Car of the week

22. Juni 2018 05:02; Akt: 22.06.2018 07:41 Print

Das ist der Hammer

von Michael Köckritz - Mit dem M850i xDrive erinnert sich BMW an die alten Tugenden – also daran, dass Autofahren grosse Freude bereiten kann. Welcome back, Bayern!

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Wenn im November der Achter den Sechser beerbt, trägt der nicht nur eine neue Nummer, sondern der 4,84 Meter lange Zweitürer mit der aggressiven Front und der hoch in die Haube gezogenen Niere sieht viel moderner und sportlicher aus. Für den entsprechend Vortrieb sorgen zunächst zwei Motoren, die beide mit Allradantrieb und Achtgang-Automatik kombiniert sind: Der 640d mit einem drei Liter grosser Sechszylinder-Diesel mit 320 PS und 620 Nm. Wer es aber mit S-Klasse-Coupé und Elfer aufnehmen will, dem machen sie den... ...M850i schmackhaft: Als M Performance-Modell ist der nicht nur optisch noch ein bisschen stärker überzeichnet, sondern vor allem bekommt er eine weitere Evolutionsstufe des bekannten... ...V8-Motors, mit der die Leistung des 4,4 Liter Triebwerks auf 530 PS und das maximale Drehmoment auf 750 Nm klettert. Beim neuen Achter gibt ein Assistenzsystem seinen Einstand, das den nächsten Schritt zum autonomen Fahren macht. Denn der Achter wird der erste BMW mit erweitertem Rückfahrassistenten und merkt sich die letzten 80 Meter in einem Parkhaus oder auf einem Parkplatz so genau, dass er die Strecke auf Knopfdruck automatisch rückwärts abfährt. Luxus gibts vor allem in der ersten Reihe. In der Zweiten geht es so knapp zu, dass sich BMW sogar die Kopfstützen gespart hat. Innen gibt sich das Coupé luxuriös und komfortabel: Es gibt deshalb reichlich Lack und Leder, ein paar neue Designdetails wie Zierelemente aus Glas auf dem Schaltknauf, und ein stark ... ...auf den Fahrer fokussiertes Cockpit, in dem neue gestaltete Digitalinstrumente flimmern.

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Gleich zum Anfang holte BMW den Hammer raus. Zur Einführung des Top-Modells stellten die Münchner den M850i xDrive vor, die Power-Version der neuen 8er-Serie. Das ist wohlgemerkt nicht die offizielle M-Version, das wird der M8. Aber noch bevor man das Design, den Sound und die Leistung des Kronjuwels von BMW bewundern konnte, wurde man belehrt, dass der M850i nur der Erste einer Modellserie ist. Die folgenden Exemplare werden a) mehr PS, b) weniger PS und c) weniger Dach haben. Dazu kommen mehr als vier Türen und schliesslich noch ein Selbstzünder. Irgendwie schwächte das den ersten Eindruck ein wenig ab, doch dann stieg man in das Fahrzeug und drückte auf den kleinen Knopf neben dem Getriebewählhebel. Der Motor erwachte mit einem herrlichen Grollen zum Leben und die Welt war wieder in Ordnung.

Mit ihrem neuen Kronjuwel beweisen die Bayern, dass sie – egal was sie auch sonst tun, um uns das Fahren abzunehmen – immer noch Autos bauen, die für Selberfahrer konzipiert sind. Acht Zylinder aus 4,4 Litern Hubraum leisten 530 PS und ein Drehmoment von 750 Nm gehört heutzutage im Segment der luxuriösen Top-GTs fast schon zur Norm. Im 8er jedoch scheinen sie eine urtümlichere Kraftentfaltung zu zeigen als bei anderen Herstellern. Die enorme Wucht wirkt ein wenig direkter auf Strasse und Rückgrat und man erinnert sich daran, dass 750 Newtonmeter auch in High-Tech-Fahrzeugen recht imposant sind.

Gewarnt waren wir ja bereits, zumal die Rennversion des 8ers ja schon ein Weilchen Furore auf den Rennstrecken der Welt macht. Was genau bedacht ein bisschen verwunderlich ist: dass in unserer schnelllebigen Zeit die Racing-Ausführungen früher erscheinen als die Modelle, auf denen sie basieren. Aber sei’s drum. BMW wollte mit dem Renneinsatz offensichtlich ein Zeichen setzen: Die offiziellen Gegner des neuen Modells kommen nicht mehr aus Stuttgart-Untertürckheim, sondern aus Zuffenhausen, Affalterbach oder gar Warwickshire.

Mit dem 8er wird der 6er grösstenteils verschwinden

Das mag wahre und treue Bimmer-Fans jubeln lassen. Was die Freude am Fahren ein wenig trübt, ist die Tatsache, dass mit dem Erscheinen des 8ers der 6er, ebenfalls ein äusserst gelungener Sportwagen, verschwinden wird. Jedenfalls zum grössten Teil, denn er wird in einer BMW GT-Variante weiter existieren. Aber das ist nichts Neues für BMW: Als der 850i in seiner E31-Inkarnation vor fast 30 Jahren erschien, ersetzte er den BMW E24 6er – und nicht alle waren wirklich glücklich darüber.

Erstaunlicherweise widersetzt sich die moderne 8er-Serie dem Trend des «bigger is badder». Der Neue ist um fünf Zentimeter kürzer, ein wenig breiter – und er sitzt tiefer als der 6er. Dafür wiegt das Fahrzeug allerdings deutlich mehr. Der M850i xDrive hat BMWs bekannten Vierradantrieb, die ebenfalls ruhmreiche 8-Gang-Automatik und besteht zu grossen Teilen aus Aluminium, Magnesium und Kohlefaser. Man sollte also erwarten, dass er sich so oder ähnlich wie sein Vorgänger benimmt. Aber der 8er ist mehr: Die Lenkung wirkt direkter, die Strassenlage aggressiver, der Gesamteindruck ist mehr Nürburgring als Maximilianstrasse. Der Allradantrieb ist hecklastig ausgelegt, und im «Sport Plus»-Modus wird aus ihm fast ein echter Heckantriebler. BMW hat seine alten Fans wiederentdeckt.

Was das Aussehen betrifft, bekommt Adrian van Hooydonks Team eine glatte 10. Die Touchflächen anstelle von Türgriffen fielen zwar ebenso wie die Rückleuchten und die SciFi-Aussenspiegel konventionelleren Lösungen zum Opfer, aber der 8er ist als Gesamtkunstwerk allen Vorgängern an Dynamik und Kraftausstrahlung überlegen. Na ja, den meisten jedenfalls.

Im Innern wirds intim

Im Innern dominieren Sitze, die den unteren Rücken schon beim Anschauen in den Schalen festzurren. Sitzt man erst mal drin, wird’s noch intimer. Das neue Digital-Cockpit ist Standard im 8er und alle Armaturen schmiegen sich um den Fahrer – eine herrliche Reminiszenz an die BMWs vor 20, 30 Jahren.

Schon bei der Vorstellung des 8-Series Concept vor über einem Jahr in Como war das Fahrzeug ein Hit. Für 160'300 Franken könnte der M850i xDrive auch ein kommerzieller Erfolg für den bayrischen Hersteller werden.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • leser am 22.06.2018 06:36 Report Diesen Beitrag melden

    artikel aus dem ausland

    125'700 Euro ... kann ich den hier in der Schweiz auch mit Franken bezahlen? ansonsten optisch ein gelungenes Modell, doch wieder einmal übertrieben für die Schweizer Strassen.

  • Shredder X am 22.06.2018 08:10 Report Diesen Beitrag melden

    Willkommen in der GT-Familie

    Schickes Coupe, dass die GT-Familie gut ergänzen wird. Bis auf die Tatsache, dass ich 2-Sitzige GT´s bevorzuge, gefällt mir dieses neue Modell von BMW auch sehr gut. Endlich mal wieder ein sportliches Fahrzeug, dem man auch diese sportliche Erscheinung abnimmt.

  • Vertical Style am 22.06.2018 09:44 Report Diesen Beitrag melden

    Mega schön

    Bin sonst nicht so auf BMW. Aber dieses Design empfinde ich als höchst gelungen. Sitze mit ausziehbaren Oberschenkelauflagen sah ich zuletzt auch nur noch bei Benz und Opel bzw. GM. Hätte ich das Kleingeld, oh ja!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Spengler am 27.06.2018 18:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dellendesign

    Ist wirklich der Hammer! Und die praktischen, seitlichen Anlehndellen sind schon in Serie dabei, damit Machmed sie später nicht mehr selbst machen muss.

  • BMW 2000 am 26.06.2018 10:48 Report Diesen Beitrag melden

    total daneben

    BMW hat mal schöne Autos gebaut ... jetzt anscheinend nur noch unförmige Monsterkisten, schade! Nur schon das Heck; Mischung zwischen Hyundai Coupe und 90er Toyota Celica - schlimmer geht wohl nicht mehr. Ev. schön zu fahren auf Langstrecken - also 1-2mal pro Jahr aber für den Alltag ... neh.

    • Peter Würg am 27.06.2018 18:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @BMW 2000

      Ist halt ein würdiger Nachfolger des ach so hübschen Sechsers.

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  • Manu am 25.06.2018 15:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    e-BMW für den Umweltschutz?

    Das Teil ist nicht der Hammer, sondern eher das Resultat der Masslosigkeit einer dekadenten Zeit.

  • Alfons am 24.06.2018 17:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tolles Auto

    Schade, dass BMW bei dieser neuen Unsitte mitmacht und diese Übergrossen Endrohre verbaut. Weniger wäre mehr!

  • Guschti am 23.06.2018 14:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Völlig neben der Zeit

    Also mir scheint nach dem Lesen des Artikels über den 145'er, die Schweden haben vor 50 Jahren die praktischeren Autos gebaut. Diesen BMW wird es nach dieser Zeitspanne sicher auch kaum mehr fahrbar geben.

    • No Protz am 26.06.2018 10:38 Report Diesen Beitrag melden

      igitt

      zum Glück wird er bald nicht mehr fahrbar sein, sonnst müssten wir das Teil ja noch länger ertragen ¦-D

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