Car of the week

29. Juni 2018 05:15; Akt: 29.06.2018 00:35 Print

Bonsai mit robustem Charme

von Michael Köckritz - Ein Winzling as Kult-Car? Ein cooler 4x4 für runde siebzehn Mille? Kann man machen. Der Suzuki Jimny ist zurück.

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In Japan gibt’s den Suzuki Jimny seit einem halben Jahrhundert. Hierzulande wird der Liebling von Förstern und Surfer-Dudes, von Waldarbeitern in Karohemden, Understating-Models in 600 Euro-Nikes und radikal-polarisierten Hausbesetzern seit zwanzig Jahren als funktioneller Alleskönner geliebt und gekauft. In diesen Jahrzehnten sicherte sich die untermotorisierte, beinharte Schachtel eine durchwachsene, multi-kulturelle Fangemeinde. Wo andere SUVs mit edlem Interieur und high-tech Fahrwerksabstimmungen plus aufpreis-pflichtigen Digitalzaubereien locken, brachte der Jimny eine No-Nonsense Attitüde zur Offroad-Strecke, die den Winzling als Zen-Meister immer schon ausgezeichnet haben. Für eingefleischte Jimny-Fans bedeutete Mood Lighting ein Kerzlein auf der Kühlerhaube, die Rückfahrkamera kam vom Mediamarkt und hiess GoPro.

In den letzten Jahren war der Jimny ein wenig in der Aufmerksamkeitsskala gesunken. Die treuen Fans – siehe oben – blieben ihm ergeben, immerhin verkaufte Suzuki seit den 70ern weit über 2.2 Millionen des winzigen Klettermeisters, aber irgendwie war der Schwung raus. Jetzt wird Suzuki auf dem Pariser Autosalon im Herbst die vierte Generation des kleinen Allrounders vorstellen, und der erste Modellwechsel in 20 Jahren hat das Zeug, den Trend umzukehren.

Platz sowohl für die Schaufel als auch für die Waid

Dabei ändert sich nicht wirklich viel. Die Models werden weiterhin Sneakers den Stilettos vorziehen, denn der Jimny wird sich auch in seiner jüngsten Inkarnation knallhart aufs Praktische konzentrieren, zur Freude aller Karoträger und Jagbeauftragen. Die fast schon legendäre Geländegängigkeit des Bonsai-SUV hält sich an das, was fürs Grobe notwendig ist: extrem kurze Überhänge, die grosse Böschungswinkel garantieren, einen Leiterrahmen, der seit Menschengedenken für stabiles Fahren abseits zivilsatorischer Komfortkultur sorgt, und dem lange bewährten zuschaltbaren Allradantrieb, alles Grundlagen für die Fähigkeit dorthin zu fahren, wo sich andere, grössere und schickere Konkurrenten niemals hinwagen würden. Dabei hat Nippons Praktiker immer noch Platz sowohl für die Schaufel als auch für die Waid.

Noch hält sich Suzuki mit Details zurück, aber ein paar Infos sind schon an die Öffentlichkeit geraten. Ein simpler Schalter genügt dem Jimny, um vom Hinterradantrieb auf Allrad zu wechseln, keine überkandidelte Sensorik nötig. Okay, okay, der Geländegänger hat ein modernes, aufgehübschtes Interieur mit einem grossen Bildschirm in der Mitte, und Knöpfe und Schalter, die auch mit Handschuhen bedient werden können. Auf den praktischen Sitzen wird gesessen und nicht gefläzt, und man kann davon ausgehen, dass der Waldarbeiter den Dreck auf den Fussmatten mit einem soliden Strahl aus dem Wasserschlauch entfernen wird. Sitzposition – und Motor – sind typisch Jimny-hoch, damit der Bergbach in der Klamm weiterhin ohne Probleme und nasse Füsse durchquert werden kann.

Kotflügel, die ihre Namen verdienen

Auch im Aussendesign hat sich der Jimny etwas der Zeit angepasst. Jungle Green, Bluish Black Pearl, Medium Gray, Silky Silver Metallic, and Superior White stehen zur Wahl, man stelle sich das vor! Selbst vor Zweifarb-Kombinationen schreckten die japanischen Designer nicht zurück. Kinetic Yellow, Brisk Blue Metallic und Chiffon Ivory Metallic sollen den Jimny auch in der Innenstadt akzeptabel machen (frohlockende Models soweit das Auge reicht). Frontscheibe und Heck stehen fast senkrecht. Kotflügel, die ihre Namen verdienen, sind in modisch schwarzem Plastik gehalten und strecken – hach! - die kargen Muskeln raus. Die Kleinstwagenausmasse jedoch bleiben, damit der Kleine selbst die engsten Waldwege passieren kann.

Die Motorisierung wird weiterhin keine Bäume ausreissen, aber das hat Jimny-Fahrer noch nie arg gekümmert. Hauptsache, man kommt aus dem Schlammloch raus, in dem die fünfmal teureren Kollegen steckengeblieben sind. Voraussichtlich bekommt der Jimny den 1,2 Liter Vierzylinder des Suzuki Ignis mit 90 PS und 120 Newtons – voll und ganz ausreichend, solange man nicht versucht, auf der Nordschleife zu glänzen. Eventuell steht auch der 1-Liter Dreizylinder Boosterjet des Swift mit rund 111 PS zur Verfügung. Von einer Hybrid-Version wird gemunkelt, aber Suzuki hält sich bedeckt, was sportliche oder elektrische Varianten angeht. Fünf Gänge, plus einem extrem kurzen Schleichgang, bringen den Jimny den Berg rauf, und auch wieder runter.
Nur das zählt.

Der Offroad-Japaner könnte in der neuesten Variante wieder die Rolle des unauffälligen, aber robusten Charmeurs übernehmen, die alle seine Vorgänger ausgezeichnet hatte: als Understatement-Meister mit leicht eingeschränktem Sexappeal, aber der immens wichtigen Fähigkeit, die Fahrer/innen aus dem Schlamassel zu ziehen.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • sc am 29.06.2018 06:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    sehr schönes Fahrzeug

    ein ehrenwürdiger Nachfolger für den aktuellen jimny! zuerst wollten sie ja dafür den ignis einspannen, haben es dann aber zum Glück gelassen. ich mag kleine Offroader, die auch zuverlässig sind!

  • Ronny C. am 29.06.2018 07:22 Report Diesen Beitrag melden

    Der Jimny mit den Newtons

    Cool, dass es solche Autos noch gibt, auch wenn ich mich eher weniger darin sehe. Optisch scheint es eine geschrumpfte G-Klasse zu sein, was an sich schon relativ cool ist. Wer ein günstiges, zuverlässiges und robustes Auto will, der ist mit Suzuki sicher immer gut bedient. Aber was genau sind "Newtons" ? Ich kenne beim Drehmoment die Einheit Newtonmeter. Wer trendy, hip und amerikanisch sein will, der müsste das Drehmoment in foot-pound (lb-ft) angeben....cooler wird es dadurch aber nicht.

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  • Claude am 29.06.2018 07:48 Report Diesen Beitrag melden

    Merc G?

    habe zuerst gedacht es geht um den Mercedes G als ich das Foto sah.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Fan am 15.07.2018 06:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Neue Suzuki Jimny

    Warum gibt es den Suzuki Jimny nicht mit fünf Türen?Von der Grösse her würde sicher passen.

  • Martin Wille am 09.07.2018 07:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kopie?

    Carrosserie scheint mir eine Mercedes G Kopie nur kleiner sieht aber gut aus

  • Knorrli am 03.07.2018 10:56 Report Diesen Beitrag melden

    Geländewagen

    Wunderschöner Jimny- Nachfolger! Ich bin Dankbar hat Suzuki den Mut bewiesen, wieder einen klassischen Geländewagen nach alter Schule zu konstruieren der nicht schon nach fünfzehn oder weniger Jahren auf dem Schrottplatz landen muss wegen Elektronik- KO. Und wer behauptet der Jimny sehe aus wie ein geschrumpfter G dem muss ich Unwissenheit attestieren. Er sieht aus wie ein klassischer Geländewagen; Quadratisch, Praktisch, Gut!

  • Cool am 03.07.2018 08:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Neue

    Mit 5Türen das wäre super,im Angebot.Und natürlich mit der Untersetzung-Getriebe.

  • Nick Marty am 02.07.2018 21:39 Report Diesen Beitrag melden

    Perle in der Autowüste

    Gefällt mir sehr. Der neue Jimmy hat Design DNA vom Jeep Renegade, Wrangler, von der G-Klasse und dem Defender.....alles sehr geschickt kombiniert. Schön das es noch neue Autos gibt welche vorgeben ein Auto zu sein und nicht nach Raumschiff aus dem Jahr 3000 aussehen müssen.