm. Gilt das für Joiz? Oder eher für die Trash-TV-Formate, die zeitgleich laufen?

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Laut einem Entscheid des Bundesamts für Komunikation (Bakom) müsste die Upc Cablecom den neuen Schweizer Jugendsender Joiz ins analoge Kabelnetz aufnehmen. Doch der Kabelriese weigert sich strikt. Der Grund: Laut der Upc Cablecom ist Joiz journalistisch und von der Produktion her zu schlecht. Der Netzbetreiber echauffiert sich in einem internen Papier seitenweise über den Begriff «Heisser Scheiss» - ein Rubriktitel in der Sendung Noiz.

Joiz strahlt jeden Tag zwischen 17 Uhr und 19.30 Uhr Eigenproduktionen aus - den grössten Teil davon live aus dem eigenen Studio in Oerlikon. Der Rest des Tages ist gefüllt mit den Sendungen vom Vortag. Die Hauptsendezeit des Jugendsenders ist also am frühen Abend - und während dieser Zeit muss sich der Sender mit diversen Konkurrenten messen. Diese wurde ins analoge Netz aufgenommen - verfügen also über die von der Upc Cablecom geforderte Qualität.

17 Uhr: Auf Joiz läuft «Noiz». Die Sendung mit dem von der Upc Cablecom monierten Rubrik «Heisser Scheiss». Moderiert vom souveränen Shimun Krausz und der etwas weniger souveränen Gülsha Adilji. Das Niveau reicht von primitiven Witzchen bis zu kunstvollen Videoclips. Ernste Themen lassen die beiden konsequent aus - teilweise wirkt die Sendung deswegen etwas seicht. Nach anfänglichen Kinderkrankheiten ist die Show mittlerweile aber gut produziert, nimmt Themen aus der Schweiz auf und ist meist ziemlich aktuell.
Zur gleichen Zeit bei der Konkurrenz: MTV zeigt «Made». Ein altbekanntes Format aus den USA, der amerikanische Traum für den kleinen Mann. Das Schweizer Sport Fernsehen, welches von der Cablecom ohne Murren ins Programm genommen wurde, zeigt Red Bull Cliff Diving, während bei RTL die Pseudo-Doku «Die Schulermittler» läuft. Alles nicht unbedingt TV von höchster journalistischer Qualität.

17.30 Uhr: Eine Stunde «Knack Attack» auf Joiz. Eine der erfrischendsten Shows im Schweizer TV. Moderator Knackeboul rappt, freestylt und ist auf Augenhöhe mit seinen Gästen. MTV zeigt wie Jessica Simpson auf der weiten Welt nach Beautygeheimnissen sucht. Bei B3, der laut Upc Cablecom im Fall eines Aufschaltens Joiz weichen müsste, läuft das Regionalmagazin «Schwaben & Altbayern aktuell», TeleZüri zeigt HomegateTV, StarTV Teleshopping. Mit der frischen, selbstproduzierten Live-Talkshow «Knack Attack» ist Joiz zu dieser Zeit bestimmt gut dabei.

18.30 Uhr:
Der Tiefpunkt auf Joiz: «MyJoiz». In Zeiten von YouTube wirkt ein Clipformat wie dieses Videowunschkonzert sehr altbacken. Doch die Konkurrenz schläft nicht: RTL II zeigt das wohl trashigste Format im deutschen Unterhaltungsfernsehen, «X-Diaries». Das kann MTV nicht auf sich sitzen lassen und strahlt «16 and pregnant» aus. Beide Formate laufen auf Sendern die den Qualitätsstempel der Upc Cablecom tragen.

19 Uhr: Bei Joiz wird man zum ersten Mal etwas ernster: JoiZone. Jeden Abend lädt der Sender Experten zum Talk. Von diesen und den Moderatoren hängt die Qualität der Sendung ab. Gülsha wirkt meist erfrischend naiv, Alexandra gibt die Einfühlsame, Mike macht gerne auf Kumpel. Angesprochen werden meist Themen, welche die Jugendlichen mehr oder weniger bewegen. Derweil zeigt RTL II das Qualitätsformat «Big Brother», B3 das altbackene Gartenmagazin «Queerbeet» und TeleZüri und TeleTop sind schon in der Wiederholungsschleife angelangt.

Joiz mag teilweise noch in den Kinderschuhen stecken. Doch kann wirklich die mangelnde Qualität ein Grund sein, warum Upc Cablecom den Sender nicht ins Programm nehmen will? Alexander Mazzara, CEO von Joiz meint: «Joiz ist der einzige Sender von der Jugend für die Jugend. Joiz ist darum auch der der einzige Sender, der konsequent die Sprache der Jugend spricht - eine einzigartige Qualität in der Schweiz, auch wenn es dafür massiv Kritik hagelt von Leuten ausserhalb der Zielgruppe.»

(nik)

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  • Robin am 28.06.2011 18:13 Report Diesen Beitrag melden

    ehemaligen Arbeitgeber...

    gegen MTV und VIVA zu schiessen ist doch eher billg! Schliesslich war Viacom auch einst Brötchengeber von Elif und Alexander...

  • Marco Läubli am 28.06.2011 15:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kooperation

    Fällt auch fast nicht auf, dass 20min und Joiz kooperieren. Eine fundierte Inhaltsanalyse des Programms, wie es Cablecom sicherlich gemacht hat, bringt wohl genug Gründe für eine Abweisung. Einfach zu sagen :"Die anderen sind auch schlecht" macht das Programm nicht besser.

  • SAB85 am 28.06.2011 10:31 Report Diesen Beitrag melden

    Liebe 20min-Redaktion...

    ...da ihr mit «Doktor Sex auf Joiz» mit Joiz eine Partnerschaft habt, sind diese Pro-Joiz-Voten eurerseits nicht wirklich als «neutral» zu betrachten. Und klar gibt es zu der besagten Zeit auch viel qualitativ fragwürdiges zu dieser Zeit im Fernsehen. Aber nur weil es schon «Müll» hat legitimiert das nicht, dass noch weiterer ins Programm aufgenommen wird. Ich besitze digitalTV und habe deshalb die Möglichkeit Joiz zu empfangen und ich hatte es schon diverse Male «getestet» musste aber jedes Mal nach spätestens 10 min. umschalten, weil fremdschämen angesagt war...