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Die Flucht

Der Verlust

Eine neue Identität

Die Hoffnung

Allein in diesem Jahr haben 225.000 Flüchtlinge das Mittelmeer überquert, um nach Europa zu gelangen.

Einer davon ist Mazen Farouk

Hier ist seine Geschichte

Allein im Monat Juli kamen 50.000 Flüchtlinge nach Griechenland - viele landeten an den steinigen Stränden der Ferieninsel Lesbos.

Eine gefährliche Überfahrt in überfüllten und ungesicherten Gummibooten mit Aussenbordmotoren, die diese verzeifelten Menschen in Hoffnung auf eine bessere Zukunft nachts nach Europa bringen.

Der 35-jährige Mazen ist aus Syrien geflüchtet. Sein Traum ist es, in Europa Frieden zu finden und mit seiner Verlobten zusammenleben zu können...

ABSCHNITT #1 DIE FLUCHT

Um nach Europa zu gelangen, musste Mazen das erste Mal in seinem Leben sein Schicksal in die Hände von kriminellen türkischen Menschenschmugglern legen.

Seit er vor drei Jahren sein Heimatland aus Furcht um sein Leben verliess, hat er sich in Ägypten und später ein Jahr in Istanbul in der Türkei aufgehalten. Ein Leben, das in starkem Kontrast zu seinem früheren Leben vor dem Bürgerkrieg in Syrien steht.

Er war ein Teil der Mittelklasse, arbeitete als Physiotherapeut, verdiente gutes Geld und fuhr ein teures Auto. In Istanbul lebte er am Rand der Gesellschaft.

- Wir waren 13 Syrer in einer Wohnung mit 2 Zimmern. Ich hatte nicht sehr viel Geld und konnte mir von meinem Lohn nur ein Bett für 150 Dollar im Monat leisten, erzählt Mazen.

In Istanbul kam er in Kontakt mit den Menschenschmugglern, die seine einzige Möglichkeit waren, von dort wegzukommen. - Ich konnte mir niemals vorstellen mit solchen Leuten Geschäfte zu machen. Aber ich sah keinen anderen Ausweg, sagt Mazen.

- Einer meiner Freunde gab mir die Nummer eines Schmugglers. Ich rief ihn an und er meinte: Du musst nach Izmir kommen, erzählt Mazen weiter. Nach Izmir reiste er zusammen mit dem 16-jährigen Neffen eines Freundes, dem er versprochen hatte, auf den Jungen aufzupassen.

In Izmir rief er die Nummer nochmals an. Die Stimme am anderen Ende der Leitung bat ihn, vor einer Moschee in der Stadt zu warten. Dorthin kamen die Schmuggler, sammelten sie auf und brachten sie in eine kleine Boutique in einer Seitenstrasse.

Mazen musste dort die 1.100 Dollar zahlen, plus zusätzliche 50 Dollar für einen Mittelsmann, der dafür sorgen sollte, dass das Geld in die richtigen Hände gelange.

- Ich gab ihm das Geld und ging um 6 Uhr abends zurück ins Hotel. Er rief mich um 12 Uhr wieder an. Er sagte: Du musst in den nächsten 5 Minuten fertig sein. Wir packten unsere Taschen und gingen zur selben Stelle, an der wir uns zuvor getroffen hatten, erzählt Mazen.

Sie wurden zu einem Haus mit einer schwarzen Tür geführt, in dem sich andere Flüchtlinge aufhielten. Nach 10 Minuten wurden sie von einem offenen Truck abgeholt, auf dem 50 Menschen – Männer, Frauen, Kinder und Alte – zusammengepfercht wurden. Die Fahrt dauerte vier Stunden und endete bei einem Hof.

Da es dunkel war, wussten sie nicht, wo sie waren. - Als wir ankamen, sagten sie: Du musst hier sitzen. Wir sassen 24 Stunden lang dort. Einer von ihnen kam mit einer Scheibe Brot und zwei Tomaten. Wir hatten zwei Flaschen Wasser für 50 Menschen, sagt Mazen.

Quelle: Polfoto

Als sie nacheinander auf das Boot geführt wurden, gab es keinen Weg zurück, obwohl fast kein Platz für alle war und mehrere wegzukommen versuchten.

- Einige wollten weglaufen, sie hatten Angst. Die Schmuggler nahmen eine Waffe zur Hand und sagten: Wenn du nicht in das Boot springst, erschiessen wir dich.

Mazen und die anderen syrischen Flüchtlinge hatten keine Möglichkeit, das Boot zu verlassen und umzukehren.

Quelle: Polfoto

Nach vier Jahren Bürgerkrieg ist Syrien nicht mehr die Perle von einem Land, die wie ein Magnet Touristen aus der ganzen Welt anzieht. Deswegen hatte Mazen Englisch gelernt und träumte von Europa.

Jetzt ist seine Einschätzung von Syrien kurz und bedrückend:
"Es ist die Hölle"

Quelle: Polfoto

240.000 Tote

Quelle: The Syrian Observatory for Human Rights

Darunter 12.000 Kinder

Quelle: The Syrian Observatory for Human Rights

12 Million Menschen in Not

Darunter 5,5 Millionen Kinder
7,6 Million Vertriebene im Land
4 Millionen sind aus dem Land geflüchtet

Quelle: UNHCR

ABSCHNITT #2 DER VERLUST

Ein neuer Tiefpunkt in Mazens Leben ist, dass er sein Schicksal in Europa in die Hände von Wildfremden legen musste – zu allererst in Griechenland.

Sein Leben hat sich auf ein absolutes Minimum beschränkt. Von einem glücklichen Leben in der syrischen Mittelklasse ist er jetzt am untersten Rand der Gesellschaft angekommen. Und viele sehen in ihm jemanden, 'der direkt aus dem Dschungel kommt'.

Ein harter Schlag für Mazen, der sich selbst nicht mehr erkennt.

- Ich will kein Geld, ich will nur in Sicherheit sein. Ich will an einen Ort, an dem ich arbeiten und in Frieden leben kann.

Mazens Leben in Syrien

Ein eigenes Haus in Damaskus
Ein Auto, ein BMW320i
Eine feste Arbeit als Physiotherapeut
Drei Schwestern, ein Bruder, Vater, Mutter und Freunde

Mazens Leben heute

Ein kleiner Rucksack mit Kleidung
Der Neffe eines Freundes
Bilder

Privatfotos

- Diese kleine Tasche ist das Ergebnis der letzten 35 Jahren. Das ist alles, was ich in meinem Leben noch habe.

Mazen Farouk

ABSCHNITT #3 EINE NEUE IDENTITÄT

Sein ernster Tonfall wird hoffnungsvoll, als die Sprache auf seine Verlobte kommt, in die er sich als Kind verliebte und mit der schon in Syrien zusammen war.

- Wir sind zusammen aufgewachsen. Sie wohnte in meiner Strasse, und ich erinnere mich noch daran, wie ich ihr immer Süssigkeiten und kleine Geschenke brachte, als ich zu Besuch kam.

Mazen Farouk

- Ich war wahnsinnig verliebt, erzählt Mazen, der Nana zuletzt vor ein Jahr in der Türkei sah, als sich ihre Wege dort auf der Flucht nach Europa kreuzten.

ABSCHNITT #4 DIE HOFFNUNG

Metroxpress
Dieser Beitrag stammt von der dänischen Metroxpress. Die Pendlerzeitung ist die reichweitenstärkste Zeitung Dänemarks und gehört zur 20-Minuten-Gruppe.

Movies produced by: Kristoffer Juel & Christian Als
Post-production: Pegasus Production
Editors: Jeppe Findalen & Pernille Holbøll
Development: Mikkel B. Jensen & Jonas Justesen