Opel Ampera-E

06. November 2017 05:00; Akt: 05.11.2017 12:36 Print

Im Strom der Zukunft

von Andreas Faust - Einfacher Antrieb, aber dennoch ein Computer auf Rädern: Opels Elektromodell Ampera-E fordert im Alltag Mitdenken.

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Schaut eigentlich jemand ins Handbuch seines Autos? Fahren ist doch intuitiv: Die Füsse sortiert man auf den zwei bis drei Pedalen, das Lenkrad erklärt sich von selbst und wenn es orangerot leuchtet, sollte man tanken.

Bei einem Elektroauto wie Opels Ampera-E wäre es noch einfacher: Kein Verbrenner, weder Kupplung, noch Getriebe. Einfach Einschalten, Wählhebel auf P und das Fahrpedal treten. Mit Geschick im Fuss übernimmt das Auto selbst das Bremsen – per Rekuperation, wenn der Motor als Generator geschaltet Energie zurückgewinnt und Tempo herausnimmt. Mit Übung hält man punktgenau vor dem Rotlicht.

Der Ampera-E kommt weiter als die Konkurrenz

Theoretisch 520 Kilometer schafft Opels erstes Elektroauto mit einer Batterieladung, im Alltag sind es immerhin reale 380 Kilometer. Ein Wert, bei dem alle Konkurrenzmodelle längst an der Steckdose hätten nuckeln müssen. Aber deutlich weniger als mit einem Verbrennungsmotor, dem man noch im hintersten Tal neuen Sprit kaufen kann. Strom gibt es zwar auch überall, aber nicht in der kurzen Zeit eines Tankvorgangs: An der normalen Steckdose saugt der Ampera-E innert 30 Minuten gerade genug Strom für sechs Kilometer; mit Gleichstrom-Schnelladung werden es immerhin 150 Kilometer.

Deshalb muss man ins Handbuch schauen, um den Ladevorgang optimal zu programmieren. Für längere Strecken vorab nach Schnellladern schauen. Und bei Autobahntempo steigt der Strombedarf überproportional an – also etwas mehr Zeit für Ladepausen einplanen. Fürs tägliche Pendeln – die meisten fahren kaum mehr als 40 Kilometer am Tag – passt der Ampera-E natürlich optimal. Wöchentliches Laden dürfte dann genügen. Und er lässt sich wie jedes andere Auto nutzen: Der Kofferraum von 381 bis 1274 Litern ist klassenüblich, und obwohl er kürzer ist, bietet der Ampera-E mehr Platz im Innenraum als Opels Astra. Das merkt man ohne Handbuch.

Opel Ampera-E

Karosserie: 4,17 Meter langes, 5-türiges Kompaktauto.
Antrieb: Elektromotor mit 204 PS (150 kW) und 360 Nm.
Getriebe: einstufiges Getriebe (serienmässig).
Fahrleistungen: 0-100 km/h in 7,3 Sekunden; 148 km/h Spitze.
Verbrauch: 14,5 kWh/100 km (Werksangabe), 16,4 kWh/100 km (Testverbrauch).
CO2-Ausstoss: 0 g CO2/km, 12 g CO2/km aus Stromproduktion (Werksangabe).
Preis: Ab Fr. 41'900 (ohne Optionen).
Infos: www.opel.ch

IN KÜRZE

Der Hersteller sagt:
« So geht Elektromobilität: mit dem Antritt eines Sportwagens und der grössten elektrischen Reichweite in seinem Segment.»

Wir sagen:
Keine Diskussion bei der Reichweite. Theoretisch verspricht Opel rund 500 Kilometer und praktisch liegen immerhin 380 Kilometer drin. Vergleichbares schafft derzeit nur ein Tesla, zum allerdings zweieinhalbfachen Preis. Aber: Ernsthafte Sportwagen lässt der Ampera-E höchstens bis Tempo 50 stehen und sein Tramsurren ist natürlich kein Ersatz für die Klangwucht eines V8.

Das gefällt:
Wie entschleunigt – aber keinesfalls langsam – man unterwegs ist. Wie man mit Fahrpedal und Rekuperation spielen kann, ohne einmal die mechanische Bremse nutzen zu müssen. Und das keine Batteriekiste im Fussraum stört, weil der Akku unterflur montiert ist.

Das eher weniger:
Manchem wird es so passen, aber der Ampera-E federt und dämpft recht sportlich und straff – also schön langsam über Temposchwellen fahren. Und am Hartplastik im Interieur spürt man, wo Opels Ex-Konzernmutter General Motors den Rotstift angesetzt hat.

Spannendes Detail:
Spannung gibt es nur in der Batterie. Dafür überzeugt der Bordcomputer, der alle Fahrdaten aufzeichnet und so beim Stromsparen hilft.

Wer fährt so was?
Vernunftbegabte, die mit ihrem Elektroauto nicht bloss posieren wollen.

Alternativen dazu:
So weit zu diesem Preis kommt man derzeit mit keinem anderen E-Mobil. Nissans neuer Leaf wird aber ab Januar aufholen.

Am Steuer:
Andreas Faust, Autor für Textlab GmbH und Chefredaktor beim Automagazin «Vectura».

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hugo von Sinnen am 06.11.2017 07:24 Report Diesen Beitrag melden

    Mit "P"

    "Einfach Einschalten, Wählhebel auf "P" und das Fahrpedal treten." Dann passiert gar nix, den "P" bedeutet "PARK" und nur mit "D" = DRIVE kann man/frau losfahren.....

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  • Elektron am 06.11.2017 05:56 Report Diesen Beitrag melden

    Endlich mal etwas für Normalsterbliche

    Als Kurzstrecken Cowboy liebäugelte ich mit eine Renault Zoe. Aber die effektive Reichweite unter praktischen Bedingungen, gemäss anderen Besitzern, enttäuschte mich. Den Ampera finde ich, trotz US Innereien, vielversprechend. Ich werde mir den mal ansehen. Ein Manko: Anscheinend kann er nicht mit 3-phasigen Drehstrom umgehen und kann nur mit einer Phase geladen werden (Wegen USA Stromanschluss. Folge: Zu lange Ladezeiten). Das hätte man besser machen können. Vielleicht bessert Cevy nach oder Opel "customized" für den EU Markt. Und: Was wird PSA mit einem Cevy Modell machen? Ausmustern?

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  • Peter am 06.11.2017 11:08 Report Diesen Beitrag melden

    Guter Bericht

    Den Bericht finde ich gut. Er ist objektiv und zeigt beide Seiten der E-Mobilität auf. Mit dieser Batteriekapazität ist der Ampera absolut altagstauglich.

Die neusten Leser-Kommentare

  • EV Fan am 08.11.2017 20:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht Lieferbar

    Das ist einmal mehr ein Ankündigungs Fahrzeug. Lieferbar ist und wird er nicht sein, so wie seine DE Kollegen. Und die Presse plappert alles nach ohne zu recherchieren. 2020 sollen alle auf den Markt kommen. Fakt ist dass man jetzt in Batterie Produktion investieren müsste und zwar mit richtig viel Geld. Das macht aber nur ein Amerikanischer und ein paar Chinesische Hersteller. Ich bin gespannt wer dann mal liefern wird.

    • Alois Stöckli am 09.11.2017 19:42 Report Diesen Beitrag melden

      Problemlos Lieferbar

      Nun wollte ich es wissen. Bin heute zum Händler, hab einen Bestellt, sogar noch dieses Jahr lieferbar. Intressierte sollten vielleicht mal ersthaft nachfragen. Aktuell ist ein Ampera bei uns also problemlos zu bekommen. In anderen Ländern sieht das anders aus. Wers nicht glaubt, soll doch einfach mal auf dem wohl bekanntesten Online-Marktpatz suchen, Aktuell sind alleine da sieben Neufahrzeuge ausgeschrieben.

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  • Alois Stöckli am 08.11.2017 18:34 Report Diesen Beitrag melden

    Mehr davon.

    Das ist doch schon mal was. Das Fahrzeug hat genügend Platz, Leistung, Komfort und Reichweite. Dazu einen äusserst energieffizienten Antrieb. Das es so viele Gegner dieser Technik gibt, ist mir nicht verständlich. Pluspunkte sind: Keine Abgase. Weniger Lärm. 4-5 mal energieeffizienter wie ein Verbrenner. Weniger Unterhaltskosten. Strom muss zwar nicht, kann aber, selber hergestellt werden. Auch wenn so ein Fahrzeug immer noch nicht wirklich umweltfreundlich ist, es ist trotzdem um vieles besser wie jeder Verbrenner. Für den Alltag problemlos passend.

  • Steff am 07.11.2017 01:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Opel

    Zu Teuer und die Ladezeiten gehen mir zu lang.

  • slowdiver am 06.11.2017 23:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Opel Ampera (Jg 2011)

    Die Skepsis gegen E-Autos ist immer noch so hoch, wieso? Fahre seit 5,5 Jahren einen Opel Ampera (mit Reichweitenverlängerer). Ein tadelloses Auto. Wenn der Akku nach 60-70km schlapp macht kommt der Benziner zum Zuge. 52000km/564lt.Benzin = ca. 1,1lt./100km. Der Rest mit Energie von meinem Hausdach, kostenlos (nach der Anschaffung).

    • LLLL am 07.11.2017 19:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @slowdiver

      Super, fahre seit gut 3 Jahren einen Chevy Volt, 64000km mit durchschnittlich 1,2lt/100km und 10kWh Strom, Reichweite im Pendelverkehr 90km Autobahn und Hauptstrasse mit Akku, gesamtreichweite ca. 650km. Leider hat der neue Ampera einen zu hohen verbrauch. Bin mal gespannt was der neue Chevy Bolt im täglichen Verkehr macht. Tanke übrigens auch Sonnenenergie vom eigenen Dach.

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  • Sacha CH am 06.11.2017 18:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Qualität?

    An der Auto Zürich nahm ich eine Sitzprobe. Und wurde enttäuscht. Billigste Materialien im Innenraum. Hart-Plastik, soweit das Auge reicht. So macht es keinen Spass. Auffallend: das Interesse an diesem Auto wie an anderen Elektroautos war nicht vorhanden. Ausnahme bei Tesla...

    • skeptiker am 11.11.2017 11:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Sacha CH

      ich staun immer wieder wie viel wert auf die materialien gelegt wird. dann steht man bei ikea oder lidl, wohnt im sozialen wohnungsbau,etc. aber das auto muss hochwertig sein. mag bei ihnen anders sein. aber die tendenz stimmt.

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