«Teen Mom»

30. Dezember 2010 17:38; Akt: 31.12.2010 09:59 Print

Wenn MTV die Abtreibungs-Debatte führt

von Oliver Baroni - Schwangerschaftsabbrüche wurden in der MTV-Show «Teen Mom» ausgeklammert. Nun hat eine Spezialsendung die Diskussion um das Tabuthema neu entfacht - und offenbart, wie festgefahren die Debatte in den USA ist.

«No Easy Decision» - Quelle: MTV.
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Mit ihren Reality-Soaps «Teen Mom» und «16 and Pregnant» versucht der US-TV-Sender MTV die Quadratur des Kreises: MTV will ein sehr häufiges Phänomen aufzeigen und versuchen, Schwangerschaft im Teenager-Alter exemplarisch darzustellen. Doch gleichzeitig machen sie aus diesen Müttern junge Stars, mitsamt Glamour-Appeal und Vorbild-Charakter. Schon machen Meldungen die Runde, Teenies liessen sich schwängern, um beim Casting für die nächste Staffel von «16 and Pregnant» vorsprechen zu dürfen.

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«Wenn du Sex hast, wirst du dafür bestraft»

So populär die Shows sind, so kontrovers werden sie in den USA diskutiert. Nur logisch, dass die «Abtreibungs-Spezialshow» vom 28. Dezember hohe Wellen schlagen würde. Bereits seit geraumer Zeit monierten Kritiker wie Fans zugleich, «16 and Pregnant» und «Teen Mom» würden das Thema ausklammern. «Während 27 Prozent aller schwangeren Teenager sich für eine Abtreibung entscheiden, bringen 100 Prozent aller schwangeren Teenies ihre Kinder zur Welt in der MTV-Version von 'Reality'», so Jennifer L. Pozner, Autorin von «Reality Bites Back», das sich mit den gar nicht so realen Hintergründen von Reality-Shows befasst.

«Diese so genannten 'Reality-Shows' verstärken die Aufklärungs-Schulprogramme der Bush-Ära, in denen Enthaltsamkeit als einzige Option geboten wurde», so Pozner kürzlich gegenüber der «L.A. Times», «die Message ist: Wenn du Sex hast, wirst du dafür bestraft, indem du schwanger wirst. Und entweder du behältst dein Baby oder du gibst es zur Adoption frei.»

«Keine leichte Entscheidung»

MTV präsentierte schliesslich doch noch die dritte Option in der Spezialsendung «No Easy Decision». Darin kommen «16 and Pregnant»-Star Markai Durham und ihr Partner James zu Wort. Markai wurde zum zweiten Mal schwanger, nachdem der Termin für ihre Dreimonatsspritze verpasst worden war. In der Sendung wägt sie ihren Wunsch, nochmals ein Kind zu bekommen, mit der bitteren Tatsache ab, dass sie in keinster Weise Geld dafür haben: «Ich will nicht, dass meine [einjährige] Tochter wegen meinem Verschulden zu kämpfen hat», so Markai. Nach dem Eingriff berichtet sie, sie fühle «Traurigkeit, aber keine Reue über ihre Entscheidung».

Im vollen Bewusstsein, welche Kontroverse damit entfacht würde, setzte MTV die Sendung auf 23.30 Uhr - viel später als die anderen «Teen Mom»-Folgen – an; zudem noch in der quotenschwachen Woche zwischen Weihnachten und Neujahr. Kaum ein anderes gesellschaftliches Thema in den USA hat so festgefahrene Positionen wie die Debatte um «pro choice» oder «pro life».

Boykott von Abtreibungsgegnern

In «No Easy Decision» geht Show-Moderator Dr. Drew Pinsky in die Offensive: «Ungefähr 750 000 Mädchen werden jedes Jahr in den USA schwanger. […] Obwohl für viele umstritten, ist Abtreibung eine von drei realistischen Möglichkeiten und zudem einer der sichersten und häufigsten medizinischen Eingriffe in den USA. Deshalb stuften wir es als wichtig ein, dies zu diskutieren.»

Etliche Abtreibungsgegner verurteilten die Sendung noch vor der Ausstrahlung. So kritisierte die konservative Bloggerin Jill Stanek etwa, MTV würde Anti-Abtreibungs-Meinungen komplett ausklammern (ein reichlich absurder Vorwurf angesichts der Tatsache, dass MTV bisher ausschliesslich Teenies dokumentierte, die sich fürs Kinderkriegen entschieden hatten). Andere konservative Kritiker schlugen vor, MTV komplett zu boykottieren.

Im Nachhinein bekommen Dr. Pinsky und MTV gute Noten, wenn auch hauptsächlich von Gruppen, die bereits pro-life eingestellt sind. «Salon.com»-Kolumnistin Lynn Harris lobte die Tatsache, dass medizinisch akkurate Informationen bezüglich dem Eingriff gegeben wurden und dass «der mitfühlenden Stimme eines psychologischen Beraters der Klinik Platz eingeräumt wurde». Bloggerin Jessica Wakeman lobte, dass MTV eine Mutter porträtierte, da 61 Prozent aller Frauen, die in der USA sich einer Abtreibung unterziehen, bereits ein Kind haben: «Diese Tatsache wird nur zu gern von Anti-Abtreibungs-Protestlern verschleiert. Die Mehrheit amerikanischer Frauen, die Abtreibungen vornehmen, sind keine unverantwortlichen Baby-Killer, sie sind bereits Mütter!»

Wird Markai benutzt?

Vielleicht liegt die Problematik aber auch ganz anderswo. Medienkommentatorin Katie K vom Showbiz-Blog «Celebitchy» bringt es auf den Punkt: «Ich habe kein Problem mit Abtreibung. Ich habe ein Problem damit, dass MTV diese jungen Mädchen für die TV-Unterhaltung instrumentalisiert.» Touché. Ganze drei Mal konnte das «Teen Mom»-Publikum zusehen, wie Amber Portwood (eine weitere Protagonistin der Sendung, die inzwischen das Sorgerecht für ihre Tochter verloren hat) gewalttätig gegenüber ihrem Kindsvater wurde. Wenn man dabei bedenkt, dass die Kamera-Crew jeweils vor Ort war und offenbar keinen Versuch unternahm, die Tätlichkeiten zu stoppen, dann stimmt einen das nachdenklich.

Nun wird ein Mädchen, das eine Abtreibung hatte, von MTV porträtiert, damit das Publikum über das Thema nachdenken und debattieren kann. Katie K. dazu: «Ich glaube nicht, dass sie dafür bereit ist – und diese Story stört mich aus einem ganz anderen Grund als die ganze Abtreibungs-Kontroverse.»

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Die neusten Leser-Kommentare

  • cri-cri am 02.01.2011 21:42 Report Diesen Beitrag melden

    kinderwunsch

    ich finde es schade habe zwei kinder wärend der schwangerschaft verloren diesen schmerz konnte mir niemand abnehmen.wie kann man sein eigenes kind töten.

  • blabla am 30.12.2010 18:39 Report Diesen Beitrag melden

    abtreibungen in den U.S.A

    die sind doch alle nicht ganz bei trost ... jeder soll doch selber entscheiden ob er abtreiben will oder nicht. Ich kann nciht verstehen wieso man das verbieten will. Ausserdem denke ich, dass alle die, die gegen abtreibungen sind nie sex haben und daher auch keine ahnung von gar nichts haben und allen anderen den spass daran verderben wollen. Ich liebes einfach den amis dabei zu zusehen wie sie sich über sachen streiten. Vorallem die argumente der republikaner sind schon fast legendär-dämmlich.

    • Marc U am 31.12.2010 10:04 Report Diesen Beitrag melden

      Aufklärung...

      Würde man bei den in der Schule richtig über Verhütungsmethoden aufgeklärt, dann wären auch nicht so viele Teenis ungewollt Schwanger... Aber der grösste teil der Amis denkt ja immernoch das "kurz bevohr man kommt, rausziehn" eine Verhütungsmethode ist... Wenn man Kinder will sollte man auch vorher zuerst schauen das man dem Kind auch ein gutes Leben bieten kann. und e.v sollte mal die USA darüber nachdenken Prostitution legal zu machen, sowie im TV mal über sollche sachen zu diskutieren statt die ganze zeit so dumme Reality Shows zu zeigen.

    • xxx am 31.12.2010 11:33 Report Diesen Beitrag melden

      Meinst du das ernst?

      Kurz gesagt: wer gegen Abtreibung ist hat keinen Sex und keine Ahnung. Machst du es dir nicht etwas zu einfach? Wer abtreibt vernichtet ein menschliches leben. Um das zu verstehen muss man keine Ahnung von Sex und Abtreibung haben. Ich glaube eher, du hast über den Wert eines Menschenlebens keine Ahnung.Abgesehen davon:es hängt nicht davon ab, ob man sex hat oder nicht, ob man dann gegen Abtreibung ist oder nicht.

    • P.S. am 31.12.2010 13:10 Report Diesen Beitrag melden

      Vernichtet ein menschliches Leben?

      Nicht jede befruchtete Eizelle wird zum menschlichen Wesen. Viele sterben vorher ab. Wenn eine Frau eine Eizelle heranzüchtet die aber nicht befruchtet wird, dann stirbt die Eizelle auch ab. Warum sprechen Abtreibungsgegner immer erst (oder schon) dann von einem Menschen, wenn eine Eizelle befruchtet wurde? Wer von diesen Leuten könnte ein Embryo in der fünften Woche von einem Frosch Embryo unterscheiden? Wenn man den "Mensch" schützt dann dürfte man kein Lebewesen töten, gar keines, keine Würmer, Bakterien, Pilze! Denn diese fühlen mehr oder mindestens gleich viel wie der "Mensch".

    • Su am 31.12.2010 13:25 Report Diesen Beitrag melden

      Kritisch

      Der erste Beitrag hinterlässt - wenn wohl auch vom Autor nicht so gewollt - einen faden Beigeschmack. Hauptsache Spass haben, abtreiben kann ich ja immer. Es gibt duchaus Situationen, die eine Abtreibung rechtfertigen. Nicht zuletzt die Eigenbestimmung der Frau, bzw. der Eltern. Der Spassfaktor sollte es nicht sein. Im Übrigen: ich würde auch gerne mal für Sex "bestraft" werden. Seit 5 Jahren nun schon.

    • Robby212 am 31.12.2010 14:30 Report Diesen Beitrag melden

      Mensch

      @P.S. Eine Eizelle als auch ein Spermium bilden sich nicht zu einem Menschen aus. Erst durch die Befruchtung wächst ein Mensch heran. Wenn der Mensch nicht tötet, wird ein neuer Mensch geboren.

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