Ferrari der Woche

21. November 2017 05:27; Akt: 20.11.2017 07:44 Print

Das Zwölfzylinderchen

Ein Ferrari aus der Frühzeit der Marke, der 166 Inter von 1949. Der aber gleich mal aufzeigte, wie gutes Marketing funktioniert.

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Die Amerikaner, verkaufstüchtiger als andere, sagen das so: «Win on Sunday, sell on Monday». Der grosse Enzo Ferrari, des Englischen nicht mächtig, wusste aber schon lange vor den amerikanischen Autoherstellern, wie das Geschäft funktionieren könnte. Er erzählte einem Freund, noch bevor er seine eigene Automarke gründete (1947), dass er davon träumte, am Wochenende auf drei, vier verschiedenen Rennstrecken dieser Welt die Rennen zu gewinnen - und das würde ihm so viel Ruhm einbringen, dass er mit seinen Serienautos so viel Geld verdienen würde, dass er sich dann auch die Rennerei am nächsten Wochenende noch (oder wieder) leisten könne.

Es erstaunt deshalb nicht, dass Ferrari seine Strassenautos in der Frühzeit der Marke als direkte Abkömmlinge seiner Rennwagen konstruierte. Das hatte verschiedene Vorteile. Zum einen sparte der nicht als besonders grosszügig berühmte Commendatore so jede Menge Konstruktionskosten. Es war sogar so, dass er die Serienautos eigentlich sehr günstig produzieren konnte, denn die Entwicklungsarbeit war ja schon auf der Rennstrecke geschehen. Ausserdem konnten seine Kunden ihre Fahrzeuge mit wenigen Handgriffen renntauglich machen. Und schliesslich war das auch bestens fürs Image - die Ferrari waren Rennwagen für die Strasse und Strassenwagen für die Rennstrecke.

80 PS aus 1,5 Liter und 12 Zylindern

Der 125 von 1947 war das erste unter dem Namen Ferrari hergestellte Fahrzeug. Er war mit einem vom früheren Alfa-Ingenieur Gioacchino Colombo konstruierten 1,5-Liter-V12 ausgerüstet, der wohl knapp 80 PS stark war. Es gab zwei Strassenfahrzeuge vom 125, eines mit einer Karosserie von Touring, ein anderes mit freistehenden Kotflügeln und schmalerer, rennsporttauglicher Karosse. Doch bereits bei diesem ersten Fahrzeug, dem 125, zeigte Enzo Ferrari auf, wie er sich die Verbindung zwischen Sport- und Rennwagen vorstellte: Es gab 1948 auch den 125GP, der mit einem Roots-Gebläse auf 230 PS gebracht wurde. Und 1949 dann den 125F1, der für die Formel 1 verwendet wurde und etwa 260 PS stark war. Nachfolger des 125 war der noch 1947 vorgestellte 159, dessen Motor von 1,5 auf 1,9 Liter Hubraum vergrössert worden war.

Im November 1948 zeigte Ferrari dann eine weitere Entwicklung, den 166 als MM und als Inter. Während der MM (für Mille Miglia) einen Radstand von 2,2 Metern sowie einen jetzt 140 PS starken 2-Liter-V12 besass, war der Inter die «zivile» Variante mit längerem Radstand (2,4 Meter) und zurückgetuntem Triebwerk (etwa 110 PS bei 6000/min). Bis 1953 wurden 46 MM gebaut (der berühmteste war sicher die «Barchetta» von Touring, von der 25 Exemplare entstanden), der Inter wurde bis 1951 hergestellt, 37 Stück wurden gebaut (andere Quellen sagen 39, aber wir glauben mehr an die 37). Es gab noch weitere 166: den Spyder Corsa (neun Stück, rund 160 PS, ein Formel-2-Rennwagen), den 166 Sport (zwei Stück, 90 PS) und den 166FL, der für Rennen in Südamerika entwickelt wurde und mit einem Kompressor auf 310 PS kam.

Die 166 Inter hatten eine eigenartige Nummerierung bei den Chassisnummern: Sie begann bei 007 S und endete bei 0079 S. Das Fahrzeug, das auf dem Salon von Turin gezeigt worden war, wurde von Touring eingekleidet - und noch heute ist das vorherrschende Bild, das wir vom 166 Inter haben, jenes halb elegante, halb sportliche Kleid, das ihm das 1926 von Felice Bianchi Anderloni in Mailand gegründete Unternehmen verpasst hatte. Natürlich gab es noch andere «carrozzerie», die am Ferrari arbeiteten: Bertone, Ghia, Stabilimenti Farina (nicht zu verwechseln mit Pinin Farina) und auch Vignale. Den Namen Inter hatte der «zivile» 166er übrigens von der Scuderia Inter, die den Spyder Corsa erfolgreich bei Rennen eingesetzt hatte.

«Wer Geld hatte, kaufte sich einen fetten Ami-Schlitten
»

Heute ist schwer vorstellbar, dass der Ruhm der Strassenautos von Ferrari von einem Fahrzeug begründet wurde, der zwar einen klassischen Colombo-V12 unter der Haube hatte, aber gerade mal 110 PS stark war. Das reichte zwar für eine damals recht beachtliche Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h, aber das hatten klassische amerikanische Limousinen schon vor dem 2. Weltkrieg geschafft. Trotzdem - man muss sehen, was sonst so kurz nach dem Krieg auf der Strasse unterwegs war. Wer Geld hatte, der kaufte sich einen fetten Ami-Schlitten, doch in Europa waren es VW Käfer, der Citroën 2CV war gerade auf den Markt gekommen, und auf der sportlichen Seite gab es den Jaguar XK 120 (offiziell mit 160 bhp eine wahre Rakete, doch in Wirklichkeit weit weniger flott als der Ferrari 166). All die anderen italienischen Exoten, Lamborghini, Iso und wie sie alle hiessen und heissen, die gab es damals noch nicht. Ernsthaftester Konkurrent für den Ferrari war wahrscheinlich der Maserati A6, dessen 2-Liter-Sechszylinder es im besten Fall auf 110 PS brachte.

Aber der 166 Inter war eben weit mehr als nur ein flotter Gran Turismo. Er wurde von seinen Besitzern auch fleissig bei Rennen eingesetzt und mehrte so den Ruhm der noch jungen Marke Ferrari. Doch noch mehr taten dies natürlich die Rennwagen. Der 125F1 gewann 1949 fünf Grand Prix, obwohl sein mit einem Kompressor aufgeladener Motor sich als nicht besonders standfest erwies. Enzo Ferrari war erst zwei Jahre im Geschäft, und schon hatte er einen anständigen Teil seines Traums verwirklicht.

Mehr Ferrari gibt es immer auf www.radical-mag.com.

(pru)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • kurz am 21.11.2017 06:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bella 12 Zylinder

    ich habe selber ein paar 12 Zylinder . sind einfach unglaublich gute Motoren und machen Spass sie zu fahren

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  • Mensch am 21.11.2017 10:18 Report Diesen Beitrag melden

    1,5 Liter 12 V

    das sollte man Heute einbauen statt 0,9 Liter drei Zylinder und Heutzutage würde man sich auch mehr raus holen aus den 12 V.

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  • marko 32 am 21.11.2017 13:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Auto

    Schönes Auto

Die neusten Leser-Kommentare

  • Magnum15 am 21.11.2017 22:48 Report Diesen Beitrag melden

    Anno

    Herrlich was damals noch gebaut/entwickelt wurde. Heute spinnen die Ingineure nur noch mit stromer und nix leistende gasklumpen rum.

  • marko 32 am 21.11.2017 13:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Auto

    Schönes Auto

  • Mensch am 21.11.2017 10:18 Report Diesen Beitrag melden

    1,5 Liter 12 V

    das sollte man Heute einbauen statt 0,9 Liter drei Zylinder und Heutzutage würde man sich auch mehr raus holen aus den 12 V.

    • Kidd Funkadelic am 21.11.2017 13:27 Report Diesen Beitrag melden

      @Mensch

      Da haben Sie recht; mehr Zylinder bei gleichem Hubraum = mehr Leistung (zumindest bei nicht aufgeladenen Motoren). Ausserdem kann sich der V12 über den perfekten Ausgleich Massen erster und zweiter Klassen rühmen.

    • sc am 21.11.2017 15:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Mensch

      Ja das wäre ein Traum, leider sind die Hersteller (und deren Kunden) zu geizig um die Mehrkosten zu bezahlen...

    • Drehzähler am 24.11.2017 07:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Mensch

      Ja, ohne Aufladung bei rund 14000 Umdrehungen könnten dabei 300 PS rausspringen.

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  • kurz am 21.11.2017 06:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bella 12 Zylinder

    ich habe selber ein paar 12 Zylinder . sind einfach unglaublich gute Motoren und machen Spass sie zu fahren

    • Hr. Angeber am 21.11.2017 08:14 Report Diesen Beitrag melden

      @kurz

      und ich habe 12 Häuser, macht riesen Spass in allen gleichzeitig zu wohnen. Schönen Tag noch, mit oder ohne Zylinder :-)

    • higghens am 21.11.2017 17:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Hr. Angeber

      Ich fahre auch einen V12 und es ist der Traum par excellence. Mit Neidhammeln kann ich gut umgehen. Es ist der Beweis, was sie gerne wollen und nie haben können. Sei es des Geldes wegen oder vom Niveau her. So einen zu pflegen braucht viel Freude und Liebe zum Detail. Sparen Sie sich doch einfach ihre Hasskommentare und verändern besser ihr Leben mit einer positiveren Einstellung dazu. Ich kann mich auch über etwas freuen, was ich mir nie leisten kann und mags dennen gönnen. Noch allseits schönen Abend

    • Ronny C. am 21.11.2017 19:46 Report Diesen Beitrag melden

      Der V12 hat schon was

      @kurz : über kurz oder lang wird auch der 12-Zylinder den Weg der Dampfmaschine und der Kutsche gehen, geniessen Sie es noch. Zum V12 hats bei mir nicht gereicht, dafür habe ich einen schönen rotzigen V10 in der Viper und ich hatte vor dem Tesla einen Phaeton W12, immerhin so etwas wie zwei VR6 zusammengebastelt. Aber warum hat Ferrari so ein Minimotörchen mit 12 Zylindern gebaut ? Wozu soll das gut gewesen sein ? Für die Zuverlässigkeit wohl kaum....da müssen ja Modellbauteile verbaut worden sein.

    • Stefan am 21.11.2017 20:54 Report Diesen Beitrag melden

      Privatsache

      @Ronny: Was geht Sie oder der Staat was an, welche Technologie jemand nutzt?? Es ist Sache des Herstellers und der Käufer. Es ist ihre eigene Wahl ob Sie nun Schallplatte, MP3, CD oder Livestream Musik hören... Es ist eine Private Entscheidung. ... Es geht den Staat absolut nichts an. ... Genauso wie Sie ihre Technologie umbauen für den Eigenbedarf. (Für den Verkauf sieht es anders aus...). ...

    • Illumination am 21.11.2017 21:21 Report Diesen Beitrag melden

      @Stefan

      Hätte nicht gedacht, dass ich @Ronny C (mit dem ich mich gerne "streite" und inhaltlich öfters nicht übereinstimme) mal "in Schutz" nehmen muss - aber kann in Ihrem Kommentar keinen Zusammenhang mit dem Beitrag von @Ronny C erkennen... Aber da ich schon mal dabei bin, kann ich mir einen anderen "Seitenhieb" an @Ronny C nicht verkneifen - als ehemaliger (unzufriedener) Phaeton W12-Besitzer müssen Sie damals "traumatisiert" worden sein und seither an einer "VW-Konzern-Psychose" leiden... ;-))

    • Ronny C. am 22.11.2017 08:28 Report Diesen Beitrag melden

      Ein Phaeton ist kein Audi

      @Illumination : Danke Illumination ;-) Nein, der Phaeton war ein tolles Auto, allerdings ist mir der zweimal auf der D-Autobahn ins Notlaufprogramm gesprungen, ist also, wie viele VW/Audi-Produkte, nicht Vollgasfest. Ich wurde im Geschäft genötigt, A6, S6 und später einen RS6 zu fahren. Alle hatten Probleme und ab 30'000 km fing jeder zu knistern und klappern an im Innenraum. Konnte bei keinem nachhaltig behoben werden. Das hat mein Bild vom "Premiumhersteller" in die Realität zurückgebracht. Der Dieselskandal zeigt zudem die technische Kompetenz der Firma. Aber ja, der Phaeton war gut

    • Peter Mueller am 22.11.2017 17:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Ronny C.

      Da lob' ich mir meinen guten alten Cadillac Seville V8 300 PS mit 580'000 km and still going strong! Verbrauch zwischen 9 und 12 l.

    • Burschi am 22.11.2017 19:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Ronny C.

      1.5 l war in der damaligen Rennserie das Maximum an zulässigen Hubraum. Mehr Zylinder, mehr Leistung. Ob das bei diesem Hubraum stimmte, wag ich zu bezweifeln. Apropos Hubraum: das mit der Laufruhe und Massenausgleich stimmt für Ferrari ab ca 1970 nur bedingt, da diese eine Flatplane Kurbelwelle haben.

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