Erdölvereinigung

06. März 2018 11:00; Akt: 05.03.2018 22:57 Print

«Es wäre dumm,
 Diesel und Benziner abzuschreiben»

von Dieter Liechti - Roland Bilang, Direktor der Erdöl-Vereinigung, erklärt im Interview, wie die Tankstelle der Zukunft aussehen könnte.

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«Hotspots der Mobilitat»: Geht es nach Roland Bilang (Bild), werden Tankstellen auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen. (Bild: Erdöl-Vereinigung)

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Die Erdöl-Vereinigung ist dieses Jahr zum ersten Mal am Auto-Salon zu Gast. Machen Sie sich Sorgen um Ihre Zukunft?
Im Gegenteil. In Genf zeigen ja die Hersteller, wie die Wege in die mobile Zukunft aussehen könnten. Die Mineralölbranche ruft sich mit diesem Engagement als Mobilitätsdienstleister in Erinnerung und zeigt, wie sie sowohl Automobile als auch Menschen unterwegs mit Energie versorgt – im wörtlichen und übertragenen Sinn. Denn das Tankstellennetz unserer Mitglieder wird für diese Versorgung weiterhin die entscheidende Rolle spielen.

Sie werden am Stand 6239 in der Halle 6 die «Tankstelle der Zukunft» zeigen. Was versteckt sich dahinter?
An unserem Stand, den wir in Partnerschaft mit der Empa und Hyundai betreiben, stellen wir die Tankstelle als Bindeglied zwischen den neusten technischen Entwicklungen und der Mobilität der Massen dar. Tankstellen passen sich dem Fortschritt und den Kundenwünschen ständig an, daher das Motto «Immer in Bewegung». Alleine das Treibstoffangebot wird in den kommenden Jahren reichhaltiger, denn zu den konventionellen Zapfsäulen mit Benzin und Diesel kommen solche mit Wasserstoff, synthetischen Treibstoffen oder Erdgas sowie Stromzapfsäulen hinzu.

Diesel, Benzin, Erdgas, Wasserstoff und Zapfsäulen für Strom. Das tönt eher nach Gegenwart als nach Zukunft.
Stimmt. Aber das liegt daran, dass bei den Treibstoffen keine Revolution stattfindet, wie viele annehmen. Auch Benzin und Diesel sind die Zukunft. Denn auch in den Hybridfahrzeugen, einem stark wachsenden Segment, steckt schliesslich ein Verbrennungsmotor und ein Tank, der an der Tankstelle befüllt werden will. Auf der anderen Seite stehen Wasserstoff und synthetische Treibstoffe, die aus erneuerbarem Strom hergestellt werden, am Beginn ihrer Karriere. Die Zukunft der Tankstellen besteht deshalb darin, das eine zu tun, ohne das andere zu lassen. Niemand braucht zu befürchten, dass er an der Tankstelle der Zukunft kein Benzin mehr bekommt.

Die Autoindustrie ist sich nicht sicher, in welche Richtung sich der Antrieb der Zukunft entwickeln wird? Wie sieht Ihr Zukunftsszenario aus?
Es wäre dumm, den Verbrennungsmotor abzuschreiben. Flüssige Treibstoffe haben grosse Vorteile gegenüber anderen Energieträgern. Dank ihrer hohen Energiedichte sind sie hervorragend für die Lagerung und den Transport geeignet. Strom kann da nicht mithalten. Das Handicap der fossilen Treibstoffe ist natürlich deren CO2-Ausstoss bei der Verbrennung. Seit einigen Jahren geht es nun aber vorwärts mit konkreten Ansätzen, um die fossilen durch biogene und synthetische Treibstoffe zu ersetzen. Der Treibstoffmix wird in Zukunft immer weniger CO2 ausstossen, eines Tages vielleicht völlig CO2-neutral werden. Spätestens dann werden sich die Nachteile der Batterietechnologie endgültig offenbaren.

Hinter der «Tankstelle der Zukunft» dürften sich ja nicht nur Zapfsäulen verstecken.
Nein, Tankstellen werden dank ihrer verkehrstechnisch hervorragenden Standorte als eigentliche Hotspots der Mobilität weiter an Bedeutung gewinnen. Nebst einer Vielfalt an Treibstoffen werden vermehrt Dienstleistungen angeboten, die den mobilen Menschen unterstützen. Zum Beispiel Relax-, Fitness oder Bürozonen, aber auch der Convenience-Bereich wird stets an die Bedürfnisse der Kunden angepasst.

Und wie sieht der Zeithorizont aus?
Bei einigen Tankstellen hat die Zukunft bereits begonnen, ihre Zahl wird laufend zunehmen.

Sie zeigen in Genf anhand des Hyundai ix35 Fuel Cell, wie simpel und sicher der Tankvorgang vor sich geht. Glauben Sie an die Zukunft des Wasserstoffs?
Wir glauben vor allem an ein Nebeneinander verschiedener Technologien und Antriebssysteme. Die Elektromobilität wird sich parallel auf den beiden Technologie-Schienen Batterie und Brennstoffzelle ausbreiten. Interessant wird sein, welche Infrastruktur für die Energiespeicherung und -verteilung mit welchem Aufwand realisiert werden kann. Letztendlich entscheidend ist jedoch die Wahl des Konsumenten. Aber wir glauben an die Zukunft der Fuel-Cell-Fahrzeuge.

Und trotzdem gibt es derzeit erst eine einzige öffentliche Wasserstoff-Tankstelle...
...das stimmt. Aber zwischen dem Wünschbaren, dem Machbaren und dem Bezahlbaren bestehen auch hier grosse Unterschiede. Es braucht Mut, heute eine Wasserstoff-Zapfsäule zu installieren, da erst wenige Brennstoffzellen-Fahrzeuge unterwegs sind.

Zu wenig Autos? Die Hersteller beklagen, dass es zu wenig Wasserstoff-Tankstellen gibt, um Autos zu lancieren. Wer hat recht?
Beide.

Sie verkaufen an Ihrem Stand kein Produkt. Was versprechen Sie sich also von Ihrem Auftritt am Auto-Salon?
Wir sind die einzige Branche, die die individuelle Mobilität unserer Gesellschaft jederzeit und flächendeckend mit Energie versorgen kann – eine Selbstverständlichkeit, die wir in Erinnerung rufen wollen. Darum begegnen wir unseren Kunden am Auto-Salon in einem Umfeld, wo über die Zukunft diskutiert wird. Denn die zunehmenden Mobilitätsbedürfnisse der Menschen einerseits und die Anforderungen des Umweltschutzes andererseits werden uns noch lange beschäftigen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • luca am 06.03.2018 12:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nein.

    das einzige was dumm ist, ist es dem endkonsumenten zu verbieten mit seinem auto zu fahren, von dem er jahrelang den anschein hatte, es war sauber genug. die autokonzerne sollten strafen tragen und nicht der endkonsument.

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  • Bud am 06.03.2018 12:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eines ist Klar.....

    ich lasse mich mit meinem Diesler einfach nicht einschränken solange ich nicht zum gleichen Preis eine sogenannte umweltfreundlichere Alternative habe!!!!

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  • Typhoeus am 06.03.2018 13:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Automobilindustrie

    wird in Zukunft den Ton angeben und zwar von China provokativ mit günstigen Elektroautos, da die Chinesen keine Erdölvorräte haben und neue Produkte für die gesamte dritte Welt lancieren müssen. Sonne, Wind und Erdwärme gibt es genug.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • CaliTaco am 08.03.2018 15:31 Report Diesen Beitrag melden

    Elektro Roller

    Und wo bitte soll all der Elektro Schrott nach dem Ablaufdatum hingeschmissen werden? Macht die Verbrennungsmotor mehr effizient.. Hmm? Ihr so schlauen Inschinoerre?!?

  • vladimir am 07.03.2018 21:01 Report Diesen Beitrag melden

    Black Out

    Elektroautos für alle? Dann bräuchten wir noch etwa 5-6 zusätzliche Atomzentrallen in der Schweiz, andernfalls entsteht am Abend (wenn alle aufladen) ein riesiges Black Out!

  • Manfred.Th. am 07.03.2018 16:47 Report Diesen Beitrag melden

    Neu Diesel Auto mit Windeln!!

    Wie Dumm muss man sein auf Auto mit Diesel oder mit Benzin zu verzichten, nur weil man der Meinung ist ein Elektro Auto sei das Gelbe vom Ei. Wichtig ist bei Diesel Auto das sie mit Windel fahren diese Windel sollen den Feinstaub auf fangen und wenn die Windel voll ist, muss eine neue Windel am Auspuff angelegt werden und das Problem ist behoben! Jetzt kommt es an welche Auto Marke solche Windel für Diesel Auto herstellt.

  • Markus am 07.03.2018 16:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Er hat recht Es wäre dumm, den Verbrennungsmotor abzuschreiben, zumindest für die Erdölindustrie und seine Vereinigung. Für die Umwelt und das Klima, für die Gesundheit und die eigene Brieftasche ist es hingegen sehr gut und äusserst intelligent.

  • stacy am 07.03.2018 16:13 Report Diesen Beitrag melden

    Für Elektromobilität?

    Man sollte die Accus herstellerübergreifend Standardisieren , so das diese problemlos ausgetauscht (Snap on) werden könnten. Z.B 60Ah Packs. Grosse Fzg hätten davon mehrere, während kleine nur einen oder zwei hätten.