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Îles du Salut

11. Mai 2018 16:02; Akt: 11.05.2018 16:02 Print

«Man spürt, wie viel Leid dort herrschte»

Zu Besuch in den Ruinen der berüchtigten französischen Strafkolonien auf den Îles du Salut.

Der französische Fotograf Romain Veillon besuchte die Gefängnisinseln.
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Die Inseln Île Royale, Île Saint-Joseph und Île du Diable in Französisch-Guayana sind berühmt-berüchtigt für die Gefängnisse, die die Franzosen Ende des 18. Jahrhunderts dort führten.

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Von Rettungsinsel zum Gefängnis

Die drei Eilande im Atlantik waren nicht immer ein von Wasser umgebenes Gefängnis: Im 17. Jahrhundert flüchteten einige Nonnen vor einer Gelbfieber-Epidemie und dem sicheren Tod auf dem Festland auf die Inseln. Sie nannten sie Îles du Salut – Inseln des Heils.

1797 wurden die Inseln von den Franzosen entdeckt: Sie nannten sie Île Royale, Île Saint-Joseph und Île du Diable – und verwandelten das Paradies kurzerhand in Gefängnisse für die hinterhältigsten Verbrecher der Nation.

Auch für politische Gefangene

Zu den Insassen in den Strafkolonien im Atlantik gehörte unter anderem der französische Offizier Alfred Dreyfus. Seine falsche Verurteilung wegen Landesverrats sollte Frankreich zutiefst erschüttern. Auch Gegner Napoleons mussten im Dschungel in winzigen Zellen ausharren.

Die Kolonie war rund 100 Jahre in Betrieb. In dieser Zeit lebten insgesamt über 70'000 Gefangene auf den Inseln. Eine Flucht war praktisch unmöglich: Die Kontrollen waren streng, die Gewässer um die Inseln voller Haie.

Bis Mitte des 20. Jahrhunderts in Betrieb

Geschlossen wurde die Strafkolonie erst im Jahr 1953. Noch heute sind die Überreste der Zellen und Gitterstäbe sichtbar, auch wenn sie nach und nach von der Natur überwachsen werden. Dieser Umstand macht die Inseln zu einem beliebten Ziel für Fotografen, darunter auch Romain Veillon.

Der französische Fotograf besuchte eine der Inseln, die Île Saint-Joseph, für sein Projekt «Papillon». «Die Strafkolonien auf den Inseln sind in Frankreich sehr bekannt. Ich habe das Buch «Papillon» von Henri Charrière gelesen, einer der wenigen, der fliehen konnte. Es hat mich sehr geprägt», sagt Veillon, der kürzlich das Buch «Ask the dust» veröffentlichte, auf seiner Website.

«Die Inseln sind so wunderschön, so paradiesisch und wie aus einem Ferienkatalog», sagt der Fotograf gegenüber Medien. «Das Gefängnis auf der Île Saint-Joseph befindet sich auf einem Hügel. Wer es betritt, spürt, wie viel Leid dort herrschte. Man spürt den Schmerz und die Verzweiflung der Gefangenen noch immer.»

Einzelhaft und Krankheiten

Und Leid gab es viel: Die Gefangenen wurden in Einzelhaft in 3,6 Quadratmeter grossen Zellen untergebracht. Die Zellen hatten keine Möbel, die Holzbank, auf denen die Häftlinge schliefen, wurde tagsüber aus der Zelle entfernt. Den Gefangenen blieb nichts anderes übrig, als zu stehen.

Die Häftlinge wurden rund um die Uhr von den Wärtern überwacht, die von oben in die Zellen sehen konnten. Die Insassen durften nicht sprechen, lesen, rauchen oder sich hinsetzen. Das heisse Klima, unbekannte Krankheiten und die unmenschliche Behandlung sorgten für eine unglaubliche Sterberate: Einer von drei Insassen starb.

(mst)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • L.F. am 11.05.2018 16:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zerfall

    Die heutige Menschheit ist auch von allen guten Geistern verlassen.

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  • Markus Spirig am 11.05.2018 17:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schweizer Straftäter

    Das wäre doch was für unsere Gefangenen.

  • Toni Maccaroni am 11.05.2018 16:32 Report Diesen Beitrag melden

    Notre-Dame de Paris ist auch voll Leid

    Beim besuch der Notre-Dame de Paris hört und fühlt man das Leid auch das sich dort innen wohl abgespielt haben musste. Ich jedenfalls fand's erschreckend Düster dort drinnen....

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Mike am 12.05.2018 09:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Video

    Bitte hört mal auf mit den ewigen Videos. Bitte Bilder!

  • Elizabeth am 12.05.2018 02:07 Report Diesen Beitrag melden

    Foltergefägnis S-21 Kambodscha

    Eines der schlimmsten Foltergefägnisse (über 20'000 Tote), ein Verbrechen an die eigene Bevölkerung!

    • Nestor Bapaster am 12.05.2018 23:29 Report Diesen Beitrag melden

      Hoch oben und da seien sie....

      Falls Du rare Filme magst, schaue dir doch ggf. mal "Der Leopard" von 1963 an, ich schließe mit dem dortigen verschlüsselten Zitate: "Es muss sich etwas verändern, wenn alles so bleiben soll, wie es ist."

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  • Selina Widmer am 11.05.2018 22:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verbrechen um 1800

    Um 1800 war es ein Verbrechen, wenn ein hungriger Mensch ein vergammeltes Brot stahl ... muss man schon die Relation sehen, von politischen Gefangenen ganz zu schweigen.

  • Nach Denker am 11.05.2018 18:20 Report Diesen Beitrag melden

    Leid

    Spürt man auch das unsägliche Leid was sie Anderen zuge fügt haben ?

  • Markus Spirig am 11.05.2018 17:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schweizer Straftäter

    Das wäre doch was für unsere Gefangenen.