Car of the week

25. Mai 2018 05:00; Akt: 24.05.2018 23:03 Print

Der erste seiner Art

von Michael Köckritz - Wann baute Audi zum letzten Mal ein Auto mit einem Heckantrieb – mal abgesehen von den Rennfahrzeugen aus der DTM und den alten Tourenwagen-Serien? Insofern ist der neue R8 V10 RWS der erste in der Geschichte der Automarke – und vielleicht der Anfang eines neuen Kapitels.

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Eine kleine Revolution ist es schon. Ein Audi, nicht mit Quattro oder Frontantrieb, sondern allein von den Hinterrädern angetrieben. RWS nennen die Ingolstädter ihren Testballon, Rear Wheel Series, und man richte das Augenmerk auf den Plural. Denn den könnte es so deuten, dass, wenn die Reaktionen auf die Richtungsänderung in Sachen Antriebsart positiv ausfallen, es in Zukunft auch den A6 mit Hinterradantrieb geben wird. Oder ist das Ganze nur eine PR-Offensive, die Ingolstadt (und der R8) ganz gut gebrauchen könnte? Vielleicht aber plant die Volkswagen-Tochter auch eine ganz neue Produktstrategie mit einer RWS-Untermarke? 999 R8 RWS sind produziert – und schon verkauft, sagt Audi. Also wäre eine der Fragen schon mal geklärt.

Der erste Schritt nach hinten kann so schwer nicht gewesen sein. Die Basisversion des R8 ist ein ausgereifter, am Markt gut etablierter Sportwagen mit – je nach Variante – mehr als ausreichender Kraft und exzellentem, gut kontrollierbarem Fahrverhalten. Eine Heckantriebs-Version zu konstruieren war sicherlich kein Unterfangen, das die Kosten für Research & Development in astronomische Höhen katapultierte, genauso wenig. Auch der Verzicht auf Allradantrieb, vordere Kardanwelle, Lamellenkupplung und Mittendifferenzial. Die konzeptionelle Diät brachte auch noch rund 50 Kilo Gewichtseinsparung, was den RWS nun auf 1590 Kilogramm bringt. Das ist noch um einiges mehr als beispielsweise ein McLaren wiegt, aber immerhin. Obwohl leichter, beschleunigt der RWS trotzdem um einen Wimpernschlag langsamer als der reguläre R8 V10 – 3,7 Sekunden verglichen mit 3,5 auf 100 – aber sei’s drum.

Keine grossen Unterschiede zum Fahrverhalten des R8 Quattro

Drift-Enthusiasten, die sich auf eine niederbayrische Heckschleuder gefreut hatten, als der RWS auf der letztjährigen IAA vorgestellt wurde, werden eventuell leicht enttäuscht sein, denn für einen Revolutionär kommt der RWS recht handzahm einher. Audis Kontrollsysteme arbeiten so gut, dass man sich ein wenig Mühe geben muss, damit die 540 PS aus dem 5,2 Liter Saugmotor das Heck zum kontrollierten Ausbrechen bringen. Im Gegenteil, selbst jene sportlich ambitionierten Fahrer, denen das Viel-Slide-Viel-Fun-Gen der Drifters fehlt, werden sich schwer tun, grosse Unterschiede zum Fahrverhalten des R8 Quattro zu finden.

Was unsere nächste Frage beantwortet –nämlich die ob man den Quattro-Antrieb überhaupt noch braucht. Zugegeben, alle Grossen und Teuren haben heute Vierrrad, und die Marketing-Abteilung bei Audi dürfte auch ein Wort mitreden wollen, immerhin ist der Quattro weltweit ein Verkaufsargument. Dazu hat man sich dann doch nicht getraut, den 610 PS Motor aus der Plus-Stufe des R8 V10 auf die Hinterachse loszulassen. Aber die Konzeption und Konstruktion eines Vierradantriebs kostet mehr Geld, als man für eine perfekte Fahrwerks-Konditionierung per moderner Elektronik benötigt. Selbst ein 50-Kilo-Gewichtsverlust macht sich bei den immer enger werdenden Emissions- und Verbrauchswerten positiv bemerkbar.

Einer der am besten ausbalancierten Strassensportler

Sei es, wie es wolle, sieht man den RWS als puren Sportwagen an, so ist er ein Erfolg. Wie die Stallkollegen des R8 in der Quattro-Variante ist er einer der am besten ausbalancierten Strassensportler, die man für viel Geld kaufen kann. Er mag nicht über die filigrane Exotik eines McLaren oder den über-coolen Sexappeal eines Aston Martins verfügen, aber er ist leichtfüssig, direkt und ausgereift, und – obwohl ein wenig ins Alter gekommen – ist er das Vorbild eines zuverlässigen Sportwagens.
Oder gerade deshalb.

Am Motor soll’s jedenfalls nicht liegen. Audis V10 gehört immer noch zu den besten Aggregaten da draussen, eine Saugmotor-Ikone, die heute genau soviel Spass macht wie gestern. Die Doppelkupplung hat gewonnen, die Handschaltung wird nicht mehr angeboten, was viele bedauern werden. Die Dämpfer sind ein bisserl steifer, ebenso wie die vorderen Stabis. Und das Dynamic-Steering-System ist weg, weil man es beim Hinterradantrieb wohl nicht mehr braucht.

Als Fazit bleibt: Nicht der Marketing-Test überrascht beim neuen Audi, und auch nicht die etwas zu jugendliche Bemalung, die den RWS äusserlich vom Standard-R8 unterscheidet. Es ist vielmehr die Tatsache, dass der Rear Wheeler ganze 26 000 Euro weniger kostet als der Quattro.
Da fragt man sich natürlich, ob der A6 RWS auch billiger wird…

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Obelix am 25.05.2018 06:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Keine Abwechslung

    Diese Dominanz von VAG Produkten in euren Berichterstattungen ist alls andere als subtil...

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  • small-block am 25.05.2018 08:34 Report Diesen Beitrag melden

    vier Nullen

    Dachte auf dem ersten es handle sich um ein TT.

  • H. S. aus A. am 25.05.2018 07:10 Report Diesen Beitrag melden

    Flachgedrückter VW Beetle

    Das Ding sieht für mich auch im 2018 noch aus, als hätte man einfach einen VW Beetle flachgedrückt. Und wenn einem Prestige so wichtig ist und schon Lamborghini drunter ist, warum dann nicht gleich Lamborghini fahren? Ein Audi lockt jetzt doch wirklich keinen hinter dem Ofen hervor.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Senator am 31.05.2018 09:17 Report Diesen Beitrag melden

    nur nicht auffallen

    klar kauft man sich keinen Audi wenn man auffallen will, aber das will ja auch nicht jeder. als Autofahrer geht man halt sooo schön in der Masse unter - sozusagen der Biedermann von heute, das was früher Opel war

  • Copy Paste am 28.05.2018 19:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    "Der erste seiner Art"

    Auch wenn Audi den Slogan von Volvo kopiert, dessen Niveau erreichen sie trotzdem nicht ...

  • Drehmoment am 26.05.2018 17:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    der Schlüssel zum Erfolg

    Dan doch lieber eine Corvette.

  • Snuups am 26.05.2018 10:47 Report Diesen Beitrag melden

    Zu langweilig

    Zu langsam. Die Elektrofahrzeuge haben schon längst den Markt sportlicher Autos fest im Griff. Sogar Porsche hat das erkannt das es in Zukunft elektrisch weiter geht.

  • frizz am 26.05.2018 10:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Griff in die Mottenkiste

    Nein, ihr Audi-Designer! Das reicht nicht. Dieser R8/Gallardo-Mix von vorgestern. Natürlich, ich bin auch für Erhaltung des Gesamtbildes, des Corporate Design, Stiltreue. Aber da wäre nun schon etwas mehr Emotion angebracht.

    • Turbovic am 28.05.2018 20:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @frizz

      Dann... steig in den R8 und Fahre ein Paar Runden, natürlich schaltest du die Gänge Manuel durch. Tja und dann wette ich mit dir, kommen die Emotionen. ;-) ;-) ;-)

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