Schicksalsjahr 2018

05. Januar 2018 09:41; Akt: 05.01.2018 10:21 Print

Durchbruch oder Absturz für E-Auto-Pionier Tesla

von Dieter Liechti - 2018 wird zum Schicksalsjahr für Elon Musk und Tesla. Produktionsprobleme und die Konkurrenz könnten den Hype um die US-Stromer beenden.

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Keine Frage: Dank Elon Musk und seiner Marke Tesla steht die Elektromobilität weltweit vor dem Durchbruch. Der E-Auto-Pionier und Visionär hat mit seiner zu Beginn belächelten Offensive die ganze Automobilindustrie wach gerüttelt. Fachleute wie der deutsche Auto-Papst Ferdinand Dudenhöffer sehen in Tesla den Retter der Industrie. «Das batterieelektrische Auto hat mit Tesla Quantensprünge gemacht.»

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Schafft Tesla 2018 den Durchbruch oder gibts einen Absturz?

Tatsächlich hat Musk die etablierten Konzerne mit seinem Start-Up nicht nur wach gerüttelt, sondern links überholt. Von Null auf Tempo 100 kann dem Model S P100D zwar niemand paroli bieten, doch bei unserem Test mit dem S P100D für knapp 165'000 Franken wurde die elektrische Freude am Fahren – wars ein Montags-Auto? – durch unerwartete Probleme getrübt:

- Das Navi blockierte, versagte mehrmals seinen Dienst.

- Der externe Zugriff auf das Auto durch Tesla-Techniker funktionierte wiederholt nicht.

- Die Ladezeiten (auch am Supercharger) und die Versprechen bei der Reichweite konnten nicht eingehalten werden.

- Beim Beschleunigen – ja, das macht wirklich Spass! – blockierte der Gurt des Beifahrers an verschiedenen Tagen mehrmals und konnte während der Fahrt nicht mehr gelöst werden.

Nur «Ungläubige» kritisieren

Solche Probleme darf man gegenüber Tesla-Fans oder Tesla-Chefs allerdings nicht erwähnen, sonst wird man sofort zum «Ewiggestrigen, der sich der Zukunft widersetzt». Denn die Tesla-Gemeinde reagiert auf Kritik wie eine Sekte – wer kritisiert, hinterfragt oder über Probleme berichtet, wird schlicht zum «Ungläubigen». Diese Reaktion ist allerdings kein Wunder, denn Elon Musk funktioniert genau gleich.

Doch nun ist auch Musk in der Realität angekommen: Der E-Auto-Pionier scheiterte im vergangenen Quartal erneut an seinen eigenen Vorgaben. Statt die Marke mit dem Model 3 auf der Überholspur aus der Nische in den Massenmarkt zu fahren, rollt der E-Auto-Pionier derzeit eher auf dem Pannenstreifen. Denn im vierten Quartal 2017 wurden nur gerade 1550 Stück von Teslas erstem Mittelklassewagen Model 3 ausgeliefert, wie die Firma des Tech-Milliardärs bestätigte. Das anfangs ausgegebene Ziel von 5000 gefertigten Model 3 pro Woche verschob Tesla zum zweiten Mal nach hinten und geht nun davon aus, diese Produktionsrate erst Mitte 2018 erreichen zu können.

Damit wurden die bereits gesenkten Erwartungen der Analysten massiv enttäuscht. Und Musk räumte offen Startschwierigkeiten ein und klagte, man befinde sich «tief in der Produktionshölle». Immerhin: Ende des ersten Quartals sollen, wenn alles gut geht, 2500 Model 3 pro Woche vom Band laufen.

Schonzeit für Tesla ist vorbei

Das ist für die Zukunft von Tesla auch dringend nötig, denn 2018 rollen die ersten echten Gegner von etablierten Herstellern an den Start: Vor allem der Jaguar I-Pace, der am Genfer Salon Weltpremiere feiert und ab März bestellt werden kann (Auslieferung im Sommer) dürfte den Amis zusetzen. Nicht nur bei der ähnlichen Technik, auch beim Preis. Später im Jahr folgen mit Audi E-Tron Quattro und Mercedes EQ C weitere Stromer auf Tesla-Niveau.

Doch unabhängig von der Marke wird die E-Mobilität immer noch hinterfragt: Wie sieht die Öko-Bilanz inklusive Elektrizität und Entsorgung wirklich aus? «So sind wir halt. Da muss es doch irgendwo was geben, dass die schöne neue Welt kaputt macht», ärgert sich Professor Dudenhöffer. «Wir sollten uns von solchen Geschichten nicht die Zukunft vermiesen lassen. Jede Ökobilanz kann man sich mit seinem Strom-Mix bunt oder schwarz malen.»

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • xeboman am 05.01.2018 10:01 Report Diesen Beitrag melden

    Konkurrenz zu No3

    Man muss auch sehen, dass es sich nicht alle leisten können ein Tesla oder auch Jaguar I-Pace oder Audi E-Tron zu kaufen. Der Hyundai Ioniq EV macht eine gute Figur und wenn die Batterie-Kapazität noch dieses Jahr erhöht wird. Der Nissan Leaf 2 steht auch in den Startlöchern oder der Hyundai Kona EV kommt auch 2018. Das sind sicher gute Alternativen zu Tesla 3 und erst noch bezahlbar ;-)

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  • Cavi33 am 05.01.2018 10:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tesla, wäre wenn .....

    Das höre ich bald jedes Jahr von diesem Konzern. Möchte endlich den kleinen Tesla kaufen aber nicht warten bis ich sterbe. Musk tanzt einfach auf zu vielen Hochzeiten.

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  • Designer am 05.01.2018 09:59 Report Diesen Beitrag melden

    Tolles Image!...das wars dann aber

    Ich bin letzten Monat einen Tesla gefahren, das Interior ist Meilen weit entfernt von BMW, Audi etc., ein grosser Display macht die mangelnde Qualität bei den Sitzen den Verkleidungen einfach nicht wett. Die deutschten Automobilhersteller sind einfach immer noch das non Plus ultra und das wird sich so schnell nicht ändern. Die Automobilzulieferer in Europa kann man aber auch nicht mit dem Amateuren in den USA vergleichen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • driver am 17.01.2018 18:45 Report Diesen Beitrag melden

    Gebt dem Kerl doch eine Chance!

    Ohne E. Musk mit seinen brauchbaren Teslas gäbe es noch lange keine funktionierenden E-Autos; auch nicht von anderen Herstellern. Gebt dem Kerl doch eine Chance!

  • peter am 08.01.2018 02:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    E-Auto Pioneer

    das soll ein Witz sein. Herr Porsche hat vor 100 Jahren in Wien bereits das erste Elektro Auto gebaut. VW hat in den 70er den Elektro golf gebaut. also Tesla ist alles andere aber kein Pioneer

    • Tesla M3 am 08.01.2018 11:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @peter

      Was nützt uns das im hier und jetzt?

    • Dä Jesus am 08.01.2018 11:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @peter

      Das erste dokumentierte Elektro Auto wurde zwischen 1832 und 1839 von schottischen Erfinder Robert Anderson in Aberdeen gebaut. Also schonwieder nicht Platz 1 für Deutschland. So langsam könnte man denken, die Deutschen sind gar nicht so erfinderisch. Alle entwicklungen, auf die Deutschland so stolz ist, gab es schon einige Jahrzehnte vorher.

    • Peter M. am 08.01.2018 18:32 Report Diesen Beitrag melden

      @ dä jesus

      Muss dieses auf-den-Mann-Spiel und niveaulose Anrüppeln von Nachbarn wirklich sein?

    • Dä Jesus am 11.01.2018 18:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Peter M.

      Ja muss es, denn es kann nicht sein, dass sich einige mit Errungenschaften anderer Brüsten, ohne diese auch nur ansatzweise zu erwähnen.

    • Zweistein am 13.01.2018 16:32 Report Diesen Beitrag melden

      @Dä Jesus

      So wie Tesla & Musk etwa? Was haben die erfunden? Wie generiert man über Jahre heisse Luft in Zeitungen und im TV vielleicht.

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  • Divico am 07.01.2018 22:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tesla hat einen Trumpf...

    ...Tesla produziert als einziger E-Auto anbieter seine Batterien selbst und bewart sich so Vorsprung und Unabhängigkeit. Wenn dann noch die Produktion des Massenmodell Tesla 3 anläuft ist Tesla nicht mehr zu stoppen.

    • Illumination am 07.01.2018 23:11 Report Diesen Beitrag melden

      @Divico

      Dachte ich auch - aber Panasonic produziert in der Gigafactory (Nevada) die Batteriezellen, und Tesla baut daraus die Batteriepakete. Diese werden dann in die Autofabrik in Fremont (Kalifornien) transportiert. Bei der Zellenfertigung gab es Probleme, ohne näher ins Detail zu gehen (Kazuhir0 Tsuga/Panasonic-Chef) - auch ein Grund für die Lieferverzögerungen/Modell 3..

    • Morgan Stern am 08.01.2018 10:25 Report Diesen Beitrag melden

      @illumination.... korrekt ist folgendes:

      .... Bis 2020 erhält Tesla Steuererleichterungen von bis zu 1,3 Milliarden US-Dollar. Insgesamt investiert das Unternehmen fünf Milliarden Dollar in die Gigafactory. Kooperationspartner Panasonic investiert 1,6 Milliarden Dollar.... ergo hat Divico recht, denn Panasonic ist hier nur Kooperationspartner. Eigner der Gigafactory ist TESLA!

    • Illumination am 08.01.2018 11:00 Report Diesen Beitrag melden

      @Morgan Stern

      Niemand bestreitet die Eigentumsverhältnisse - es geht mir um die Produktionsverhältnisse.. Panasonic produziert in der Gigafactory die Zellen (im Sinne von "physischer Herstellung"), und Tesla "schnürt" diese in der Gigafactory zu Batteriepaketen - ohne Panasonic läuft gar nichts.. Die wegfallenden Steuererleichterungen sind übrigens ein weiteres kommendes Problem für Tesla - oder je nach Verlängerung auch nicht.. ;-)

    • Dä Jesus am 08.01.2018 12:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Morgan Stern

      Bei Tesla wird auch fleissig an einer neuen Akkutechnologie geforscht, denn mit dem momentanen Stand der Technik, lassen sich Roadster 2 und Semi Truck noch nicht, mit diesen Werten, realisieren. Gerüchten zu folge forschen Panasonic und Tesla gemeinsam an Graphenakkumulatoren, welche leistungsfähiger sein sollen, als die, die Samsung kürzlich präsentiert hat. Auch soll diese Technik ohne seltene Erden und anderen giftigen Elemente auskommen. Zusätzlich soll das Gewicht, die Baugrösse und die Produktionskosten mit Graphen stark sinken, wärend die Energiedichte zunimmt. Mal sehen was die Zukunft bringt. Aber die Deutschen haben die Elektromobilität entgültig und unaufholbar verschlafen. Alle werden jetzt der Reihe nach EVs mit Hightech Akkus rausbringen wärend Deutschland langsam anföngt überhaupt über vollelektrische Autos nachzudenken.

    • Dä Jesus am 08.01.2018 12:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Illumination

      Ja Panasonic, peoduziert Physisch die Einzelnen zellen und Tesla baut physisch die Akku Pakete, also bauen sie die Akkus doch gemeinsam. Wenn sich Pqnasonic zurückziehen würde, wäre das ein kleines Problem, da man das Knowhow wieder erlangen kann, aber warum sollten sich Panasonic und Tesla wieder trennen, von dieser Partnerschaft profitieren beide. Panasonic kann an neuartigen Akkutechnologien für die Elektromobilität forschen und Tesla kann sein wissen über Elektromobilität direkt in die Entwicklung einfliessen lassen. Zweiter Vorteil ist, sie haben so signifikant mehr Mittel zur verfügung und drittens können die neuen Akkus schnell unter Realbedingungen getestet werden, ohne dass man dafür an eine externe Firma treten muss, die dann unter umständen Geheimnise verrät.

    • Illumination am 08.01.2018 13:34 Report Diesen Beitrag melden

      @Dä Jesus

      Ja, mal sehen, was die Zukunft 2018+ bringt - bei der Akku-Herstellung in Europa und v.a. Deutschland durch Samsung, LG, TerraE, Northvolt etc. - mit den kommenden europäischen/deutschen E`Modellen... Die Deutschen haben die Elektromobilität meines Wissens überhaupt nicht "endgültig und unaufholbar" verschlafen (warum eigentlich immer nur die Deutschen in Europa - interessiert z.B. den Fiat FCA-Konzern keine Spur)... ;-)

    • Zweistein am 13.01.2018 16:37 Report Diesen Beitrag melden

      @Illumination

      Man könnte es auch so ausdrücken: Warum haben eigentlich alle Autohersteller auf der Welt die Elektromobilität "verschlafen"? Sind alle doof ausser Musk? Alles inkompetente Manager und Ingenieure? ... Das Fingerpointing auf die dt. Hersteller bedient halt das gewohnte "Feindbild". Alle anderen Autohersteller sind natürlich vieeel weiter und up to date, wie man auf der Strasse täglich sieht :-)

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  • max vontobel am 07.01.2018 18:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    interessant -

    Es ist ja interessant, fast schon lachhaft, dass sich unter dem Schadstoffdeckel der Flugzeugabgase, die ja nie erwähnt werden, sich Leute um die Ökobilanz der Elektroautos streiten.

    • Ric 123 am 10.01.2018 21:20 Report Diesen Beitrag melden

      Jeder kann einen Beitrag leisten

      Klar soll man das auch angehen, und das wird ja auch gemacht. Bei Containerschiffen wäre das eigentlich noch dringender als bei Flugzeugen. Nur ist das keine Ausrede sich nicht um die Autos zu kümmern. Denn genau da kann Jeder selbst seinen Beitrag dazu leisten, dass auch unsere Urgrosskinder noch einen guten Lebensraum haben.

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  • Alfred Aeschlimann am 07.01.2018 11:21 Report Diesen Beitrag melden

    Abgaben

    Sobald die Stromer die selben Abgaben bezahlen müssen, wie sie auf dem Benzin und Diesel für die Strassen (zweckgebunden für Aufgaben im Zusammenhang mit dem Strassen- resp. Luftverkehr) erhoben werden, ist der Stromer-Boom sowieso vorbei. Diese E-Autos beanspruchen die Strassen ja auch?

    • Peter am 07.01.2018 18:16 Report Diesen Beitrag melden

      Günstiger

      Auch mit der "Mineralölsteuer" ist ein Stromer immer noch um Faktoren günstiger im Betrieb.

    • Tesla M3 am 07.01.2018 20:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Alfred Aeschlimann

      Erstens habe ich weniger Unterhaltskosteb zweitens habe ich eine Solaranlage um ihn zu Tanken wie wollen sie solche Steuern einführen?

    • Ric 123 am 10.01.2018 21:24 Report Diesen Beitrag melden

      Zukunftsmusik

      Es wird darüber diskutiert, eine kilometerbasierte Abgabe einzuführen. Diese wäre dann unabhängig davon ob der Strom von der eigenen Solaranlage kommt. Die Strassen müssen ja auch noch finanziert werden, wenn keine Mineralölsteuern mehr reinkommen. Auch dann sollte der Unterhalt eines e-Autos noch günstiger sein als bei einem Abgasauto.

    • Abacus am 13.01.2018 16:52 Report Diesen Beitrag melden

      @Tesla M3

      Nebenbei: Die Anschaffung der Solaranlage kostet auch Geld, was man bei den Betriebskosten einrechnen muss. Die Aufwände/Betriebskosten der Ölfirmen sind ja auch im Benzinpreis drin. Und bez. Steuern: Ganz einfach: Steuern pro PKW pauschal, zusätzlich pro Akku-Kapazität und kW Leistung der Motoren. Und Einführung eines neuen Stromtarifs (incl. Steuersatz) für Mobilität (zzgl. Industrie + Haushaltstarife). Ggf. kann man auch die verbrauchten kWh besteuern ("Ablesedienst" in der Werkstatt, so wie bei Heizkörpern). Wen interessiert ob man den Strom aus einem Windrad oder aus Solarzellen gewinnt?

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