Auto-Ratgeber

27. Juni 2018 05:00; Akt: 11.07.2018 15:52 Print

Gilt ein Velofahrer mit 50 in 30er-Zone als Raser?

von Olivia Solari, AGVS - Mike möchte wissen, ob die vielen verkehrsberuhigten Zonen in unseren Städten auch Velofahrer zu Rasern machen können.

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Da bei den meisten Velos kein Tacho montiert ist, kannst die gefahrene Geschwindigkeit nur geschätzt werden. Wer aber Kopf und Verstand einschaltet, fährt oft nicht nur geschmeidiger, sondern auch sicherer. Dies gilt vor allem in 20er- und 30er-Zonen und noch viel mehr für eBikes. (Bild: AGVS)

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Frage von Mike ans AGVS-Expertenteam:
Seit der Einführung und mit der stetigen wachsenden Zahl von 30er und 20er Zonen in der Stadt beschäftigt mich der langsame Verkehr. Ist es einem Velofahrer in einer Tempo-30-Zone erlaubt, mit erhöhter Geschwindigkeit korrekt fahrende Autos zu überholen? Der Velofahrer kann seine eigene Geschwindigkeit im Vergleich mit der Geschwindigkeit der Autos ja gut abschätzen. Gilt man mit dem Velo mit 50 km/h in der 20er-Zone auch als Raser? Wenn nein, warum kann einem Velofahrer bei anderen Delikten der Führerschein entzogen werden?

Antwort:

Lieber Mike

Im Vergleich zum Automobilisten geniesst man auf dem Velo gewisse Freiheiten. Gemäss Art. 42 Abs. 3 Verkehrsregelnverordnung (VRV) darf ein Velofahrer beispielsweise rechts an einer Autokolonne vorbeifahren, wenn genügend Platz vorhanden ist. Ob dies zutrifft, muss stets im Einzelfall beurteilt werden. Dabei fliessen insbesondere die Fahrtgeschwindigkeit, der Geschwindigkeitsunterschied oder auch die Witterungsverhältnisse in die Beurteilung mit ein. Der Velofahrer darf aber keineswegs vor einer roten Ampel im Slalomstil zwischen den Autos hindurchkurven oder auf das Trottoir ausweichen. Velofahrer dürfen auch nicht die Weiterfahrt der Kolonne behindern und sich namentlich nicht vor haltende Wagen stellen.

In der von dir geschilderten Situation fährt der Velofahrer in der 30er Zone jedoch nicht nur rechts an den stehenden Fahrzeugen vorbei, sondern überholt sie mit überhöhter Geschwindigkeit.

Die «passende Geschwindigkeit» sagt dir nur dein Verstand

Im Gegensatz zu den Bussen bei den Autofahrern gibt es für Velofahrer keinen konkreten Bussenkatalog mit Tarifen, in dem die Busse anhand der Höhe der Geschwindigkeitsübertretung abgestuft wird. Velofahrer können nämlich nur aufgrund unangepasster Geschwindigkeit sanktioniert werden. Ob eine solche Situation vorliegt, ist im Einzelfall durch einen Richter zu entscheiden, der die konkreten Umstände zu berücksichtigen hat. Gefährdet der Velofahrer mit seinem Fahrstil zusätzlich andere Verkehrsteilnehmer oder Passanten, muss er aber auf jeden Fall mit Konsequenzen rechnen. Verletzt oder tötet er jemanden durch seinen Fahrstil, so kommen auch zivilrechtlicher Schadenersatz oder Genugtuung in Frage.

Es ist Velofahrern also auf keinen Fall zu empfehlen, mit Tempo 50 durch eine Begegnungszone zu donnern. Die 20er-Zone ist nicht ohne Grund auf eine Geschwindigkeit von 20 km/h begrenzt – eine Ahndung aufgrund unangepasster Fahrtgeschwindigkeit daher nicht unwahrscheinlich.

Ob ein solcher Velofahrer allenfalls als Raser zu qualifizieren ist, hängt von deiner persönlichen Definition eines Rasers ab. Von Gesetzes wegen gilt nur als Raser, wer die zulässige Geschwindigkeit um mindestens 40 km/h überschreitet (wo die Höchstgeschwindigkeit 30 km/h beträgt). Dies wird in Art. 90 des Strassenverkehrsgesetzes (SVG) geregelt, der grundsätzlich auch auf Velofahrer anwendbar ist. Das würde bedeuten, dass man mit dem Velo mit Tempo 70 unterwegs ist – das entspricht ungefähr der Endspurtgeschwindigkeit an der Tour de France…

Alkohol «im Sattel» kann Fahrverbot nach sich ziehen

Leider oft gesehen, aber kein Kavaliersdelikt ist übrigens das Pedalen in fahruntüchtigem, weil alkoholisiertem Zustand. Gemäss Art. 91 Abs. 1 lit. c SVG i.V.m. Art. 19 Abs. 3 SVG kann einem das Velofahren bei diesem Vergehen für mindestens einen Monat verboten werden und es drohen bereits ab 0,5 Promille beziehungsweise 0.25 mg saftige Bussen, die kantonal unterschiedlich hoch ausfallen.

Bei Fahren mit einer Blutalkoholkonzentration von 1,6 Gewichtspromille oder mehr oder mit einer Atem-Alkoholkonzentration von 0,8 mg Alkohol oder mehr pro Liter Atemluft ordnet die kantonale Behörde auch bei Velofahrern obligatorisch eine Fahreignungsuntersuchung an. Diese kommt übrigens auch auf Ersttäter zu. Ist die Fahreignung wegen Alkoholsucht oder nicht genügender Trennung zwischen Fahren und Trinken nicht mehr gegeben, kommt ein Sicherungsentzug gemäss Art. 16d Strassenverkehrsgesetz auf unbestimmte Zeit in Betracht. So wird einem Velofahrer unter Umständen ab einem gewissen Alkoholpegel auch der Führerausweis entzogen.


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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • markus rohr am 27.06.2018 05:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frechheit

    soh scheinheilieg sind ja radfahrer nicht beobachte immer mehr wie frech sie sind übers stop oder bei rot einfach zu fahren .ich fahre ja auch rad mit motor 45 kmh und halte mich an die regeln .finde es nicht gerecht das sie diese frecheit /freiheit geniessen dürfen .

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  • sc am 27.06.2018 06:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nummernschild wie bei töffli

    Nummernschilder sollen wieder eingeführt werden. so kann niemand entwischen & man hat eine bessere Kontrolle bei verstössen

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  • anna am 27.06.2018 07:15 Report Diesen Beitrag melden

    naja

    Nein und schon gar nicht in Bern, da haben Radfahrer freie Fahrt. Bezüglich Tempo haben sie ja die praktische Ausrede, dass sie keinen Tacho haben und somit nicht wissen wie schnell sie unterwegs sind.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Alfred A. am 29.06.2018 23:24 Report Diesen Beitrag melden

    Rotlichtblitzer für die Velospur

    Und Kontrollschilder für die Velos. 95% der Probleme ... WEG!

  • Tombolor am 29.06.2018 19:20 Report Diesen Beitrag melden

    Nonsens

    Wer behauptet ein eBike sei wie ein Toeffli soll in den nächsten Veloladen und sich sowas erstmal ansehen und dann mal fahren, bevor solcher Mist verzapft wird. Ist ja ned auszuhalten, dieser faktenfreie Nonsens.

  • Tino K. am 29.06.2018 17:53 Report Diesen Beitrag melden

    Velodonner

    Ich habe noch nie ein Velo, mit welcher Geschwindigkeit auch immer und wie im Artikel beschrieben, durch eine Begegnungszone "donnern" gesehen oder gar gehört. So lärmig sind selbst die schnellsten Elektrobikes dann auch wieder nicht. Aber imposant an der Sache tönt der Schreibstil des Verfassers!

  • Herr Max Bünzli Waldegg am 29.06.2018 14:01 Report Diesen Beitrag melden

    ja henau

    aber, vor dem CH Gesetzen sind doch wie fast immer Alle gleich

  • Strample mit Muskelkraft am 28.06.2018 08:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    hab kein Ebike

    Also im Prinzip müsste es für ALLE motorisierten Fahrzeuge die Verkehrsregeln gelten. Also auch für Ebikes.

    • Spango am 28.06.2018 13:53 Report Diesen Beitrag melden

      Hä? Wat?

      Verkehrsregeln gelten für alle, selbst für normale Velos. Keine Ahnung, was du da kritisierst. Aber solltest du ein selbstfahrendes, schweres, lautes, stinkendes Töffli mit einem eBike, das komplett aus ganz normalen Velokomponenten aufgebaut, leise und nur mit Tretkraft fährt und dich durchaus immer noch ins schwitzen bringen wird, verwechseln, dann kann ich dir auch ned helfen .. das ist dann ein Verleugnungsproblem.

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