Muldenkipper eDumper

20. April 2018 16:00; Akt: 20.04.2018 08:26 Print

Grösstes E-Fahrzeug der Welt ist «Swiss made»

Vergiss Tesla und Konsorten: Das grösste Elektroauto der Welt stammt aus der Schweiz, wiegt 58 Tonnen und arbeitet ab Montag in einem Steinbruch.

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Der in den vergangenen 18 Monaten konzipierte Elektromuldenkipper sorgt für gleich drei Weltrekorde:

1. Der eDumper ist das grösste und stärkste batteriebetriebene Elektro-Radfahrzeug der Welt.

2. Dazu wurde ihm die grösste je für ein Elektrofahrzeug hergestellte Batterie eingebaut, welche mit 4,5 Tonnen so schwer wie zwei komplette Pws ist.

3. Noch nie hat zudem ein vergleichbares Fahrzeug eine derart grosse Menge an CO2 einsparen können. Der eDumper wird die nächsten 10 Jahre jährlich über 300'000 Tonnen transportieren. Dabei spart das Fahrzeug in den kommenden 10 Jahren bis zu 1300 Tonnen CO2 und 500'000 Liter Diesel ein.

Wer bremst, gewinnt!

Der eDumper wird Kalk- und Mergelgesteine aus einem höher gelegenen Abbaugebiet in eine tiefergelegene Verarbeitungsanlage transportieren. Bei der voll beladenen Talfahrt werden die Batterien mittels Rekuperation der Bremsenergie geladen. Der so erzeugte Strom reicht nach vorläufigen Berechnungen für die unbeladene Rückfahrt bergauf ins Abbaugebiet weitgehend aus. Er wäre damit ein Null-Energie-Fahrzeug.

Vom Dieselmotor zum Elektroantrieb

Der umweltfreundliche eDumper wurde auf Basis eines diesel-betriebenen Muldenkippers des Typs Komatsu HD 605-7 komplett neu aufgebaut. Um den Elektroantrieb optimal zu dimensionieren, haben Forschende der Berner Fachhochschule am Institut für Energie- und Mobilitätsforschung IEM das herkömmliche Modell mit vielerlei Sensoren bestückt, damit zahlreiche Messdaten gewonnen werden konnten. Unter anderem das nötige Drehmoment an der Kardanwelle sowie die Leistungsabgabe des Motors zusammen mit dem jeweiligen Fahrzustand und den GPS-Daten des Fahrzeugs gemessen.
Das BFH-Zentrum Energiespeicherung befasste sich daraufhin mit der Evaluation geeigneter Batteriezellen und der Kühlung eines Batteriemoduls. So wurden die passenden Li-Ionen-Zellen herausgesucht und eines der mit den ausgewählten Batteriezellen konfektionierten Batteriemodule in einer speziellen, in einem Schiffscontainer untergebrachten Testanlage, geprüft.

Batterien werden überwacht

Um die Langlebigkeit und Robustheit der Technik zu gewährleisten, wurden von der Interstaatlichen Hochschule für Technik Buchs Erschütterungen des Diesel-Muldenkippers im realen Einsatz und die Wärmeabgabe der Batteriezellen des künftigen eDumpers untersucht. Dieses Forscherteam konzipierte auch das Thermomanagement für das Batteriepaket, berechnete die nötige Stärke der Batteriehalterung und die Auslegung der Schweissnähte. Ihm obliegt auch die Überwachung der eDumper-Batterie im realen Einsatz.

Damit die Brandsicherheit einer derart grossen Batteriezelle gewährleistet ist, überprüfte die Materialforschungsanstalt Empa das Verhalten der verwendeten Li-Ionenzellen im Falle eines Kurzschlusses oder einer mechanischen Beschädigung. Nie zuvor ist ein Landfahrzeug mit einem solch gewaltigen Akkupaket bestückt worden. Der eDumper ist nun so konstruiert, dass eine «durchgehende» Zelle keine Nachbarzellen in Mitleidenschaft ziehen kann.

Nicht nur die Konzeption des eDumpers geschah in der Schweiz, auch die verbauten Komponenten stammen zum grossen Teil von schweizerischen mittelständischen Unternehmen. Das grösste Elektroauto der Welt wurde heute in Anwesenheit von zahlreichen Vertretern aus Wirtschaft und Politik auf den Namen «Lynx» (Luchs) getauft und nimmt kommende Woche im Steinbruch der Vigier Ciment seine Arbeit auf.

(lab)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dani am 20.04.2018 17:17 Report Diesen Beitrag melden

    Interessant

    Das ist jedenfalls mal ein interessantes E-Fahrzeig-Projekt. Dass fast der ganze der Strom aus dem Gewicht der Steinen kommt, die den Berg heruntergefahren werden, könnte der Ausschlag sein, dass sogar die eventuell schlechte Ökobilanz der Batterie vertretbar ist.

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  • Nick_Name am 20.04.2018 17:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tatsächlich ist dies

    das erste überzeugende Konzept eines Elektrofahrzeugs. Tesla und Konsorten ist in erster Linie Etikettenschwindel mir Verlagerung des CO2 Ausstosses auf andere Energiequellen und enormem Energieaufwand im Ausland.

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  • Der Philosophe am 20.04.2018 17:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mich nimmt ja

    die Ökobilanz der 4.5 Tonnen schweren Batterie wunder :-)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Version LP am 03.05.2018 18:28 Report Diesen Beitrag melden

    Alles nur Elektromotoren?!

    Die anderen Mienenlastwagen haben auch einen Elektromotor, ABER sie werden nicht von einem Akku eingespeißt sondern von einem Generator der durch einen großen Dieselmotor angetrieben wird!!!

  • Rosaf am 21.04.2018 16:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nur Vorteile

    Liebe Leute, kauft Euch das Bieler Tagblatt von heute Samstag und ihr könnt die Antwort auf viele Eurer Fragen nachlesen. Der EDumper wird, wenn im definitiven Abbaugebiet eingesetzt, am Abend an das Stromnetz angeschlossen, um seine durch die Rekuperation gesammelte Energie an das Netz abzugeben. Auch beim Unterhalt wird es enorme Einsparungen geben, kein Bremsverschleiss, kein Motoröl, das gewechselt werden muss, Elektromotoren laufen Jahrzehnte ohne Verschleiss. Habe Erfahrung damit, dreissig Jahre Lokführer und seit 6 Jahren auch auf der Strasse elektrisch unterwegs.

  • elpololo am 21.04.2018 12:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    real life

    und man muss trotz des IN DIESEM FALL hervorragenden einsatzgebietes berücksichtigen, dass wenn es mal eine serienproduktion geben sollte (diese art minen sind eher selten, meist holt man was aus löchern heraus), die ganzen 58 tonnen stahl, aluminium, kunststoffe, glas kupfer, lithium usw. erst mal abgebaut werden müssen, verarbeitet werden (rohstoffe brauchbar machen, ggf. legieren, verarbeiten, nachbearbeiten uswm). würde irgend ein hersteller oder verkäufer den gesamt co2 ausstoss des GESAMTEN herstellungsprozesses angeben, niemand wollte es mehr kaufen. aber die milch kommt ja aus dem laden....

    • fanki am 21.04.2018 12:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @elpololo

      Danke für den Kommentar bin ganz deiner Meinung! Aber die meisten Leute sehen immer nur das Endergebnis.

    • Ford Cabri au Lait am 21.04.2018 13:58 Report Diesen Beitrag melden

      Potenzielle Energie

      Der Energieerhaltungssatz gehört nicht nur ins Physikbuch.

    • Geröllheimer Barney am 21.04.2018 14:14 Report Diesen Beitrag melden

      @Ford Cabri au Lait

      "Not macht erfinderisch." Diesen Spruch sollte sich die Nagra auf ihr Fähnchen schreiben.

    • Illumination am 21.04.2018 17:55 Report Diesen Beitrag melden

      @elpololo

      Alles richtig - ändert aber nichts daran, dass der eDumper ab dem zweiten Betriebsjahr ca. 130 t CO2 weniger produziert im Vergleich zum Dieselmotor - und nur darum geht es, nicht um die gesamte Fahrzeug-Herstellung (im ersten Betriebsjahr hebt sich der CO2-Anteil von ebenfalls ca. 130 t durch die 650-kWh-Akkuherstellung ungefähr auf; Li-Ion-Akku Lebensdauer ungefähr +/- 10 Jahre)...

    • Adrian Habegger am 22.04.2018 13:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @elpololo

      und die ganze graue Energie zum Fördern des Erdöls, das verbreitete Abfackeln der Gase aus dem Borloch, den Transport mit zeitweise havarierenden Öltanker die dabei den dreckigsten Brennstoff überhaupt (Schweröl) verbrennen, die energieintensive Raffineration zu Benzin Diesel usw braucht wohl keine Energie??

    • LükP am 24.04.2018 21:07 Report Diesen Beitrag melden

      @elpololo

      Niemand behauptet, dass eDumper sich von selbst ohne jeglichen Einsatz von Energie und Rohstoffen bauen - aber das tun Diesel-Dumper ja auch nicht. Man muss den gesamten Verbrauch und die gesamte CO2-Produktion beider Fahrzeuge von der Geburt bis zum Dahinscheiden vergleichen. Amen.

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  • Typhoeus am 21.04.2018 05:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Noch heute lass ich mir

    auch einen Emotor einbauen.

  • Electron am 20.04.2018 22:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ühhhh

    Aus Gründen der Energieerdparnis, wurden im Artikel die Punkte bei den Umlauten weggelassen - ich schmeiss mich weg :-)