Ferrari der Woche

31. Oktober 2017 05:30; Akt: 30.10.2017 14:14 Print

Ein wahrer Verlierer

Diese Geschichte handelt von einem Verlierer. Von einem Ferrari 340 Mexico, der gebaut worden war, um grosse Rennen zu dominieren - und keinen Blumentopf gewann.

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Es gibt so ein paar Autorennen, die sind wichtiger, strahlender, grossartiger als alle anderen. Heute sind das der Grosse Preis von Monaco, die 500 Meilen von Indianapolis, die 24 Stunden von Le Mans und, trotz gewissen Abstrichen in den vergangenen Jahren, auch noch die Rallye Monte Carlo. Bis in die 70er Jahre gehörte auch die Targa Florio auf Sizilien zu diesen wirklich ruhmvollen Rennen, und noch ein zweites Rennen in Italien darf ewigen Ruhm für sich in Anspruch nehmen, die 1957 letztmals durchgeführte Mille Miglia. Und dann gibt es: «la Carrera Panamericana».

Die Mexikaner waren mächtig stolz darauf, als sie Ende der 40er Jahre ihren Teil der Panamericana, einer Schnellstrasse quer durch Nord- und Südamerika, fertig gestellt hatten. Das musste gefeiert werden - natürlich am besten mit Auto-Rennen. Am 5. Mai wurde die erste «Carrera Panamericana», die von der Grenze zu den USA 3436 Kilometer nach El Ocotal führte, gestartet; das Rennen führte über neun Etappen, dauerte sechs Tage und wurde von McGriff/Eliott auf einem Oldsmobile 88 gewonnen. Bei dieser ersten Austragung waren nur Limousinen in - mehr oder weniger - serienmässigen Zustand zugelassen. Von den europäischen Herstellern hatte sich Alfa Romeo so ein wenig engagiert (aber immerhin mit den bekannten Fahrern Piero Taruffi und Felice Bonetto), doch es sprach sich bei den grossen europäischen Marken schnell herum, dass das Rennen quer durch Mexiko etwas ganz Besonderes war. 1951 wurde von Süden nach Norden gefahren, Start war in Tuxtla, das Ziel in Ciudad Juarez.

3 Ferrari, von «Industrias 1-2-3» gemeldet. Oder doch nicht?

Doch hier geht um das Jahr 1952, um die dritte Carrera, die vom 19. bis 23. November stattfand. Porsche trat an, mit einem speziellen 356 S, gemeldet vom Fürsten von Metternich, das «Comité Gordini de Mexico» war dabei, mit zwei T15S, auch Lancia hatte sich gemeldet, mit drei Aurelia 20B, gesteuert von Bonetto, Casablanca und Umberto Maglioli, der 1951 Zweiter geworden war bei der Mille Miglia. Dann gab es drei offizielle Mercedes 300 SL (Lang/Grupp, Kling/Klenk, Fitch/Geiger) und eine ganze Horde von Ferrari. Letztere wurden zwar nicht vom Werk gemeldet, doch die drei 340 Mexico, alle unter dem Banner von «Industrias 1-2-3» startend, waren eindeutig von Maranello aus auf den Weg nach und durch Mexiko geschickt worden. Das zeigen allein schon die prominenten Fahrer, die für Ferrari antraten. Der 340 Mexico mit der Startnummer 14 wurde pilotiert von Alberto Ascari (der gerade Formel-1-Weltmeister geworden war, und diesen Erfolg 1953 noch einmal wiederholen sollte) und Giuseppe Scotuzzi, der 340 Mexico mit der Startnummer 16 war mit Luigi Villoresi/Nino Cassani besetzt. Und der 340 Mexico (0224 AT) mit der Startnummer 20 wurde von Vorjahressieger Luigi Chinetti sowie Jean Lucas bewegt.

Ascari legte auch gleich mal los wie eine Furie, hatte nach 80 Kilometern schon neun Konkurrenten überholt - und warf seinen 340 Mexico dann in einen Abgrund. Villoresi gewann die 2., 3. und 4. Etappe, schaffte es immerhin bis zum dritten Tag, dann war auch der zweite 340 Mexico weg. Der dritte 340 Mexico von Chinetti schaffte es auf keiner einzigen der acht Etappen auf den ersten Rang, am Schluss wurde 0224 AT - genau das Fahrzeug, das auf den Bildern hier zu sehen ist - Dritter, hinter den zwei Benzen von Kling/Klenk und Lang/Grupp, mit sehr deutlichem Rückstand. Eigentlich hätte es nicht einmal fürs Podium gereicht, aber der dritte 300 SL war disqualifiziert worden, weil ein Mechaniker den Wagen unvorsichtigerweise berührt hatte, ausserhalb des «parc fermée». Wie eingangs erwähnt: dieser Ferrari ist ein Verlierer.

Die deutschen Produkte waren um Welten besser

Zur Ehrenrettung muss aber auch erzählt sein, wie Mercedes seine Gegner in Grund und Boden fuhr. Die Deutschen hatten die «Carrera» generalstabsmässig geplant, waren die Strecke anscheinend mehrfach abgefahren - und Hans Klenk war der erste Beifahrer, der seinem Piloten eine Art «Roadbook» vorlas. Kling/Klenk konnte nicht einmal ein Geier bremsen, der bereits auf der ersten Etappe in die Frontscheibe einschlug und Klenk ziemlich heftig verletzte. Mercedes montierte danach acht Querstreben vor die Frontscheibe des Flügeltürers, was zwar nicht besonders schön aussah, aber die Geier anscheinend nachhaltig abschreckte. Rein von den Fahrleistungen her hätten die Benzen keine Chance haben dürfen gegen die Ferrari 340 Mexico. Die 3-Liter-Sechszylinder der Mercedes kamen 1952 auf etwa 175 PS, die 4,1-Liter-V12 der Ferrari auf etwa 280 Pferde. Aber aerodynamisch waren die deutschen Produkte um Welten besser, und leichter waren sie auch, und das war in einer Zeit, als die Rennwagen noch mit Trommelbremsen ausgestattet waren, ein grosser Vorteil.

Den V12 des 340er hatte Aurelio Lampredi konstruiert. Erstmals eingebaut war dieser 4,1-Liter (Bohrung x Hub: 70 x 68 mm) in den 340 America, der Ende 1950 auf dem Salon in Paris vorgestellt worden war; der Name war eine klare Andeutung darauf, wo diese grossen Wagen verkauft werden sollten. Die America schafften etwa 220 PS, mit drei Weber-Doppelvergasern. Insgesamt 25 340 America wurden gebaut, fünf Coupés von Ghia, zwei weitere Coupés und sieben Barchettas von Touring, dann noch fünf Coupés, fünf Spider und ein Cabrio von Vignale. Die drei Coupé vom 340 Mexico wurden von Vignale eingekleidet, die eine Barchetta von Ghia. Und Erfolg hatte der 340 dann doch noch, aber erst 1953, als 340 MM mit etwa 300 PS gewann er die Mille Miglia, mit Marzotta/Crosara.

Der 340 Mexico gewann nichts, aber auch gar nichts!

Chinetti, unterdessen zum Ferrari-Importeur in den USA ernannt, kaufte 0224 AT trotzdem, und setzte ihn 1953 bei der Mille Miglia ein. Doch Castellotti/Regosa brachten den Wagen nicht bis ins Ziel, und auch bei den 12 Stunden von Reims sowie dem 12-Stunden in Pescara (Coppa Acerbo) gewann dieser 340 Mexico nichts, aber auch gar nichts. Er bestritt - natürlich erfolglos - noch ein paar weitere kleinere Rennen, bis ihm 1955 ein Strafverteidiger namens Bill Galvin für lächerliche 3500 Dollar kaufte - und seiner Frau schenkte. Viel Freude schien sie an diesem Geschenk aber nicht gehabt zu haben, schon wenige Monate später wurde 0224 AT weiter verkauft, und gleiches geschah ihm in den nächsten Jahren noch öfter.

Mehr Ferrari gibt es immer auf www.radical-mag.com.

(pru)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • a.sch. am 31.10.2017 13:30 Report Diesen Beitrag melden

    nicht traurig sein

    schenkt mir das auto, dann bekommt automatisch ein lächeln :) und das auto gewinnt endlich ... mein herz. love oldtimer

  • Autosammler am 31.10.2017 17:51 Report Diesen Beitrag melden

    Wunderbar

    es ist einfach schön das solches Kulturgut erhalten bleibt

  • Italiano am 05.11.2017 18:58 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Blumentopf?

    Genau so wie Schweizer (z.B. Sauber) auf der Rennstrecke seit es Rennen gibt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Italiano am 05.11.2017 18:58 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Blumentopf?

    Genau so wie Schweizer (z.B. Sauber) auf der Rennstrecke seit es Rennen gibt.

    • Hosche am 05.11.2017 21:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Italiano

      Sauber-Mercedes hat 1989 die 24 Stunden von Le Mans gewonnen.

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  • Ein Autonarr am 31.10.2017 21:38 Report Diesen Beitrag melden

    Darf ich was sagen?

    Also, meine AC-Cobra mit dem Big-Block und den Sidepipes gefällt mir mit Abstand besser, und der Sound ist der absolute Hammer.

    • autosammler am 01.11.2017 08:58 Report Diesen Beitrag melden

      Ein Witz

      Sie wollen ihre Replica doch nicht mit dem hier verwechseln. nicht einmal eine Millionen schwere echte Cobra wird jemals diesen Status erreichen

    • Volkan S. am 05.11.2017 10:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Ein Autonarr

      So eine AC Cobra ist schon schön, vorallem wenn es keine Replica ist. Aber tut hier absolut gar nichts zur Sache, weil er mit Ferrari im Allgemeinen und diesem geschichtsträchtigen Exemplar im Besonderen nicht vergleichbar ist, ja nicht mal in einem Satz genannt werden darf. Meine Meinung.

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  • Autosammler am 31.10.2017 17:51 Report Diesen Beitrag melden

    Wunderbar

    es ist einfach schön das solches Kulturgut erhalten bleibt

  • a.sch. am 31.10.2017 13:30 Report Diesen Beitrag melden

    nicht traurig sein

    schenkt mir das auto, dann bekommt automatisch ein lächeln :) und das auto gewinnt endlich ... mein herz. love oldtimer