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Philippinen

16. Mai 2018 21:14; Akt: 16.05.2018 21:18 Print

Auf diesem Friedhof leben 5000 Menschen

von Daniela Gschweng - Auf dem Cementerio del Norte in der philippinischen Hauptstadt Manila leben Tausende Menschen. «Besser als in einem Slum», finden sie.

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Ungefähr eine Million Menschen sind auf dem Cementerio del Norte in Manila begraben, jede Woche kommen neue dazu. Der 54 Hektaren grosse Friedhof ist mehr als hundert Jahre alt und einer der ältesten der Philippinen.

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Neben den Toten leben schätzungsweise fünf- bis sechstausend Menschen darin. Auf dem Nordfriedhof wird gekocht, geputzt, gewaschen, gehandelt und gezockt. Menschen wickeln Babys auf Grabplatten, kochen, essen und schlafen dort. Zwischen den Gräbern spielen Kinder.

Kleinstadt zwischen Gräbern

Einige Bewohner bieten Dienste wie Grabpflege gegen kostenlose Logis an, manche wohnen im eigenen Familiengrab. Grösstenteils aus Not, denn wie in vielen Metropolen gibt es in Manila zu wenig bezahlbaren Wohnraum.

Der Friedhof ist nicht nur eine Grabstätte, sondern auch eine kleine Stadt. Es gibt die auf den Philippinen üblichen kleinen Sari-Sari-Läden, in denen Dinge des täglichen Gebrauchs verkauft werden, Dienstleister wie Coiffeure und sogar ein Internet-Café – in einer Gruft. Der Strom kommt vom Generator. Fliessendes Wasser gibt es keines.

Mit den verstorbenen Verwandten zusammenwohnen

Versuche, die Bewohner umzusiedeln, blieben bisher ohne Erfolg. Auf Särgen zu schlafen, scheint niemanden zu stören. Die Bewohner der Friedhof-Kleinstadt haben einen entspannten Umgang mit den Toten. Sie finden es nicht befremdlich, in einer Gruft mit Familienmitgliedern zu wohnen, die schon verstorben sind. Andere finden es tröstlich, zu wissen, dass sie eines Tages an dem Ort, an dem sie gelebt haben, bestattet werden.

Mietfrei, ruhig, sicher

Um nichts zu beschönigen: Manches ist gar nicht angenehm an der Friedhof-Stadt. Überall liegt Müll und der Platz für die Toten wird immer knapper. Dennoch: «Besser als in einem Slum», finden die Bewohner. Die Gemeinschaft auf dem Friedhof sei gut, es sei ruhig und vergleichsweise sicher, obwohl es auch auf dem Cementerio del Norte schon einige der brutalen Razzien des Anti-Drogen-Kriegs von Präsident Duterte gab.

Manchmal gibt das Friedhofsleben sogar einen kleinen Verdienst her: Särge schleppen, Grabsteine putzen oder Kerzenwachs von abgebrannten Kerzen einsammeln bringt zwar wenig, aber gelegentlich doch ein paar Pesos.

Der Nordfriedhof scheint kein Einzelfall zu sein. Auch auf dem chinesischen Friedhof Manilas, der aus vielen Schreinen und «Häusern» für die Verstorbenen besteht, wohnten Menschen, berichten Reisende.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • mary rose am 16.05.2018 21:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    demuth

    und wir sind dauernd am jammern, sei es wegen den Steuern, Krankenkassen, zu wenig Lohn usw. wir sollten wieder etwas demütiger werden.

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  • Mikemet am 16.05.2018 22:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Regeln

    Es gibt aber ein paar Regeln für diesen Friedhof. Man darf nur dort Wohnen, wenn auch ein Grab eines angehörigen dort ist. Soviel ich weiss müssen sie den Friedhof einen Tag im Jahr verlassen. Irgend ein Religiöser Anlass. Soviel ich weiss ist dieser Friedhof nicht unweit vom Bankenviertel.

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  • marianne broennimann am 16.05.2018 21:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Totenstädte

    Die bewohnten Totenstädte gibt es vielerorts. Eine der grössten ist in Kairo mit einer enormen Fläche. Wenn die Ärmsten dort eine gute Heimstätte finden, warum nicht, gehört doch zusammen, Leben und Tod. Wobei immer noch der alte Bockmist gelehrt wird, die Pyramiden seien Pharaonengräber, waren es nie!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Julz Widmer am 17.05.2018 23:16 Report Diesen Beitrag melden

    Habs selbst gesehen

    Habe anderthalb jahre neben diesem Friedhof gewohnt. War auch paar mal dort. Sehr skurill zu sehen das soooo viele leute dort wohnen

  • angelina am 17.05.2018 12:16 Report Diesen Beitrag melden

    ungleich!

    ein friedhof der" lebt"... traurig und unverständlich zu wissen wie sich viele in diesem land an überschuss und korruption bereichern!

  • Alfred am 17.05.2018 09:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geld ist nicht alles

    Ein wunderschönes aber armes Land. Trotzdem sagt fast jeder der einmal auf den Philippinen war das die Menschen hier zu den wärmsten, herzlichsten, glücklichsten, zufriedensten und freundlichsten Menschen auf der Welt gehören. Vielleicht ein Beweis dafür das Geld und Reichtum nicht glücklich und zufrieden machen.

  • JJ3 am 17.05.2018 04:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    viel zu viele

    Letzthin kam eine Doku von einer Geburtsklinik.Oder Geburtsfabrik.Wahnsinn.Wo sollen all die Menschen hin?18 jährige die ihr 4 Kind bekommen ist ganz normal. Das kann nicht gut gehen.

  • FreeSpirit am 17.05.2018 04:17 Report Diesen Beitrag melden

    Wieso denn nicht

    Wenn die Menschen dort leben können wieso denn nicht. Die Toten machen ihnen nichts. Sie haben auch eine andere Einstellung zum Tod und gehen innerlich anders um damit. Schliesslich wird nur der Körper in die Erde gelegt, Seele/Geist sind entwichen.

    • Herrcool.es am 17.05.2018 04:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @FreeSpirit

      Wohin entweichen denn Seele und Geist?

    • Spiritualist am 17.05.2018 04:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Herrcool.es

      Das währe 'Perlen vor die Säue' geworfen, dies den Skeptikern und Kapitalgläubigen erklären zu wollen...

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